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Schnappviehzum Einsammelnvon Heischegaben,Ende 19./Anfang 20. Jh.

Gesicht eines Riesen (Goliath?), Spuren von Schrotschüssen,1. Hälfte 19. Jh.

Gesichtsmaske ausEisen, 1890/91.

© Wolfgang Lackner

Blick in die Ausstellung „Hinter der Maske“ im Tiroler Volkskunstmuseum, Teufelsmasken.

© (4) TVKM

Spielmaske, Oberpustertal um 1900.

 
Leben 14. September 2014

Die Macht der Maske

Vielfältige Bedeutungen und eine lange Tradition: Die Maske hat eine lange Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht. Zu Zeiten der Pestepidemien diente sie manchen Ärzten als schützendes Utensil.

Sich zu maskieren hat seinen Ursprung in rituell-kultischen Handlungen. Die Maske ist dabei ein unverzichtbares Utensil. Ihre unterschiedlichen Bedeutungsfacetten werden in der Ausstellung „Hinter der Maske“ im Tiroler Volkskunstmuseum erläutert.

Masken als Teil des ältesten überlieferten Kulturgutes stehen zunächst im Zusammenhang mit dem Totenkult. Neolithische Schädelmasken ebenso wie ägyptische Totenmasken schaffen eine Verbindung zum Jenseitigen und Übersinnlichen. Die alten Bezeichnungen für „Maske“ wie etwa „Larve“ und „Scheme“ beziehen sich darauf: der lateinische Begriff „larva“ bezeichnet einen Geist, das mittelhochdeutsche „schëme“ ein Schattenwesen. Eine Maske ist demnach nichts Alltägliches, denn schließlich verbirgt der Maskierte dahinter seine individuelle Persönlichkeit. Er gehört damit einem anderen Bereich an, der mit herkömmlicher und vertrauter Normalität nichts zu tun hat. Ein Maskenträger ist immer Mittler zwischen zwei Welten. Das hat nicht immer nur mit Kultisch-Spirituellem zu tun: Theatermasken aus römischer Zeit, die auf erhalten gebliebenen Fresken zu sehen sind, gehören mit zu den ältesten Maskendarstellungen.

Form und Ausdruck

Auch heute noch sind Maskenbildner für Film und Bühne unverzichtbar. Um überzeugend in eine Rolle zu schlüpfen, bedarf es ihrer besonderen Fähigkeiten.

Eine Voll- oder Halbmaske, die das ganze Gesicht oder aber nur dessen oberen Teil bedeckt, kann im Zusammenhang mit kultisch-rituellen Handlungen auch bannen und dadurch Böses abwenden. Sie ist Hilfsmittel, um etwa Jagdglück oder Fruchtbarkeit günstig zu beeinflussen. Durch ihren oft starren Ausdruck drückt sie immer etwas dem Individuum Übergeordnetes aus. Person und Persönlichkeit verschwinden dahinter, werden durch die Maske und ihre Funktion verborgen. Eine funktionslose Maske gibt es demnach nicht, denn jede hat ihre bestimmte Funktion, die mit ihr in einem bestimmten Zusammenhang steht. Kultische Masken sind immer ein Zeichen eines Übertritts in eine andere, spirituelle Sphäre. Ihre frühesten Formen sind mit unterschiedlichen Kulten verbunden, um die Distanz zum Göttlichen zu wahren, dessen man im Allgemeinen nicht ansichtig werden konnte und sollte.

Auch Masken, die in Ritualen außereuropäischer Völker eine besondere Rolle spielen, versetzen den, der eine bestimmte rituelle Figur verkörpert, auf eine andere, zeitlich begrenzte Bedeutungsebene. Zugleich üben sie auch eine Schutzfunktion aus, um zu verhindern, dass das übermächtig Spirituelle, kultisch in Aktion gesetzt, Schaden anrichten kann. Viele der damit verbundenen rituellen Handlungen haben sich – teils in Choreographien und Tänzen im Brauchtum bis heute erhalten, ihr zugrunde liegender detaillierter Sinn lässt sich allerdings oft kaum mehr enträtseln.

Schön oder grotesk

Einer Maske liegt immer etwas Eigenartiges zugrunde, das kann man an ihrem Ausdruck ablesen, den ihr ihr Schöpfer verliehen hat. In der italienischen Commedia dell´arte, die ihren Ursprung im 15. Jahrhundert hat, wurden bestimmte Typen wie Pantalone, Dottore Gratiano oder Arlecchino maskentragend und satirisch überzeichnet auf die Bretterbühne gebracht. Andere Masken wirken fast androgyn, wie jene „Larven“ aus dem alpenländischen Raum, mit denen die Lungauer Schönperchten oder beispielsweise die Scheller und Roller des Imster Schemenlaufs ausgestattet sind.

Ganz anders die Angst einflößenden Krampus- und Perchtenmasken oder die grotesken Larven, die zum festen Bestandteil der Basler Fasnacht gehören. Der Ausdruck, ob furchterzeugend oder lächerlich überzeichnet, ist dabei wichtig. Das damit verbundene „Anderssein“, das dadurch ausgelöst wird, dass man sein Antlitz mittels der Maske verbirgt, hat unbestritten auch eine soziale Funktion, die mit gesellschaftlichen Konventionen zusammenhängt. Der Träger einer Maske hat für einen bestimmten Zeitraum gewisse Freiheiten, genießt zudem mitunter auch besondere Privilegien - bis zu dem Zeitpunkt, an dem er seine Maske abnimmt.

Das Tragen einer Maske ist folglich mehr als nur bloße Verkleidung. Stattdessen findet ein tiefgreifender Wechsel statt, der weit über die eigene Persönlichkeit hinausreicht.

Masken als Schutz für Pestärzte

Die Ausprägung von Masken, die mit bestimmten Funktionen verbunden sind, sind teils sehr skurril: Im Verlauf des 17. Jahrhunderts trugen Pestärzte seltsame Schnabelmasken, die mit Luftschlitzen und im Inneren des vogelschnabelähnlichen Fortsatzes mit Kräuterbüscheln ausstaffiert waren. Ihr Ursprung konnte bislang nicht eindeutig geklärt werden. Auch in der Rechtsprechung haben Masken unterschiedliche Funktionen: Die Schandmaske musste der am Pranger stehende Delinquent tragen, der Scharfrichter als Vollstrecker eines Urteils verbarg sein Gesicht unter einer Kapuze, um inkognito, wie manche Spezialeinheiten heutzutage, seiner Aufgabe nachzukommen. Auch Totenmasken haben eine besondere Bedeutung. Sie dokumentieren unvergänglich ein letztes Mal die physiognomische Eigenheit des Verstorbenen. Diese Form des Ausdrucks findet sich nur in diesem einen, bestimmten Moment, der so für die Nachwelt erhalten bleibt.

Bis 9. November kann man sich einen Überblick über die vielfältige Geschichte der Masken und ihrer Bedeutung im Tiroler Volkskunstmuseum verschaffen.

www..tiroler-landesmuseen.at

Thomas Kahler, Ärzte Woche 37/2014

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