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Internist Edmund Cauza mit einer Patientin auf der neuen Akutgeriatrie.
 
Leben 3. September 2014

Akutgeriatrie in Wien-Speising eröffnet

Zeit und Zuwendung schenken.

Entgegen dem Trend: Ältere Patienten sollen nach einer orthopädischen Operation länger im Krankenhaus nachbetreut werden.

Ältere Menschen brauchen Zeit; mehr Zeit, um nach Operationen wieder fit zu sein und vollkommen zu genesen. Dem trägt die neue "Akutgeriatrie und Remobilisation" (kurz: AGR) Rechnung, die am 1. September im grünen Herzen Wiens, im 13. Bezirk, im Orthopädischen Spital Speising als Abteilung eröffnet wurde.

Prognosen untermauern indes die Notwendigkeit für die klinische Nachbetreuung von älteren Personen: Wie die Statistik Austria vorrechnet, wird bis zum Jahr 2050 der Anteil der über 65-Jährigen in Wien von derzeit 17 auf 22% steigen.

Der Wiener Internist und Geriater Privatdozent Dr. Edmund Cauza, 48, der mit der Leitung dieser neuen AGR in Wien betraut ist, erklärt das Konzept so: "Oftmals weisen ältere Patienten schwere Grunderkrankungen auf, wie etwa Diabetes, Herz-Kreislauf-Störungen oder andere internistische Krankheiten. Man kann diese Menschen daher nach einer orthopädischen Operation nicht gleich aus dem Spital entlassen, sondern sollte sie solange nachbetreuen und medizinisch überwachen, bis sie völlig genesen sind und wieder fit und  mobil nach Hause gehen können. Genau das ist unser Ziel".

Neben bester medizinischer Betreuung setzt Cauza dabei auch auf die Zuwendungs-Komponente: "Den Menschen Zeit geben, Gespräche anbieten, ihre Sorgen hören - das gehört zum Genesungsprozess für uns auf der AGR dazu".

Seelisches Wohl fördern

Ganz bewusst wird damit der moderne Trend, Patienten möglichst rasch aus dem Spital zu entlassen, umgekehrt, sagt Mag. David Pötz, MSc, Geschäftsführer des Orthopädischen Spitals Speising: "Wir wollen Zeit und Zuwendung schenken. Das seelische Wohl ist uns sehr wichtig".

Dabei, den Patienten möglichst gut zu umsorgen, helfen viele Menschen aus unterschiedlichen Berufsgruppen: Neben den Fachärzten für Innere Medizin & Geriatrie sind dies auch Orthopäden, Pflegekräfte, Ergo- und Physiotherapeuten, Diätologen, Psychologen, ein Seelsorgeteam und die sogenannten Entlassungsmanager, die die Patienten beim Übergang von der Klinik in den Alltag außerhalb des Spitals unterstützen. "Ein volles Programm mit einem echt interdisziplinären Team also", freut sich Cauza.

"Living-together-Prinzip": Offener Marktplatz und Kartenspiele

Ganz besonders zeichnet die AGR in Wien-Speising auch das sogenannte "Living-Together"-Konzept auf der Station aus: Hier können die Patientinnen und Patienten auf einem "Marktplatz" - einem großen, hellen, wohnlich eingerichteten Raum mit Küche und Blick ins Grüne -gemeinsam ihre Zeit verbringen, miteinander kochen, sich an Gesellschaftsspielen erfreuen, Kontakte knüpfen, plaudern. "Diese soziale Integration fördert die Mobilisierung und Genesung entscheidend", sind sich die Verantwortlichen, Cauza und Pötz, sicher.

Die Eckdaten der neuen Einrichtung skizziert Spitals-Chef David Pötz so: "Die Akutgeriatrie wird 24 Betten umfassen. Durch ihre Ausrichtung auf den Bewegungs- und Stützapparat wird sie das bisherige Angebot des Orthopädischen Spitals Speising optimal ergänzen. Ganz besonders freuen wir uns auch, dass wir mit dieser Einrichtung rund 30 neue Arbeitsplätze schaffen konnten".

Die Einrichtung wird übrigens eng mit der AGR im Wiener Herz-Jesu-Krankenhaus kooperieren, deren internistische Leiter ebenfalls Edmund Cauza ist. Dass Herz-Jesu-Krankenhaus ist ebenso wie das Orthopädische Spital Speising Teil der Vinzenz Gruppe.

Die Speisinger AGR nimmt Patienten ab 65 Jahren auf; Zuweisungen in die neue Einrichtung können von allen Krankenanstalten aus getätigt werden.

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