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Leben 28. August 2014

NebenWirkungen: Österreich geht baden

Um einem zurzeit äußerst beliebten Trend in den Social-Media-Portalen zu folgen, rufe ich hiermit die „Chef-Visiten Water Challenge“ ins Leben.

Die „Ice Bucket Challenge“ macht Schlagzeilen. Seit Wochen übergießen sich Prominente – von Mark Zuckerberg bis hin zu Helene Fischer – mit einem Kübel Eiswasser und stellen ein Bild davon ins Internet, um auf die Nervenkrankheit ALS aufmerksam zu machen. Und obwohl der Erfinder dieser Initiative selbst – welch böse Ironie des Schicksals – bei einem gewagten Sprung ins kalte Wasser ertrunken ist, geht diese Kampagne weltweit munter weiter. Wer die Herausforderung gemeistert hat, darf weitere Personen nominieren. Wer nicht mitmacht, muss 100 Dollar an die ALS-Stiftung bezahlen. Ob es der Geiz war, der auch Bill Gates dazu bewogen hat, das Wasser zu wählen, sei dahingestellt.

Die „Cold Water Challenge“ hat nun auch Österreich erreicht. Dabei muss eine nominierte Blasmusikkapelle in voller Montur musizierend ins Wasser gehen. Wer dem örtlichen Schwimmbad, dem Fluss oder der Kanalisation wieder entsteigt und ein Video davon gepostet hat, darf drei weitere Kapellen nominieren. Wird die Challenge innerhalb von 48 Stunden nicht angenommen, so muss den Herausforderern eine Jause spendiert werden. Im Vordergrund steht also weniger der gute Zweck, sondern die Gaudi. Woran man sieht, dass die Österreicher eher lustig, denn zweckmäßig sind.

Und wer diese Kolumne schon ein paarmal studiert hat, wird nicht überrascht sein, dass ich an dieser Stelle die „Chef-Visiten Water Challenge“ ins Leben rufe. Eine nominierte Abteilung muss binnen eines ausgemachten Zeitraums eine Chefvisite im Becken des örtlichen Kurbades abhalten. In voller Traditionskluft. Da der mitgeführte Patient während der Challenge in seinem Krankenbett unter Wasser zu stehen kommt, ist aus ethischen Gründen eine Sauerstoffmaske mitzuführen. Wer die Challenge annimmt, darf drei weitere Spitäler nominieren. Wer zu feig ist, muss dem Herausforderer drei Privatpatienten schenken.

Mit dieser Aktion setzen wir ein wichtiges Signal. Denn sie hat Symbolcharakter: Dass man, selbst wenn dem Patienten das Wasser bis zum Hals steht, als Arzt stets den Überblick bewahren kann. Dass die Belegschaft alles tut, was der Chef anordnet. Dass man baden geht, wenn man keine Privatpatienten hat. Ich fürchte allerdings, dass diese Challenge an bürokratischen Hürden und dem militanten Bademeister im Kurbad scheitern wird. Denn wer bezahlt die Überstunden? Aus welchem Fonds wird die „Wasserausgleichszulage“ beglichen? Wird beim Gang ins Kurbecken eine Kurtaxe fällig? Und wie rechtfertigt sichdie Leistung eines Unterwasserbettes ohne entsprechende Indikation? So wird es eben dabei bleiben, dass die wirklich großen Ideen der Menschheit einen großen Bogen um die Welt der Krankenhäuser machen.

Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at, Ärzte Woche 35/2014

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