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Leben 31. August 2014

Auf der Spur der Dunkelgräfin

Mithilfe von DNA-Analysen konnte ein historisches Rätsel um die Prinzessin Thérèse Charlotte gelöst werden.

Licht ins Dunkel um die Abstammung der sogenannten „Dunkelgräfin von Hildburghausen“ brachte eine gerichtsmedizinische Untersuchung. Die Vermutung, dass es sich bei der 1827 in Südthüringen verstorbenen Toten um Marie Thérèse Charlotte de Bourbon, Tochter von Marie Antoinette und Ludwig XVI, handelt, hat sich nicht bestätigt.

Im Rahmen eines Projekts des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) Thüringen hat das Institut für Gerichtliche Medizin der MedUni Innsbruck die DNA der „Dunkelgräfin von Hildburghausen“ analysiert. Das Ergebnis ist zweifelsfrei: Die DNA-Proben aus dem Grab in Hildburghausen stimmen nicht mit der weiblichen Linie Maria Theresias, der Mutter von Marie Antoinette, überein.

Grundlage für die DNA-Vergleiche war zum einen die Analyse von Proben aus dem Herzen des Dauphin, des Bruders von Marie Thérèse, das in der Basilika St. Denis in Paris aufbewahrt wird. Diese Analyse war bereits im Jahr 2000 von Forschern der Universitäten Leuven und Münster vorgenommen worden. Damals wurde die Probe mit der DNA heute lebender Nachfahren verglichen, um die Echtheit des Herzens zu belegen. Zweite Grundlage war ebenfalls eine Probe eines lebenden Nachfahren: Alexander Prinz von Sachsen. Sie stimmte mit den Ergebnissen der Studie aus dem Jahr 2000 überein, aber nicht mit der DNA aus dem Grab der Dunkelgräfin. „Damit können wir eindeutig sagen: Die Dunkelgräfin kann nicht die Prinzessin sein“, sagt Prof. Mag. Dr. Walther Parson vom Institut für Gerichtliche Medizin, MedUni Innsbruck. „Es bleibt aber sehr spannend, wer die Dunkelgräfin wirklich war, denn wir haben eine nicht alltägliche DNA-Sequenz“, ergänzt Prof. Dr. Sabine Lutz-Bonengel vom Institut für Rechtsmedizin, Universitätsklinikum Freiburg. „Wir haben vielleicht die Chance, mit dieser Sequenz die mütterliche Linie der Dunkelgräfin zu finden.“ In Innsbruck und Freiburg sind die DNA-Proben analysiert und verglichen worden.

Dokumentation auch online

Der MDR hat zu diesem Thema im Juli die Dokumentation „Die Dunkelgräfin von Hildburghausen“ ausgestrahlt. In dem Beitrag, der auch online zur Verfügung steht, wurde nicht nur die Geschichte der Dunkelgräfin thematisiert, sondern auch die wissenschaftlichen Untersuchungen, die zur Klärung ihrer Herkunft führten.

Das Institut für Gerichtliche Medizin in Innsbruck ist für seine Expertise in der Aufklärung historischer Fragestellungen renommiert: So war das Team um Parson schon an einer Reihe von Projekten zur Identifikation historischer Persönlichkeiten beteiligt, darunter die Identifikation der russischen Zarenfamilie Romanow, die DNA-Analysen zum vermeintlichen Mozart-Schädel oder die Analyse der beiden Skelette, die fälschlicherweise Friedrich von Schiller zugeordnet wurden.

 

Ausführliche Informationen zur Dokumentation: http://bit.ly/1pZRBtb

MedUni Innsbruck, Ärzte Woche 35/2014

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