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Leben 29. Juli 2014

Internet-Suchmaschinen als Hilfe und Gefahr für Suizidgefährdete

Gefährliches Ranking.

Denkt jemand an Suizid, dient das Internet häufig als Informationsquelle. Das Gefährliche daran: Inhalte mit schädlichen, Suizid potenziell fördernden Infos werden in den Trefferlisten der Suchmaschinen besser gereiht als Hilfsangebote. Das zeigt eine aktuelle Studie von Benedikt Till und Thomas Niederkrotenthaler vom Institut für Sozialmedizin am Zentrum für Public Health der MedUni Wien.

Die Studie untersuchte, welche Websites man findet, wenn man in gängigen Suchmaschinen (Google, Bing/Yahoo) in Österreich oder in den USA nach Informationen über Suizid sucht. Positiv an den Ergebnissen ist, dass Informationen mit schützenden (protektiven) Merkmalen gegenüber schädlichen recht deutlich überwiegen, sowohl in Österreich als auch in den USA – und zwar im Verhältnis von zirka 2:1. Es gibt also insgesamt mehr protektive Informationen für Hilfesuchende.

„Allerdings hängen die Art der Website und die Qualität der Information, die man findet, sehr davon ab, welche Suchbegriffe man verwendet. Es sind deutlich mehr potenziell schädliche Webinhalte bei methoden-orientierten Suchbegriffen (z.B. „wie erhänge ich mich?") und mehr potenziell schützende Inhalte bei hilfe-orientierten Begriffen (z.B. „Selbstmord Hilfe") verfügbar", betont Thomas Niederkrotenthaler. „Stärker suizidal gefährdete Personen suchen wahrscheinlich auch mit methoden-orientierten Begriffen, deswegen ist das äußerst relevant, was dann in den Suchlisten aufscheint", so Niederkrotenthaler weiter.

„Außerdem tauchen Websites umso früher in der Suchliste auf – sind also umso höher in der Suchmaschine gereiht –, je mehr schädliche und je weniger positive Charakteristika sie aufweisen", ergänzt Benedikt Till. Letzteres ist laut den Studienautoren für die Betroffenen deshalb gefährlich, da Informationen mit schädlichen Inhalten generell leichter in den Suchmaschinen auffindbar sind als jene mit protektiven Charakteristika. Das Verhältnis zwischen schädlichen und schützenden Inhalten ist somit nur auf den ersten Blick positiv.

Konkrete Verbesserungen mit einfachen Mitteln möglich

Die Studie macht zudem deutlich, dass hinsichtlich der Suizidprävention im Internet – insbesondere in Österreich – auch weiterer Bedarf an Verbesserung besteht, was insbesondere Nutzerfreundlichkeit und Ranking betrifft. Als konkrete Verbesserung empfehlen die Studienautoren den Betreibern von Präventions-Websites, das Ranking der eigenen Webseite gerade auch zu verbessern, wenn mit methoden-orientierten Suchbegriffen gesucht wird. Das ließe sich einerseits dadurch erreichen, dass bei diesen Suchbegriffen Anzeigen zu der eigenen Website geschaltet werden, aber auch dadurch, dass die eigene Website mit entsprechenden Meta tags (z.B. Selbstmordmethoden) versehen wird.

Auch kann man durch die Integration von sozialen Medien (z.B. Facebook, Twitter) oder durch eine höhere Anzahl an Links, die zur Website führen (z.B. durch Kooperation mit anderen Hilfseinrichtungen) einiges tun, um das Ranking in den Suchmaschinen weiter zu verbessern. Darüber hinaus laufen laut den beiden Forschern mit Google derzeit Gespräche über Möglichkeiten, Websites zu Suizidprävention besser zu reihen. Bereits jetzt erlaubt Google in manchen Ländern beispielsweise das Schalten von Präventionsseiten beim Suchen nach bestimmten Begriffen. „In Österreich erscheint z.B. bei der Suche nach „Selbstmord" ein Link zum Kriseninterventionszentrum. Diese Links sollten auch für andere Begriffe vermehrt eingesetzt werden", wünscht sich Till.

Ergebnisse für den gesamten deutschen Sprachraum von Bedeutung
Die Bedeutung der Studie liegt auch darin, dass die Relevanz der Studienergebnisse über den Vergleich USA und Österreich deutlich hinausgeht. Denn die österreichischen Suchergebnisse beinhalteten zu 66,6% Websites aus Deutschland, zu 2,4% aus der Schweiz, und nur 21,2% stammten aus Österreich. Bei der Suche in den US-amerikanischen Suchmaschinen stammten 80,6% aus den USA, 5,6% aus Großbritannien, 4,5% aus Australien und 2,8% aus Kanada. Bei der Studie handelt es sich somit um einen Vergleich des englisch- und deutschsprachigen Sprachraums.

MedUni Wien/TF, springermedizin.at

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