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© (3) Vöslauer Bad Betriebs und Besitz GmbH
Blick auf das Hauptgebäude mit Blauem Becken und Brunnenanlage.
© (2) Stadtmuseum Bad Vöslau

Badebetrieb im Blauen Becken vor dem Umbau 1926.

Thermalbad Bad Vöslau in den späten 1920er Jahren: Sandstrand statt Liegewiese.

Zurück zur Natur: Badebetrieb im Grünen Becken.

 
Leben 16. Juli 2014

Ab ins Bad!

Sein Heil im Wasser zu suchen, ist manchmal absolut richtig. Im Thermalbad Bad Vöslau kann man dies sogar in einem historisch einmaligen Ambiente genießen.

Seit fast 200 Jahren wird die Thermalwasser spendende Vöslauer Quelle für Kuranwendungen genutzt. Die stilvolle Umgebung, die das Thermalbad darüber hinaus bietet, tut Körper und Geist gleichermaßen gut.

Schon zu Zeiten der Römer dürften die Thermalquellen entlang der Thermenlinie am Fuße des Wienerwaldes zur Heilung und Linderung mancher Beschwerden genutzt worden sein. Dann allerdings geriet die besondere Wirkung des Quellwassers allgemein in Vergessenheit und wurde nur regional durch mündliche Überlieferung weitergegeben. Noch im 18. Jahrhundert gab man sich wasserscheu und konnte folglich dem Badevergnügen wenig abgewinnen. Die Verwendung von Thermalwasser zu therapeutischen und damit letztlich heilenden Zwecken setzte sich erst nach und nach durch. In Vöslau wurde die erste Badeanlage, die diese Bezeichnung wirklich verdient, ab 1822 betrieben. Bis dahin wurde das Vöslauer Quellwasser, das der Luckenbach aus dem Maital führte, zum Betrieb zweier Mühlen genutzt. Bauern und Arbeiter durften sich aber bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts am Samstag abends im Wasser reinigen. Die wohltuende und heilsame Wirkung, die das Wasser an den von schwerer Arbeit Geschwächten entfaltete, sprach sich bei den höheren Ständen herum: Das Baden im Quellwasser kam nun auch für den Adel in Mode.

Von der Quelle zum Bad

Im Jahr 1816 erwarb Moritz Christian Johann Reichsgraf von Fries I. aus der bedeutenden Bankiersfamilie Fries das Gelände mit der Quelle. Er ließ ein Badehaus mit Vollbad und einigen Zimmern errichten, in denen kupferne Badewannen standen. 1822 wurde die „Fries‘sche Badeanstalt“, eine der ersten ihrer Art in Österreich, feierlich eröffnet. Verbürgt ist, dass sogar die Schwestern des Grafen in der Badeanstalt Schwimmunterricht erhielten.

Fries gehörte auch dem Freundeskreis von Ludwig van Beethoven an, dessen Leibarzt Johann Malfatti, Edler von Montereggio, 1825 die Thermalquellen neu fasste. Der Ausbau des Bades im 19. Jahrhundert samt Badeordnung war ein weiterer Fortschritt. Der Kur- und Badeboom hatte aber auch das benachbarte Baden erfasst. 1868 bis 1873 erfolgte auf Initiative von Moritz Graf von Fries II. und unter Leitung des Architekten Theophil von Hansen die Erweiterung des Vöslauer Bades. 1888 erwarb die Gemeinde Vöslau das Bad von Graf Fries zusammen mit weiteren Liegenschaften um 450.000 Gulden. Für das Kurbad wurde schon im 19. Jahrhundert geworben, die hervorragende Wirkung des Thermalwassers in Zeitungsartikeln eindrucksvoll dargestellt: „Impotenz: Insofern als diese Krankheit in Folge von Nervenschwäche durch künstliche Säfteverluste entstanden ist, kann in Vöslau noch Heilung erfolgen; in einem Falle bei einem jungen Manne, der durch übermäßige Säfteverluste in dieser Sphäre sehr geschwächt war, wurde Besserung des Zustandes beobachtet.“

Aufstieg zum Kurort

Zum offiziellen „Curort“ wurde Vöslau schließlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im alten Bad machte Arthur Schnitzler als Kind seine ersten Schwimmzüge: „Der erste Ort, an dem wir uns während einiger Ferienwochen und auch später noch öfters aufhielten, war Vöslau, in dessen lauen Quellenbädern ich schwimmen lernte.“ Schnitzler war kein Einzelfall. Außer Mitgliedern des Kaiserhauses war auch Paul Neumann darunter, Goldmedaillengewinner im Schwimmen der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen.

Nach dem Ersten Weltkrieg befand sich das überwiegend in Holzbauweise errichtete Bad in einem solch desolaten Zustand, dass ein Neubau erforderlich war. Das neue Bad sollte nach Plänen von Peter Paul Brang, der auch das Dianabad in Wien entworfen hatte, entstehen. Nach dem Tod Brangs setzten Wilhelm Lukesch und Louis Breyer die Arbeit fort. Auf Lukesch geht die geschwungene Eingangskolonnade zurück, Breyer gestaltete das Bad als „Thermalstrandbad“ neu und bot damit dem Badener Bad paroli, das mit seinem echten Sandstrand um Badegäste warb. Mit der Südbahn konnte man damals wie heute aus Wien beide Kurorte rasch und unkompliziert erreichen. In seiner heutigen Form wurde das Thermalbad am 20. Juni 1926 im Beisein des Bundespräsidenten Michael Hainisch feierlich eröffnet. Einem Landtagsbeschluss aus dem Jahr 1928 zufolge, darf sich Vöslau seither Bad Vöslau nennen.

Nicht nur seine Architektur prägt den besonderen Charakter und den Charme des Bades. Auch künstlerisch hat es einiges zu bieten. Das Fresko mit einer Badeszene in der Kolonnade stammt von Prof. Max Roth, über den Kassen befinden sich Gemälde des akademischen Malers Hans Lukesch. Die Skulpturen, darunter auch jene der Quellnymphe über den „Schwedenduschen“, sind das Werk der beiden Bildhauer Eugen Roth und Joseph Langer. Seit 1936 befindet sich das Bad, badetechnisch gesehen auf zeitgemäßem Stand, übrigens im Besitz der „Vöslauer HeilquellenverwertungsAG“ - die heutige Vöslauer Mineralwasser AG.

Den Badegästen und Erholungssuchenden stehen das „Blaue Becken“ im vorderen Teil des Areals sowie das kühlere „Grüne Becken“ zu Verfügung. In dessen hinterer Partie befindet sich der Quellteich des Vöslauer Mineralwassers. Kiefern säumen den Badebereich, in den der angrenzende Marienpark Mitte der 1920er Jahre mit einbezogen wurde. Ein ausgedehnter Aufenthalt in diesem Bad ist in den heißbegehrten mietbaren Kabanen und Appartements möglich. Und mittlerweile bietet es, von Iris Meder in ihrem Bäderbuch „Badefreuden“ als „sicher eines der bezauberndsten in Österreich“ bezeichnet, mit dem „Schwimmenden Salon“ nicht nur Bade-, sondern auch Literaturvergnügen in Form eines Literaturfestivals.

Informationen: www.thermalbad-voeslau.at

Thomas Kahler, Ärzte Woche 27/2014

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