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Leben 10. Juni 2014

NebenWirkungen: Ärzte als Silent-Spaß-Killer

Die Gefahr, die von Medizinern ausgeht, ist nicht zu unterschätzen.

Viel Echo habe ich auf meine Kolumne zur „Auswilderung von Ärzten“ bekommen. Zum einen war man sich nicht sicher, ob es legitim und standesgemäß sei, von Ärzte-Zuchtprogrammen, Auswilderung und dem Risiko für die frei herumlaufenden Ärzte von Kassen-Wilderern erlegt zu werden, zu sprechen. Zum anderen zeigte man sich besorgt, im Hinblick auf die Gefahr, die von jenen Medizinern ausgeht, die sich zu nah an die Bevölkerung heranwagen. Deshalb seien an dieser Stelle einige Hinweise gegeben, wie man sich beim Anblick eines Arztes verhält und die Risiken minimieren kann.

Immerhin sollen in Österreich fast 2.000 Personen als Folge von Behandlungsfehlern im Krankenhaus versterben. Europaweit sind es jährlich 200.000 Patienten, die die Nebenwirkungen ihrer Medikamente nicht überleben. Im Vergleich zu den ausgewilderten Wölfen und Bären, durch die im öffentlichen Raum in Europa gerade mal null Personen ums Leben gekommen sind, ist die Gefährdung durch Ärzte nicht zu unterschätzen. Zugegeben, Wölfe und Bären können nicht heilen und kommen daher kaum in Verlegenheit, etwas zu verbocken.

Die Gegenwart eines nicht domestizierten Arztes löst bei vielen jedoch per se schon Unbehagen aus. Nicht umsonst bezeichnen Patientengesellschaften die Ärzte als Silent-Spaß-Killer. Und zwei Ärzte potenzieren sogar die Gefahr, einem den mühsam erworbenen ungesunden Lebensstil zu vergällen.

Man muss es nicht provozieren. Wer freiwillig eine Ordination betritt oder sich über das notwendige Maß hinaus gerne in einem Krankenhaus aufhält, wird damit rechnen müssen, früher oder später einem Arzt in die Spritze zu laufen. Je nachdem, welchen Kongressinhalt er vorher gegessen hat, wird er dabei ein für das Beschwerdebild empfohlenes Mittel injizieren oder auch ein nicht ganz so empfohlenes Medikament, so er beim Kongress geschlafen hat. Satte und übermüdete Ärzte behandeln nicht so gerne, sodass es oft sicherer ist, sich nachmittags zu nähern, als in den Morgenstunden, wo die Begeisterung, irgendwo hineinzuschneiden noch am größten ist.

Laut den Survival-Guides soll beim Zusammentreffen mit einem Mediziner möglichst keine Angst gezeigt werden. Instinktiv spüren sie diese Furcht und reagieren ebenfalls mit Angst vor einem Anwalt. Je unsicherer der Patient agiert, desto mehr Befunde muss ein Arzt daher erheben, um sich und den Patienten zu beruhigen. Für jede Frage, die mit den Worten „Sind Sie sich sicher, dass …“ oder „Kann es nicht auch …“ beginnt, bekommt man postwendend eine erneute Überweisung oder einen weiteren Schlauch in eine zusätzliche Körperöffnung geschoben. Solche Reaktionen darf man den Ärzten dann nicht zum Vorwurf machen.

Während früher die Ärzterudel in Großkliniken etwas außerhalb der Stadt in sicherem Gewahrsam gehalten wurden, so finden sie sich zunehmend in kleineren Einheiten und Gruppenpraxen, inmitten der Bevölkerung. Mal sehen wie lange das gut geht …

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