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Leben 26. Mai 2014

Smartphone misst Verbrennungen

Mobile Diagnose-App an der Med Uni Graz entwickelt.

Eine Verbrennung hat für Betroffene nicht immer nur lokal begrenzte Auswirkungen, sondern kann sogar zum Kreislaufschock oder dem Funktionsverlust von Organen führen. Die Bestimmung der verbrannten Fläche ist essentiell, um die Sicherheit der Behandlungsqualität zu gewährleisten. An der Med Uni Graz wurde mit dem „Rapid Burn Assessor" eine innovative Smartphone-App entwickelt, die künftig als zuverlässige Messmethode zum Einsatz kommt um das Ausmaß von Verbrennungen optimal zu bestimmen.

Verbrennungen können viele Ursachen haben und passieren häufig. Rund 55% aller Verbrennungen werden durch Feuer bzw. Hitze verursacht, gefolgt von Verbrühungen mit heißen Flüssigkeiten (rund 40%) und durch Strom verursachte Verbrennungen. „Die richtige Abschätzung des Verbrennungsausmaßes ist essentiell für eine optimale Behandlung", erklärt Prof. Dr. Lars-Peter Kamolz, MSc, Leiter der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie an der Med Uni Graz. Derzeit geschieht die Abschätzung des Verbrennungsausmaßes durch Verwendung klassischer Abschätzmethoden, wie beispielsweise der „Handflächenregel" oder der „Neunerregel".

„Leider sind diese Verfahren relativ ungenau, wobei es durchaus zu Fehleinschätzungen hinsichtlich der Schwere der Verletzung kommen kann", klärt Lars-Peter Kamolz auf. Daher hat sich eine Gruppe von Wissenschaftern zum Ziel gesetzt eine möglichst einfach anwendbare und dennoch sehr zuverlässige Methode zu entwickeln, um das Ausmaß einer Verbrennung bestimmen zu können.

Mobile Diagnose: Rapid Burn Assessor

Mobile Apps sind fester Bestandteil unseres Alltages geworden. Die Klinische Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie der Med Uni Graz hat diesen Trend erkannt und in Zusammenarbeit mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Klinisch-Forensische Bildgebung an der Med Uni Graz, der RISC Software GmbH, der Johannes Kepler Universität Linz und dem Unfallkrankenhaus Linz die innovative Smartphone-App „Rapid Burn Assessor" entwickelt.

Das interdisziplinäre Entwicklerteam verfolgt mit der kostenlosen Smartphone-App ein großes Ziel: „Notärzte bzw. Notfallsanitäter erhalten durch den Rapid Burn Assessor ein einfach anwendbares und gleichzeitig höchst effizientes Instrument, um die Schwere einer Verbrennung optimal abschätzen zu können", erläutert Lars-Peter Kamolz. Dadurch können etwaige Fehleinschätzungen und damit verbundene Unzulänglichkeiten in der Behandlung von Verbrennungen vermieden werden. „Die Genauigkeit dieser neuen Messmethode konnte bereits in einer aktuellen Studie unserer Arbeitsgruppe nachgewiesen werden", beschreibt Lars-Peter Kamolz den Vorteil des Rapid Burn Assessor.

Verbrennungsbehandlung mit dem Smartphone

Die Funktionsweise der neuen App ist einfach und höchst effektiv. „Ein beliebiges rechteckiges Objekt dient der App als Maßstab für die Berechnung", so Lars-Peter Kamolz. Nachdem einige Patientendaten wie beispielsweise: Alter, Körpergröße und Körpergewicht eingetragen wurden, muss nur noch ein beliebiges rechteckiges Referenzobjekt gefunden werden. Dieses Objekt kann beispielsweise auch das Smartphone selbst sein, oder eine Bankomatkarte etc. Der Benutzer der App muss nun nur noch eingeben, wie oft das Referenzobjekt auf die verbrannte Fläche passt. Die App errechnet dann an Hand dieser Daten das Ausmaß der Verbrennung und liefert dadurch die grundlegende Basis für eine optimale Behandlung.

Die App ist bereits für unterschiedliche Smartphones kostenlos erhältlich. In einigen europäischen als auch amerikanischen Zentren für Verbrennungsbehandlungen wird das neue System bereits im klinischen Alltag eingesetzt. „Langfristig wird der Rapid Burn Assessor die alten Abschätzmethoden ablösen", ist Lars-Peter Kamolz überzeugt.

Medizinische Universität Graz/TF, springermedizin.at

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