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Leben 5. Mai 2014

NebenWirkungen: Die Saisonen haben begonnen

So schön die warme Jahreszeit auch immer sein mag, sie bringt auch große gesundheitliche Gefahren mit sich: die heimtückischen Saisonen!

Nachdem einige Wellen an uns vorübergegangen sind, nämlich die Grippewellen, die Hypo-Wellen der Entrüstung oder die Fönwellen, beginnt nun der Jahresabschnitt der Saisonen. Und dies beunruhigt uns Ärzte wieder mal zutiefst. Denn Saisonen verheißen aus medizinischer Sicht nichts Gutes. Nehmen wir uns also die gängigsten Saisonen zur angsterfüllten ärztlichen Brust:

Die Pollen-Saison (gemeingefährliche Kleinstbestandteile von Killerpflanzen, die nicht nur zu einer rinnenden Nase, sondern in erster Linie zu einem lebensbedrohlichen Status asthmaticus führen können); die Grill-Saison (die nicht nur aufgrund des feuchtfröhlichen Hantierens mit Benzin am Gartengrill gröbere gesundheitliche Probleme nach sich zieht, sondern auch wegen der fahrlässig ohne Alu-Präservativ gebrutzelten Fleischstücke, die neben Nitrosaminen und Benzpyrenen auch noch meterdick gefäßschädigende Kräuterbutter enthalten); die Urlaubssaison (in der sich unsere Schäfchen in geschorenem Zustand eine UV-Dröhnung abholen, die dem Jahresbedarf einer norwegischen Hafenstadt entspricht); die Zeckensaison (und unsere Sorge um den ungeimpften Großstädter, der am Balkon von einem hinterhältigen Zeck aus der Pelargonie überfallen wird); oder die Eissaison (mit unzähligen Sorten, die so viel Zucker, Fette und Kälte enthalten, dass wir gar nicht wissen, wo wir anfangen müssen, zu behandeln).

Zum Glück bekommen wir Rückendeckung von den Laien-Gesundheitsmedien. Sie haben sich spezialisiert, Anleitungen für das korrekte Verhalten in gefährlichen Zeiten zu geben. Mit dem Satzteil „… aber richtig!“ legen sie nahe, dass man im Prinzip alles darf, so man es richtig macht. Also: „Bräunen, aber richtig!“, „Drogen, aber richtig!“ oder „Sterben, aber richtig!“

Im Falle der Saisonen bedeutet dies für die Pollen: „Gehen Sie in den Sommermonaten nicht vor die Tür!“; für das Grillen: „Garen Sie lieber Gemüse in salzlosem Wasser“; für den Urlaub: „Lassen Sie Ihre Kinder niemals ohne Regenpelerine an den Strand“; für die Zecken: „Meiden Sie in dieser Zeit Ihr Heimatland und impfen Sie die Zecken“; und für das Eis: „Lutschen Sie stattdessen an einem ungesüßten Eiswürfel“. Dass wir da selber nicht drauf gekommen sind! Leider werden solche Lebenshilfen zwar gelesen, jedoch nicht beherzigt. Und wer muss die Folgen dieser mangelnden Compliance wieder mal ausbaden? Nicht die lieben Kollegen aus den Redaktionen, die sich über hohe Auflagen freuen, sondern unsereins in der Praxis.

Gott sei Dank dauert so ein Sommerhalbjahr mit all seinen Saisonen nicht so lange und wir können uns voll Energie auf die Grippewelle stürzen. Aber richtig!

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