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Leben 28. April 2014

NebenWirkungen: 300

Sie halten nun die 300. Ausgabe der Nebenwirkungen in Händen. Der zugrunde liegende Stoff dazu will und will nicht ausgehen.

Ich feiere mein eigenes kleines Jubiläum, und während Sie diese Kolumne lesen, bade ich in Champagner und schlürfe rohe Austern, die ich mir vom mittlerweile astronomischen Honorar für diese wöchentliche Kolumne leisten kann.

An dieser Stelle auch ein herzliches Dankeschön an die Redaktion der ÄrzteWoche für die tatkräftige Unterstützung und die Möglichkeit, in dieses Narrenkästchen Dinge zu posten, die man der ärztlichen Leserschaft in einer anderen Galenik wahrscheinlich nicht zumuten kann.

Ich bedanke mich auch bei meinen Fans aus den hochehrwürdigen medizinischen Kreisen, die gerne auf die Rückseite der Ärztewoche blicken. So manche schneiden gar die Artikel aus der Zeitung aus, sammeln die kleinen Fotos des verschmitzt blickenden Autors über die Jahre, um das begehrte ÄrzteWoche-Panini-Stickeralbum vollzukleben und stellen staunend fest, dass der Autor über die Jahre eigentlich nicht gealtert ist.

In den vergangenen sieben Jahren (die ersten Nebenwirkungen erschienen im Juni 2007) hat sich die Medizin, zumindest was ihr kabarettistisches Potenzial betrifft, laufend verbessert. Auf der anderen Seite sind die meisten Dinge so geblieben, wie sie sind. Der oft an dieser Stelle postulierte Umstand, dass Ärzte vom Mars sind und Patienten nicht einparken können, hat nach wie vor seine Gültigkeit und man kommuniziert mit großer Leidenschaft aneinander vorbei. Viele neue medizinische Errungenschaften haben sich als alte Ringerlösung in neuen Infusionsschläuchen entpuppt. Und seit sieben Jahren fordere ich erfolglos, dass Krankenhäuser als ökologische Nische für Ärzte ins Welt-Bakterienkultur-Erbe aufgenommen werden sollten. Es gibt also noch viel zu tun.

Nun noch, wie es sich gehört, zu den beeindruckenden Zahlen: Die 300 Ausgaben bestanden aus rund 800.000 Anschlägen, das Wort „und“ kam 4.528-mal, das Wort „Halbleiterdiode“ hingegen kein einziges Mal vor (bis auf jetzt). Die häufigsten namentlich genannten Fachbereiche waren Orthopädie und Pathologie für die niveauvolleren Kalauer, Urologie und Gynäkologie für die gezielten Pointen unter der Gürtellinie. Würde man sämtliche Ärzte, die in diesen Kolumnen vorgekommen sind, übereinander stapeln, so könnte man damit ein ganzes AKH ganz ohne Patienten betreiben.

Bleiben also noch die Wünsche: Weitere 300 Kolumnen? Stoff dazu gäbe es genug. Ein neues Foto? Nun, hier halte ich es mit der medizinischen Tradition, und solange wir Blutdruck in der antiquarischen Einheit Millimeter Quecksilbersäule bestimmen, soll auch das Autorenbild als Mahnmal für bornierte Tradition stehen.

Also hoch die Tassen! Mögen unsere weißen Kittel auch künftig ihre magischen Wirkungen auf das kranke Umfeld und auf die vermeintlich gesunden Träger entfalten. Und mögen sich die magischen Nebenwirkungen in Grenzen halten. The Show Must Go On!

Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at, Ärzte Woche 18/2014

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