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© Juan Gärtner / fotolia.com
Ein Verfahren, das Zellen wieder verjüngen soll, wird nun wissenschaftlich angezweifelt.
 
Leben 26. April 2014

Japanische Studie unter Beschuss

Die Affäre um eine Forschungsarbeit zur Verjüngung von Zellen sorgt für eine dutzendfache Prüfung von Dissertationen.

Mit Zitronensäure wollen unter anderem japanische Wissenschaftler Zellen verjüngt haben. Unlängst sind Zweifel an diesen Studien aufgekommen. Jetzt werden fast 300 Doktorarbeiten deswegen geprüft.

Wegen eines Skandals um eine weltweit aufsehenerregende Studie zur Verjüngung von Zellen lässt die japanische Elite-Universität Waseda in Tokio sämtliche Doktorarbeiten überprüfen. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, sind etwa 280 Doktorarbeiten am Fachbereich „Advanced Science and Engineering“ betroffen. An diesem Fachbereich hatte auch die Forscherin Dr. Haruko Obokata vom renommierten Riken-Institut für Entwicklungsbiologie im japanischen Kobe, die im Zentrum des Skandals steht, 2011 ihren Doktortitel erworben. Ihr Arbeitgeber hatte sie beschuldigt, Teile der Studie mit STAP-Zellen (stimulus-triggered acquisition of pluripotence/ durch einen Reiz angestoßene Bildung von Pluripotenz) manipuliert und gefälscht zu haben. Obokata wies die Vorwürfe energisch zurück.

Säureschock zur Zellverjüngung

Wissenschaftler aus Japan und den USA hatten Ende Jänner 2014 berichtet, dass sie unter anderem mit Zitronensäure Körperzellen neugeborener Mäuse in eine Art embryonalen Zustand zurückversetzt hatten. Diese STAP-Zellen könnten sich wieder in nahezu jeden Zelltyp entwickeln, berichtete das Team um Obokata damals (Nature 2014; 505: 641 und Nature 2014; 505: 676). Für diesen Prozess waren nämlich bislang spezielle Gene oder Proteine für die Rückprogrammierung nötig.

Riken will die STAP-Zellenergebnisse innerhalb eines Jahres überprüfen. Dabei sollen Labortests wiederholt werden. Obokata werde daran nicht beteiligt, hieß es. Ob die junge Forscherin und ihre Mitautoren das Papier zurückziehen, war zunächst unklar. Das staatlich geförderte Institut hatte unter anderem herausgefunden, dass Aufnahmen in der Studie solchen aus Obokatas Doktorarbeit aus dem Jahr 2011 ähnelten. Sollte ihre frühere Alma Mater bei der erneuten Überprüfung sämtlicher Doktorarbeiten an dem 2007 eingerichteten Fachbereich Fehlverhalten feststellen, werde den betroffenen Verfassern die Doktorwürde möglicherweise aberkannt.

Die Dissertation von Obakata wird von einem eigens hierzu geschaffenen Untersuchungsausschuss ebenfalls einer Überprüfung unterzogen.

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