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© (5) Salzburgmuseum, Thomas Kahler, Kulturzentrum Bachschmiede
Aquarell des Theseusmosaiks

Delfinrelief des Wasserbeckens der Palastvilla in Loig.

Bruchstück einer Halbsäule aus Stuck, Gebäude C-Tempel, vor 1. Hälfte des 2. Jh. n. Chr. – Kalkstück, farbig bemalt.

Planansicht der Palastvilla von Loig: Hauptgebäude mit Thermenflügel

Säulenbruchstück mit Vogel und Ranken 2.–3. Jh. n. Chr.

 
Leben 24. April 2014

Antike Pracht

Seit ihrer Entdeckung vor 200 Jahren ist einer archäologischen Sensation ersten Ranges in Wals bei Salzburg ein äußerst wechselhaftes Schicksal beschieden: Die archäologische Bestandsaufnahme der römischen Palastvilla in Loig weist auf einen nördlich der Alpen einzigartigen Prachtbau.

Im Kulturzentrum Bachschmiede in Wals wird in Kooperation mit dem Salzburg Museum derzeit ein bedeutendes Bauwerk der römischen Antike umfassend präsentiert.

Zur Zeit ihres Bestehens muss die Palastvilla von Loig äußerst imposant gewirkt haben. Der Haupttrakt mit den beiden Flügeln mit einer Länge von 230 Metern war fast dreimal so lang wie das Schloss Klessheim. Die gesamte Anlage war, soweit heute bekannt, ein als Streugehöft ausgeführter prachtvoller, ausgedehnter römischer Landsitz, der neben dem repräsentativen Hauptgebäude mit eigener Therme noch zahlreiche Nebengebäude, darunter auch einen Kornspeicher, besaß. Und doch war diese Großanlage, die von 100 bis etwa 300 n. Chr. bestanden hatte, 1.500 Jahre in Vergessenheit geraten.

Erste Erfolge

Im Jahr 1811 kam es der Überlieferung nach entweder durch die Arbeit mit einem Heuhiefler oder durch eine weidende Kuh, die in ein unterirdisches Gewölbe einbrach, zur Entdeckung erster Spuren. Der Salzburger Landesarchäologe Dr. Raimund Kastler erläutert weiter im Gespräch: „1815 begannen die Ausgrabungen auf den Loiger Feldern, die Bayern haben damit sozusagen die Denkmalpflege installiert.“ Das Fürsterzbistum Salzburg hatte nach der Abdankung des Fürsterzbischof Colloredo seine Unabhängigkeit verloren und war 1810 zu einem Teil Bayerns geworden. Damit begann der erste Akt einer wechselvollen und tragischen Entwicklung um diese archäologische Entdeckung ersten Ranges: „Wilhelm Thiersch, der erste Rektor der Universität München, zudem Altphilologe und Antiquar kam im August 1815 nach Salzburg. Er begann mit ersten Grabungen, die durch den Bauzeichner Johann Michael Rauscher für die Nachwelt festgehalten wurden. Thiersch wurde bald darauf nach München abberufen und von dort nach Paris zu einer Konferenz wegen der Restitution der von Napoleon geraubten Kunstgüter entsandt. Sein Nachfolger, der ehemalige Benediktinermönch Bernhard Stark war auf archäologischem Gebiet sehr versiert. Er wurde zum ersten archäologischen Konservator in Bayern ernannt und beurteilte die Methoden seines Vorgängers extrem negativ“, so Raimund Kastler. Konfessionelle Unterschiede verschärften die gegenseitige Abneigung. „Thiersch war als Protestant zudem für die Erziehung der Kronprinzen zuständig, Stark in seinem ganzen Wesen erzkatholisch geprägt.“

Die Grabung auf den Loiger Feldern wurde fortgesetzt, im Herbst 1815 entdeckte Stark das Theseusmosaik mit Motiven aus der antiken Geschichte von Ariadne und Theseus, der mithilfe der Prinzessin den Minotaurus im Labyrinth besiegte. Bis heute gilt es als das bedeutendste auf österreichischem Gebiet gefundene Mosaik.

Allerlei Wendungen

Der Wiener Kongress vereitelte weitere Maßnahmen: Bayern verlor Salzburg an das Habsburger Reich. „Stark nahm seine Grabungsdokumentation mit nach München, wo sie aufgeteilt bis heute in Akademie der Wissenschaften, der Bayerischen Staatsbibliothek und der archäologischen Staatssammlung München aufbewahrt wird. Auf wissenschaftlicher Ebene passierte weiter nichts“, so Raimund Kastler. „Der Geometer Louis Grenier der erstmals Lagepläne der entdeckten Mauerreste von Loig zeichnete und Karl Stephan, seines Zeichens Bildhauer und Lehrer, wollten die begonnene Arbeit fortsetzen, sogar ein Schutzbau in griechisch-römischem Stil von Domenikus Hagenauer entworfen, war für die Ausgrabungen geplant.“ Die beiden versuchten über den k.k. Landeshauptmann Auer von Welsberg, dem der Oberösterreichischen Reichskreis und damit auch Salzburg unterstand, öffentliche Mittel zu erhalten. Der jedoch lehnte dies ab. Für die Grabungen in Loig bedeutete seine ignorante Haltung das Aus. „Erst 1821 wurden durch Anton Steinbüchel v. Rheinwall, dem Leiter des Antikenkabinetts, die wertvollen Mosaiken gehoben und per Schiff in 128 Kisten, dazu sieben Fässer mit losen Mosaikstückchen, alles in allem 400 Zentner schwer, nach Wien gebracht.“

In Wien wurden die Mosaike zwar von Steinbüchel ergänzt, mussten aber gelagert werden, da es keine Möglichkeit gab, sie zu zeigen. Einige kamen nach Laxenburg, wo sie im „Frühstückspavillon“ neu verlegt und nach den schweren Zerstörungen durch Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg erneut ausgegraben werden mussten. Erst Ende der 1970er-Jahre gelangten sie bis auf das berühmte Theseusmosaik, das sich in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums in Wien befindet, wieder nach Salzburg. Die Palastvilla von Loig blieb der Öffentlichkeit bis in die 1970er-Jahre nahezu unbekannt. Bereits in den 1930er-Jahren wurde das Grabungsgebiet einerseits parzelliert und andererseits der Salzburger Flughafen vergrößert. „Mein Vorgänger Fritz Moosleitner hat in Notgrabungen dennoch viel zu dieser bedeutenden Palastvilla, deren Erbauer und Besitzer vermutlich der kaiserlichen Familie nahestanden, sichern und dokumentieren können. Allerdings ist das Grabungsgelände mittlerweile stark erschlossen und manches dadurch unwiederbringlich verloren“, so Raimund Kastler.

Wer der Eigentümer dieser prächtigen Anlage war, die über einen ausgedehnten und reich ausgestatteten Badetrakt mit Hypokaustenheizung und prachtvollen Mosaiken verfügte, ist bis heute unbekannt. Weder Inschriften noch Gräber wurden bislang gefunden. Die Ausstellung in der Bachschmiede gibt dennoch anhand der Fundstücke und in einer Computeranimation einen Eindruck davon wieder, welch überregional bedeutendes Kulturerbe hier fast für immer verloren gegangen wäre.

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