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Osterei mit Modell des Kreuzers „Pamjat Asowa“, Geschenk von Zar Alexander III. an die Zarin Maria Fjodorowna zum Osterfest des Jahres 1891, Sankt Petersburg 1891; Firma: C. Fabergé, Meister: M. Perchin – Heliotrop, Aquamarin, Brillanten, Diamanten in Ros

Osterei mit Modell eines Zuges der sibirischen Eisenbahn, Geschenk von Zar Nikolaus II. an die Zarin Alexandra Fjodorowna zum Osterfest des Jahres 1900, Sankt Petersburg, 1900 – Gold, Platin, Silber, teilweise vergoldet, Diamanten in Rosenschliff, Rubin, Onyx, Kristall, Holz, Seide, Samt, Email auf guillochiertem Grund, Filigran-Email; Ei H: 26 cm, Zug L: 39,8 cm, Waggon H: 2,6 cm; Firma: C. Fabergé, Meister: M. Perchin

© (3) The Moscow Kremlin State Historical and Cultural Museum and Heritage Site

Osterei „Moskauer Kreml“, Geschenk von Zar Nikolaus II. an die Zarin Alexandra Fjodorowna zum Osterfest des Jahres 1906 Sankt Petersburg – Gold, Silber, Onyx, Glas, Glimmer, Email auf guillochiertem Grund, Email-Malerei, Ölmalerei H: 36,1 cm (mit Untergestell), Basis: 18,5 x 18,5 cm; Firma: C. Fabergé 1904–1906

© Fersman Mineralogical Museum, Moskau

Osterei „Sternbild des Zarewitsch“, Sankt Petersburg, 1917; Firma: C. Fabergé – Bergkristall, Diamanten in Rosenschliff, Glas H: 18 cm

 
Leben 26. März 2014

Der Goldschmied des Zaren

Der Name Fabergé hat noch heute einen bedeutsamen Klang. Die kostbaren Schmuckstücke, allen voran die berühmten „Fabergé-Eier“, gehören zu den Spitzen-Erzeugnissen der Juwelierkunst an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Ein Blick auf die Blütezeit der Juwelierdynastie Fabergé: Das Kunsthistorische Museum Wien zeigt derzeit 160 kostbare Stücke aus der Sammlung des Kreml-Museums und des Fersman Mineralogischen Museums in Moskau.

Während des 19. Jahrhunderts gab es eine Reihe berühmter Goldschmiede, die für den europäischen Adel hochwertige Accessoires und Schmuckstück schufen. Als Juwelierunternehmen hat Fabergé wie auch Tiffany & Co. bereits seit dem 19. Jahrhundert eine ganz besondere Stellung. Repräsentativer Schmuck war über Jahrhunderte hinweg eine Domäne des Adels, dessen Repräsentanten ihn von namhaften Hofjuwelieren anfertigen ließen. Viele der historischen Stücke wurden Teil des jeweiligen Kronschatzes oder der seit dem 16. Jahrhundert verbreiteten Kunst- und Wunderkammern.

Der Weg in die Fremde

Die Wurzeln der Familie Fabergé reichen in die Picardie zurück, von dort musste sie wegen ihres hugenottischen Glaubensbekenntnisses emigrieren. In Schwedt an der Oder fand sich eine neue Heimat, bis um 1800 ein weiterer Umzug nach Pernu im damals zu Russland gehörenden Baltikum erfolgte. Nach den Napoleonischen Kriegen zog Carl Fabergé nach St. Petersburg. Dort wurde eine eigene Goldschmiedewerkstatt gegründet und Gustav Fabergé, der Vater Carl Fabergés geboren. Bemerkenswert ist, dass der Weg Carl Fabergés in die deutschen Zentren der Goldschmiedekunst führte. Zunächst absolvierte er in Hanau seine Goldschmiedelehre, dann hielt er sich in Idar-Oberstein auf, das berühmt für seine Steinschleifer und Steinschneider war und heute noch als wichtiges Zentrum für den Schliff und Handel hochwertiger Farbsteine gilt.

Im Zuge seiner Ausbildung lernte Carl Fabergé so die virtuose Handarbeit der besten Goldschmiede seiner Zeit kennen und schätzen. Die Weichen für den Aufstieg des Hauses Fabergé zum Juwelier von Weltgeltung wurden nach der Rückkehr von Carl Fabergé nach St. Petersburg 1870 gestellt. 1872 übernahm er 26-jährig, die Leitung des Unternehmens und führte es, zunächst mit Unterstützung seines Bruders Agathon, der die Schmuckgestaltung übernahm, zu bislang ungeahnten Höhen. Mit hoher Kunstfertigkeit wurden ab 1881 nach dem Umzug in ein neues, größeres Gebäude weitere kunsthandwerkliche Abteilungen in den Produktionsprozess übernommen: Neben der Gravur und dem feinen Ziselieren kamen das Steinschneiden und das Emaillieren hinzu. Auf diesem Gebiet führte Carl Fabergé das Unternehmen zu höchster Meisterschaft. Mithilfe der Handguillochierung wurden feine Muster auf die Edelmetalloberflächen der hochwertigen Accessoires übertragen. Durch das komplizierte Verfahren des Emaillierens wurden die solcherart fein gravierten Oberflächen mit einer dünnen Schicht transparenten Emails überzogen, um einen unvergleichlichen Zauber und optische Tiefe zu erreichen. 1885 wurde Fabergé zum offiziellen Lieferanten des Zarenhofes ernannt, zwei Jahre später wurde er offizieller Hofjuwelier des skandinavischen Königreiches. Das erste kaiserliche Fabergé-Ei für die Gattin Alexanders III., die Zarin Maria Fjodorowna stammt aus diesem Jahr.

Insgesamt schufen die Meistergoldschmiede des Hauses Fabergé 50Ostereier für die Zarenfamilie, 42 dieser Miniatur-Kostbarkeiten überwiegend im neobarocken Stil gehalten existieren noch heute. In der Ausstellung sind vier dieser Eier zu sehen: das Osterei mit einem Modell des Kreuzers „Pamjat Asowa“ aus dem Jahr 1891, jenes mit dem funktionstüchtigen Miniatur-Modell eines Zuges der Transsibirischen Eisenbahn aus dem Jahr 1900 sowie das große Kreml-Ei und das Ei mit dem Sternbild des Zarewitsch, das wegen des Ersten Weltkrieges und der Revolution von 1917 nicht mehr vollendet werden konnte. Hinzu kommen in dieser Ausstellung Erzeugnisse der Firma Fabergé aus dem persönlichen Besitz der Mitglieder des russischen Zarenhauses, darunter kunstvoll gefertigte Gebrauchsgegenstände wie Zigarettenetuis, Schreibsets, Siegel oder kunstvoll gearbeitete Fächer. Die für die Zarenfamilie geschaffenen prunkvollen „Ostereier“ wurden im Rahmen der Weltausstellung 1890 in Paris erstmals gezeigt.

Auf der Höhe des Ruhms

Mit diesen kunstvollen, auf höchstem goldschmiedischem Niveau gearbeiteten Prunkeiern war Carl Fabergé auf dem Zenit seines Ruhms angelangt. International gehörte Fabergé an der Schwelle zum 20. Jahrhundert somit zu den wenigen führenden Juwelierhäusern. Nicht nur gekrönte Häupter, auch großbürgerliche Kreise schätzten die mit äußerster Akkuratesse gefertigten im Stil des Fin de Siècle historisierend gestalteten Schmuckstücke. 1913 erlebt Fabergé einen weiteren Höhepunkt, da das 300-jährige Jubiläum der Zarenfamilie Romanow gefeiert wurde. Dennoch mehrten sich die Zeichen, die auf eine grundlegende tiefgreifende Veränderung im zaristischen Russland deuteten: Nach der Machtübernahme durch die Bolschewiken verlor Carl Fabergé den richtungsweisenden Einfluss auf seine Firma und musste schließlich – einmal mehr in der Geschichte der Familie – emigrieren. Die letzten zwei Jahre bis zu seinem Tod 1920 in Lausanne verbrachte er in Wiesbaden. Was blieb, ist das Erbe meisterhafter Juwelierkunst, die über die Jahrzehnte im Sinne Carl Fabergés von zwei Nachfolgeunternehmen bis heute fortgesetzt wird, aber die frühere Bedeutung seither nicht mehr erreicht hat.

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