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© (3) Verena Magrutsch/Ismet Doymaz
Verena Magrutsch bei der Arbeit in ihrem Rahmen-Atelier.

Historische Rahmen verschiedener Stil-Epochen prägen den Charakter des Ateliers.

© Verena Magrutsch/Xenia Blum

Perlleim, Pinsel und Pigmente: unverzichtbar für die Restaurierung.

Konservieren statt Restaurieren, damit der Charme der Patina erhalten bleibt.

 
Leben 17. März 2014

In neuem Glanz

In ihrem Rahmenatelier im 8. Wiener Bezirk verhilft Verena Magrutsch historischen Bilder- und Spiegelrahmen zu neuem Glanz.

Gold ist nicht gleich Gold und jeder Rahmen hat seinen eigenen Charakter. Mit handwerklichem Geschick und Akribie werden ornamental verzierte Rahmen aus unterschiedlichen Epochen auf dem Werktisch in aufwendiger Handarbeit restauriert.

Wer die Rahmenrestauratorin in ihrer „Werkstatt“ besucht, ist zunächst überwältigt von der Fülle der dort ausgestellten Rahmen. Einige sind bereits wieder so weit hergestellt, dass sie als Zierde eine Wand oder ein wertvolles Gemälde rahmen können. Andere warten noch darauf, dass die Restauratorin sich ihnen widmet. Hier wird sehr behutsam gearbeitet, Fehlendes bei Bedarf ergänzt, um durch höchste handwerkliche Fertigkeit beschädigten Rahmen ihre ursprüngliche Wirkung wieder zu verleihen. Was oft allerdings gar nicht so einfach ist, scheiden sich doch die Geister daran, ob in jedem Fall einer umfassenden Komplettrestaurierung und somit eine Neuvergoldung zwingend nötig ist oder, ob nach der notwendigen Festigung loser Partien und der Reinigung die über lange Zeit entstandene Patina erhalten bleiben soll. Dass Letzteres ihr weit mehr liegt, daraus macht die Restauratorin kein Hehl. „Um weitgehend authentische Ergebnisse zu erzielen, muss man möglichst im Stil der Zeit mit den handwerklichen Mitteln der Zeit arbeiten.“ Kreide, Hasenhautleim, Pigmente, Blattgold, aber auch Schellack für die Politur von Biedermeierrahmen kommen zum Einsatz, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Der Kitt, um Risse oder kleine Fehlstellen zu korrigieren, wird aus Knochenleim, Kreide und Leinöl hergestellt. Früher teilten sich die Grundierer, die den Grund für die Vergoldung vorbereiteten, und Vergolder die Arbeit.

Verena Magrutsch macht alles von Anfang bis zum Ende alleine. „Die Anforderungen waren früher ja auch andere, da mussten nicht nur Rahmen, sondern beispielsweise in Interieurs Meter um Meter nahezu in Akkordarbeit vergoldet werden. Das würde ich auch nicht wollen.“

Der wahre Wert der Patina

Studiert hat sie zunächst Kunstgeschichte, dabei aber bemerkt, dass ihr die Theorie alleine nicht ausreicht. Damals wie heute gab es keine Lehrausbildung in diesem Bereich, und so blieb nur übrig, sich einen geeigneten Lehrmeister zu suchen, um das Handwerk der Rahmenrestaurierung zu erlernen. In ihrem Fall war es eine Lehrmeisterin, die zunächst sehr reserviert war und sich nur durch Hartnäckigkeit schließlich doch überzeugen ließ. Aus der Lehrzeit bei der Wiener Rahmenrestauratorin Renée von Othegraven wurden neun Jahre, in denen sie das nötige Rüstzeug erwarb. Nach einigen Überlegungen folgte der Schritt in die Selbstständigkeit. Das Geschäftslokal in der Piaristengasse hatte zunächst noch ein Weinhändler in Verwendung. Heute befinden sich statt der Flaschenregale an den Wänden über dem geräumigen Werktisch die unterschiedlichsten Rahmen.

Was fasziniert sie an ihrer Arbeit? „Eigentlich, dass jedes Stück seinen eigenen Charakter hat und speziell behandelt werden muss.“ Fingerspitzengefühl braucht es nicht nur hierbei, sondern auch im Gespräch mit den Besitzern, die ramponierte Rahmen zu ihr bringen. „So weit wie in England oder Frankreich sind wir hier in Österreich nur teilweise. Dort werden lose Stellen an Rahmen zwar gefestigt und der gesamte Rahmen gereinigt, aber die Eingriffe bleiben rein konservatorisch. Das steht eigentlich im Widerspruch zur Restaurierung, aber solch ein Stück im gegenwärtigen Zustand zu erhalten, auch wenn die Grundierung durchschimmert, hat seinen ganz eigenen Reiz. Dazu sollte man auch stehen, schließlich sind sie in Würde gealtert.“ Fehlstellen werden abgetönt, fehlende Ornamente ergänzt, weil das sonst die Symmetrie beeinträchtigen würde. Und auch da gibt es besondere Momente: „Es ist immer wieder faszinierend, auf welch hohem handwerklichem Niveau früher gearbeitet wurde, besonders bei den feinen, durchbrochenen Schnitzereien wird dies deutlich.“

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Aus Kostengründen hat man bereits in früheren Zeiten immer wieder zu günstigen Ersatz-Materialien gegriffen, um möglichst glanzvolle Effekte zu erzielen. Im 19. Jahrhundert wurden auch goldfarbene Bleche aus Messing oder Bronze verarbeitet, die allerdings oxidieren und dadurch unansehnlich wurden. Manche der Rahmen wurden später goldfarben überstrichen, darunter ist oftmals sogar noch die ursprüngliche Vergoldung erhalten und kann in sorgfältiger Arbeit freigelegt werden. „Dazu braucht es Gespür, um ahnen zu können, was darunter ist.“

Aber auch beim Vergolden gab und gibt es Unterschiede: „Keine Vergoldung ist wie die andere, da muss die Technik gefunden werden, um das wieder hin zu bekommen, wenn man gewissenhaft vergoldet. Es wäre natürlich oft einfacher, alles neu zu vergolden, aber das führt selten zueinem überzeugenden Ergebnis.“ Neues, maschinengeschlagenes Blattgold ist viel dünner als jenes, das von Hand geschlagen wurde. In Wien wird dies seit 1906 nach alter Methode nur mehr von der Firma Wamprechtsamer hergestellt. Die Goldschlaggasse erinnert zumindest dem Namen nach daran, dass es einst weit mehr Betriebe gab, die Blattgold auf diese Weise herstellten. Auch alle anderen für die Restaurierung benötigten Materialien liefern spezialisierte Unternehmen. Für Verena Magrutsch bedeutet dies, dass sie ihrem Anspruch gerecht werden kann und so wertvolle alte Rahmen aus der Zeit der Renaissance über das Barock bis ins 19. Jahrhundert für die Nachwelt erhalten bleiben.

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