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Leben 19. März 2014

Führen Stresshormone zu verstärktem Mitgefühl?

Einfluss von Stresshormonen auf das Empathie-Empfinden.

In einer aktuellen Studie zeigen Wissenschaftler der Charité - Universitätsmedizin Berlin, dass die Stimulation eines bestimmten Stresshormon-Rezeptors im Gehirn ein erhöhtes Maß an Mitgefühl erzeugt. Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals Neuropsychopharmacology veröffentlicht.

Stress löst im Gehirn eine komplexe Kette von Reaktionen aus. So signalisiert das Nervensystem der Nebennierenrinde, verschiedene Hormone freizusetzen, unter anderem Cortisol. Das Cortisol wirkt im Gehirn über zwei verschiedene Rezeptortypen, den so genannten Mineralocorticoid-Rezeptor (MR) und den Glucocorticoid-Rezeptor (GR).

Die physiologische Wirkweise von Cortisol ist vielfältig. So ist beispielsweise die Erinnerungsfähigkeit bei einem hohen Cortisolspiegel verschlechtert - ein Effekt, den viele Menschen aus Prüfungssituationen kennen. Auch die Fähigkeit, Mitgefühl zu empfinden, scheint in Stresssituationen beeinträchtigt zu sein. Dies ist von besonderer Bedeutung, da im Alltag viele komplexe soziale Interaktionen unter Stress bewältigt werden müssen.

Die Charité-Wissenschaftler Prof. Dr. Katja Wingenfeld, Prof. Dr. Christian Otte und Privatdozent Dr. Stefan Röpke von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Benjamin Franklin untersuchten in ihrer Studie erstmals, welchen Einfluss die gezielte pharmakologische Stimulation des MR-Rezeptors durch den Wirkstoff Fludrocortison auf die Fähigkeit hat, Mitgefühl zu empfinden. Dabei wurden neben gesunden Probandinnen auch Patientinnen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung untersucht. Diese Erkrankung ist unter anderen durch ausgeprägte Defizite in der Regulation von Emotionen und äußerst instabile soziale Beziehungen gekennzeichnet.

»Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Einnahme von Fludrocortison die Fähigkeit, Empathie zu empfinden, also das Ausmaß, in dem die Teilnehmerinnen mit Personen, die auf verschiedenen Bildern szenisch dargestellt waren, mitfühlten, deutlich steigerte«, erklärt Prof. Wingenfeld. »Interessant ist, dass die kognitive Empathiefähigkeit, also das reine Erkennen der Emotion der Personen auf den Bildern, durch die Rezeptorstimulation nicht verändert zu sein scheint. In nachfolgenden Studien wollen wir nun die Befunde genauer untersuchen, wobei die Frage, inwieweit diese positiven Ergebnisse auch therapeutisch nutzbar gemacht werden können, im Fokus stehen wird«, fügt sie hinzu.

Pressemitteilung Charité - Universitätsmedizin Berlin/TF, springermedizin.at

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