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© Archiv der Dombauhütte St. Stephan
Ältere Wiener Meistertafel, 1629.
© Steiermärkisches Landesarchiv

Seite aus dem Admonter Hüttenbuch (1480–1523) mit Steinmetzzeichen und zugehörigen Namen.

© Thomas Kahler

Steinmetzzeichen im Seitenschiff der Kathedrale Notre-Dame de Nazareth, Vaison la Romaine.

© Archiv der Dombauhütte St. Stephan

Meisterzeichen des Wiener Dombaumeisters Friedrich Schmidt, Ende des 19. Jh.

© Thomas Kahler

Steinmetzzeichen und Sonnenuhren an der Außenfassade von Notre-Dame D´Aubune, Baume de Venise.

 
Leben 10. März 2014

Zeichen im Stein

Nicht nur an Sakralbauten, auch auf profanen Bauwerken sind jene kryptisch anmutenden Zeichen zu finden: Steinmetzzeichen sind so alt wie die Baukultur.

Sie gelten als die ältesten mit Architektur verbundenen Zeichen und doch weiß man über diejenigen, die sie ausgeführt haben, oft sehr wenig. Die kulturhistorische Bedeutung von Steinmetzzeichen ist jedoch unbestritten.

Die erste Begegnung mit den in Stein gehauenen Symbolen irritiert zunächst den unvorbereiteten Betrachter: Auf den Mauerquadern von Kirchen- und Profanbauten aus der Zeit der Gotik und Romanik sind geometrische Symbole in einer Vielzahl an Varianten sichtbar. Nicht nur im Inneren, auch an Außenmauern ist Quader für Quader mit solch meist geometrisch einfach gestalteten Zeichen gekennzeichnet.

Der Grund, warum diese Zeichen bereits in der Hochkultur der Ägypter und der Griechen verwendet wurden, blieb über Jahrtausende ein und derselbe. Mithilfe dieser Zeichen konnte die Anzahl der von einem Steinmetz behauenen Steine genau abgerechnet werden. Das eigene Zeichen in ein fertiggestelltes Werkstück einzuhauen, war seit der Romanik erst nach der Freisprechung zum Gesellen erlaubt und mit der feierlichen Verleihung desselben verbunden. Die Steinmetzzeichen der Gesellen sind in den Stein vertieft eingemeißelt. Meisterzeichen hingegen wurden stets erhaben gearbeitet, sie sind im Gegensatz zu den Gesellenzeichen von einer Wappenkartusche gerahmt. Nach Franz von Ržiha, der sich diesem Thema akribisch in seinem maßgebenden Werk „Studien über Steinmetz-Zeichen“, erschienen 1883, gewidmet hat, gehen alle diese Steinmetzzeichen auf vier Mutterfiguren, nämlich Quadratur, Triangulatur, Vierpass und Dreipass zurück.

Die Ordnung der Zeichen

Der Wiener Stephansdom weist eine Vielzahl von Steinmetzzeichen auf, wobei jene an der Außenfassade verwittert und kaum mehr sichtbar oder gänzlich verloren gegangen sind. Im Inneren ist jedoch eine Vielzahl dieser Zeichen erhalten. Allein in der Südturmhalle sind es an die 400 Stück. Aber auch Meisterzeichen gibt es: „In St. Stephan finden wir zwei gotische Meisterzeichen – eines auf der Kanzel und eines am Orgelfuß – beide vom Meister Anton Pilgram“, so Philipp Stastny, Bildhauer der Dombauhütte, der sich seit Jahren mit der akribischen Erfassung aller noch auffindbaren Zeichen in St. Stephan im Zuge der notwendigen bauplastischen Renovierungsarbeiten widmet. Ein weiteres Meisterzeichen, jenes von Dombaumeister Friedrich Schmidt, der maßgebend bei der großen Domrestaurierung im Jahr 1880 tätig war, ist unter dem „Fenstergucker“ gut zu erkennen.

Aber nur in den seltensten Fällen ist es möglich, ein bestimmtes Zeichen einem bestimmten Namen zuzuschreiben. Die Wiener „Meistertafel“, auf der die Zeichen bestimmten Urhebern zugeordnet wurden, stammt aus der Zeit des Barock. Mit dieser Tafel sollte die ununterbrochene Kontinuität der hochwertigen Steinmetz-Tradition verdeutlicht werden. Die auf dieser Tafel vorgenommene Zuordnung ist historisch jedoch nur bedingt verlässlich. Eine Ausnahme bildet das Admonter Hüttenbuch, geführt von 1480 bis 1523, das sich heute im Landesarchiv in Graz befindet. Hier sind die Zeichen bestimmten Namen zweifelsfrei zugeordnet.

Meister Pilgrams Zeichen

„Die Tätigkeit eines Meisters wie Anton Pilgram lässt sich vergleichsweise leicht belegen“, so Philipp Stastny. „Sein Meisterzeichen findet sich auch an der St. Jakobskirche und am Judentor in Brünn.“ Manche der einfachen geometrischen Zeichen können durchaus von verschiedenen Gesellen stammen. Sie waren leicht einzuschlagen und belegen somit nicht, dass ein bestimmter Geselle tatsächlich an unterschiedlichen Bauwerken mitgewirkt hat. Als gesichert gilt hingegen, dass spiegelverkehrt gesetzte Zeichen von ein- und demselben Steinmetz stammen. Auch die Größe ist oftmals unterschiedlich, so wurden zur Zeit der Romanik kleinere und in der Form einfachere Zeichen verwendet. Aus dieser Zeit blieb etwa in St. Stephan ein hufeisenförmiges Zeichen an der Westempore erhalten. Im Langhaus, aber auch am Epitaph von Friedrich III., ist eine Fülle kleinformatiger Steinmetzzeichen zu sehen.

Nicht alle der vorhandenen Steinmetzzeichen sind sichtbar, sie befinden sich oftmals auf jenen Flächen, die im späteren Mauerverband nicht zu sehen sind. So gewinnt man den Eindruck, dass die Zeichen willkürlich in die Quader geschlagen wären. Wo Wetter und Luftverschmutzung an der Außenfassade den Quadern über Jahrhunderte zugesetzt haben, gingen manche dieser Zeichen verloren. Im Inneren wurden hingegen bei Umbau- oder Renovierungsarbeiten viele davon durch Abschlagen der Putzschicht zerstört oder sind heute nur noch schwach sichtbar. Sie können nur mehr mittels Durchreibetechnik für die Nachwelt dokumentiert werden. Manchmal sitzt auch das Zangenloch mitten in einem dieser Zeichen, das hat aber rein praktische Gründe, da es dort gesetzt wurde, um einen Stein auszutarieren.

Während der Barockzeit wurden die Steinmetzzeichen grafisch komplizierter, im 19. Jahrhundert lebte diese Tradition während des Historismus ein letztes Mal wieder auf. Bis heute allerdings regt die Vielfalt dieser Zeichen und ihre Gestaltung die Fantasie an: Sie sind Relikte all jener, die an bedeutenden Bauwerken gearbeitet und dort auf diese besondere Art und Weise ihre Spuren hinterlassen haben.

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