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Leben 4. März 2014

Smog-Alarm für Millionen Chinesen

Trotz hoher Schadstoffbelastung haben die Behörden statt Alarmstufe „Rot“ Alarmstufe „Orange“ ausgerufen.

China versinkt im Smog und die Krankenhäuser sind voll. Verzweifelt greifen die Menschen zu Atemschutzmasken. Trotz andauernd hoher Schadstoffbelastung bleiben durchgreifende Maßnahmen aus.

Wegen der starken Luftverschmutzung haben die Behörden für rund 400 Millionen Chinesen die zweithöchste Smog-Alarmstufe „Orange“ ausgerufen. Damit hat sich die Situation weiter verschärft, nachdem bereits vor mehr als einer Woche von Smog-Belastung in 15 Prozent Chinas berichtet wurde.

Die Schadstoffbelastung in den meisten größeren Städten im Norden und in den mittleren Regionen des Landes lag nach amtlichen Angaben auf „gefährlich“ hohem Niveau. Der Luftqualitätsindex (AQI) überstieg vielerorts Werte von 400. In China wird er von null bis 300 oder höher angegeben. In der nordöstlich von Peking gelegenen Stadt Tangshan wurde sogar ein AQI-Wert über 800 gemessen. Eine Messstation der US-Botschaft in Peking hatte eine Feinstaubkonzentration (PM 2,5) von 462 µg/m³ gemessen – mehr als das 18-fache des von der WHO vorgegebenen Grenzwertes von 25 µg/m³ im 24-Stunden-Mittel. Über das Jahresmittel liegt der Grenzwert bei 10 µg/m³.

Das Meteorologische Zentrum Chinas verhängte Smogalarm für die Metropolen Peking und Tianjin sowie für die sechs Provinzen Hebei, Shanxi, Shandong, Henan, Shaanxi und Liaoning. In der Hauptstadt, wo schon ein paar Tage früher Alarmstufe „Orange“ gegolten hat, roch die Luft verraucht und die Sichtweite betrug nur noch wenige 100 Meter. In der Hauptstadt waren die Krankenhäuser mit Patienten überfüllt, die unter Atemwegs- oder Herz- und Kreislaufproblemen litten. Die Gesundheitsbehörden riefen besonders ältere Menschen und Kinder auf, nicht vor die Tür zu gehen. Die 20 Millionen Pekinger sollten sich mit Atemmasken schützen, falls sie auf die Straße müssten. Schulen sagten Aktivitäten im Freien ab. Die morgendliche Flaggenzeremonie wurde ins Gebäude verlegt.

Kritik an den Behörden

Besonders vom Smog betroffen waren Patienten mit Asthma, Herzkrankheiten oder Bronchialleiden. Nach Schätzungen renommierter chinesischer Wissenschaftler sterben jährlich 350.000 bis 500.000 Chinesen vorzeitig an den Folgen der hohen Luftverschmutzung. In der Bevölkerung regte sich Kritik an den Behörden, die trotz der hohen Schadstoffbelastung nicht die Alarmstufe „Rot“ ausrufen. Sie hätte Fahrverbote für die Hälfte der Autos und weitreichende Fabrikschließungen zur Folge.

Die Tageszeitung „China Daily“ forderte in einem Kommentar „einschneidende Maßnahmen“, damit örtliche Behörden umdenken. Jene müssten bestraft werden, die der Wirtschaftsentwicklung Vorrang vor der Nachhaltigkeit einräumten. Die Beseitigung umweltverschmutzender Zement- oder Stahlwerke werde verschleppt, weil Behörden um ihre Einnahmequellen bangten. Modernisierungen für den Umweltschutz seien häufig das Letzte, wozu lokale Stellen bereit seien.

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