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© (4) Salzburg Museum
Aussicht von der höchsten Spitze des Felsens von Gibraltar in Spanien 1869

Die Pyramiden von Gizeh mit Spinx in Ägypten 1851

 

Kairo, Salah El-Din-Platz 1850

 

Die Seestadt und Festung Vera-Cruz in Mexiko 1862

 

 
Leben 7. März 2014

Ansichten eines Reisenden

Einen Vorgeschmack gab es bereits 2013: Da wurde eine Auswahl der Kosmoramen Hubert Sattlers in einer Sonderschau des Wien Museums in der Hermesvilla gezeigt. Nun sind „Wüsten“ und „Umkämpfte Stätten“ im Salzburg Museum zu sehen.

Hubert Sattler war nicht nur ein welterfahrener und weit gereister Künstler, sondern auch geschäftstüchtig. Mit seinen Kosmoramen ging er bereits im 19. Jahrhundert auf Reisen und begeisterte ein großes Publikum.

Phantasielandschaften wiederzugeben wie Karl May, der ferne Länder gleichsam aus zweiter Hand literarisch entstehen ließ, das kam für Hubert Sattler nie in Frage. Die Landschaften und Städte, die er als Maler in seinen Kosmoramen festhielt, hatte er selbst bereist. Fremde Länder und Landschaften vermittelte er in seiner Malerei auf eine möglichst lebendige Art und Weise. Sein Vater Johann Michael hatte mit dem von ihm geschaffenen berühmten Salzburg Panorama, einer aufwendigen landschaftlichen Darstellung, die Salzburg und seine nähere Umgebung im Jahre 1829 zeigt, zusammen mit den Malern Friedrich Loos und Johann Joseph Schindler ein monumentales Vorbild geschaffen.

Hubert Sattler folgte dem Vorbild seines Vaters und ließ sich an der Akademie der bildenden Künste in Wien zum Landschaftsmaler ausbilden. Konkrete Angaben zu den Reisen und Auslandsaufenthalten sind zwar spärlich, manches ist dennoch zeitlich belegbar.

Schon in jungen Jahren reiste Hubert Sattler zusammen mit den Eltern – heute fast unvorstellbar – mit dem großformatigen Salzburg-Panorama im Gepäck durch Europa. Das detailreiche, großflächige Kunstwerk wurde gegen Eintritt in Deutschland, den Benelux-Ländern, Frankreich und Skandinavien an repräsentativen Orten gezeigt. Kein leichtes Unterfangen, war das Gemälde mit einer Fläche von 125 Quadratmetern und einem Umfang von 26 Metern auf Reisen immer wieder unterschiedlichen Risiken ausgesetzt, da Staub und Feuchtigkeit der Leinwand wie auch den Farben zusetzten.

Geografische Charakterbilder

Hubert Sattler, 1817 in Salzburg geboren und 1904 in Wien verstorben, stand mit seiner Malerei an einem Wendepunkt: Landschaft und Gebirgsszenerien wurden Mitte des 19. Jahrhunderts nicht nur zunehmend als Sujets, sondern auch touristisch entdeckt und durch den einsetzenden Alpinismus erschlossen. Gebirgswelten mit ihren rauen Abstürzen und majestätischen Gletschern, aber auch in feinster Art und Weise ausgeführte Landschaftsbilder standen bereits in der Zeit des Biedermeier neben den gängigen Genreszenen, Stillleben und Porträts hoch in Kurs. Hubert Sattlers Bilder sind dennoch mehr als bloße Landschaftsdarstellungen. Seine Werke sollten ein möglichst großes Publikum begeistern.

Das Reisen war im 19. Jahrhundert zu Lande wie zu Wasser eine beschwerliche Angelegenheit. Viele reisten auch nicht aus freien Stücken, sondern weil sie aus wirtschaftlichen Gründen Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Heimat verlassen mussten. Und dennoch erweiterte die einsetzende Industrialisierung den Horizont und ließ ferne Weltteile näher rücken. Sattler sammelte seine Eindrücke in Skizzen, teils auch unterstützt durch die Fotografie, einem damals noch neuen Medium. Als Gedankenstütze war dies sicher hilfreich, aber großformatige fotografische Reproduktionen oder gar Abzüge in Farbe waren technisch noch nicht möglich. So konnte sich Sattler mit seiner Malerei, die dem zahlenden Publikum präsentiert wurde, gegen die Fotografie bis zur Wende des 20. Jahrhunderts behaupten. Es gab eben kein anderes Verfahren, das die stilistisch wie farblich brillanten Kosmoramen und ihre farbenprächtige Illusion ersetzen konnte.

Weite Ferne – so nah

Hinzu kam, dass Sattler eine besondere Art der Präsentation für seine Kosmoramen wählte. Leider blieben, wie Nikolaus Schaffer, Kurator des Salzburg Museums anmerkt, die Vorrichtungen, die mit einer Art Linse versehen waren, um ein möglichst realistisches Seh-Erlebnis für den Betrachter zu ermöglichen, nicht erhalten. Die detailreiche Malerei Sattlers tat ein Übriges, um die Dramatik seiner Darstellungen wie etwa der See-Stücke möglichst lebendig zu gestalten. Dies vermitteln auch die Hochgebirgsszenarien mit ihren schroffen Zacken und eisig-kühlen Gletscherdarstellungen. Die Bilder unwirtlicher Sand- oder Eiswüsten vermittelten einen ähnlich bleibenden Eindruck.

Sattler war zeitlebens äußerst tätig, was auch für den anhaltenden Erfolg seiner Kosmoramen spricht und hielt sich sogar ab 1850 drei Jahre in Amerika auf. Manche der von ihm gewählten Motive waren für die damaligen Betrachter tatsächlich voller Exotik. Die Ansicht von Jerusalem, Moskau oder der mexikanischen Hafenstadt Veracruz mag bei dem einen oder anderen Betrachter wohl auch für Fernweh gesorgt haben. Sattler wählte mit Bedacht seine Sujets und vermittelte seinem Publikum, meist von einem erhöhten Standpunkt aus, den besten Blick auf das Panorama einer Stadt oder einer Landschaft. Ganz so, als sei man selbst dort gewesen.

Es ist fast paradox, dass manche der „Umkämpften Stätten“, die damals wie heute in politisch prekären Zonen liegen, heute nur mehr über Sattlers Bilder aus sicherer Distanz zu besichtigen sind. Bereits 1870 kamen die 136 erhalten gebliebenen Kosmoramen als Schenkung zusammen mit dem Panorama seines Vaters in den Besitz der Stadt Salzburg. In einem eigens dafür errichteten Ausstellungspavillon im Kurgarten nächst dem Schloss Mirabell fand das Salzburg-Panorama eine neue Heimat. Die Kosmoramen Hubert Sattlers werden nun in jährlich wechselnden Ausstellungen im Salzburg Museum zu sehen sein.

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