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Leben 13. Februar 2014

Liebeskummer ist gesund

Trauer und Schmerz richtig verarbeiten.

Am 14. Februar wird der Valentinstag mit Liebesbekundungen gefeiert. Aber was, wenn die große Liebe zu Ende ist und sich Kummer einstellt? „Liebeskummer ist etwas Gesundes, wenn man ihn zulässt und sich Zeit nimmt, die Trauer und den Schmerz richtig zu verarbeiten", sagt dazu Stephan Doering, Leiter der Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie der MedUni Wien.

„Gestehen Sie sich den Liebeskummer ruhig zu, das ist eine gesunde Reaktion", rät der Experte. „Es ist völlig normal, nach einer Trennung traurig zu sein, den Verlust zu verarbeiten, um danach wieder offen für Neues zu sein." Aus psychoanalytischer Sicht sei es eher bedenklich, wenn man keine Trauer empfindet, das nämlich könnte darauf deuten, dass der Betroffene ein anderes psychisches Problem hat. „Liebeskummer lohnt sich also doch", so Doering in Anspielung auf den bekannten Schlager und mehrfach gecoverten Nummer 1-Hit „Liebeskummer lohnt sich nicht" aus den sechziger Jahren.

Liebeskummer als möglicher Auslöser psychischer Erkrankungen

Die Dauerhaftigkeit von Liebeskummer ist völlig unterschiedlich und hängt auch von der Dauer und emotionalen Tiefe der vorangegangenen Beziehung ab. Doering: „Liebeskummer kann Monate dauern, wenn man richtig geliebt hat." Im Normalfall sei aber keine professionelle Hilfe nötig.

Erst, wenn das Liebesleid kein Ende zu nehmen scheint, die Trauer dramatische Züge annimmt und man sich im Kreis dreht, ohne dass eine Bewältigung des Schmerzes stattfindet, und wenn negative Auswirkungen auf Alltag und Job sichtbar werden, kann psychotherapeutische Unterstützung hilfreich sein. Liebeskummer kann außerdem der Auslöser für andere seelische Erkrankungen sein, wie etwa eine Depression. Aber auch Angststörungen, psychosomatische Erkrankungen oder Schizophrenie können die Folge sein – dies allerdings in der Regel nur dann, wenn eine entsprechende Veranlagung oder Vorbelastung besteht.

„Liebeskummer und der damit verbundene seelische Stress können psychische Störungen auslösen, die im Betroffenen schlummern", erklärt Doering. „Es ist dann wie eine alte Wunde, die wieder aufbricht, und die etwa auf früher erlebte Trennungen oder Verluste zurückgeht." Mögliche Hintergründe neben früheren Trennungen oder Todesfällen sind zum Beispiel Verlust der Anerkennung im Job, Besitzverluste oder schwere Verluste im sozialen Umfeld.

Presseaussendung Medizinische Universität Wien/TF, springermedizin.at

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