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Leben 14. Februar 2014

Korrektur bei Grundemotionen

Laut Analysen gehen Wissenschaftler davon aus, dass es nur vier grundlegende Ausdrucksformen von Gefühlen gibt.

Das menschliche Verhalten beruht auf nur vier grundlegenden Gefühlen, wie die University of Glasgow ermittelt hat. Damit stellt das Team um Rachael Jack die allgemeine Auffassung infrage, dass es die sechs Emotionen Glück, Trauer, Furcht, Wut, Überraschung und Ekel gibt. Die Wissenschaftler nutzten dabei eine spezielle Software, die eine genaue Analyse der Gesichtsausdrücke erlaubte.

Furcht und Überraschung haben die weit offenen Augen gemeinsam. Wut und Ekel verbindet die gerümpfte Nase. Das Team des Institute of Neuroscience and Psychology argumentiert, dass diese frühen Signale für grundlegendere Gefahrensignale stehen können. Erst später kommt es zu Signalen, die sich in alle sechs grundlegenden klassischen Ausdrücke von Gefühlen unterscheiden lassen. Der Ausdruck des Gesichts bei Glück und Trauer ist hingegen während der ganzen Zeit grundlegend verschieden. Laut Jack stimmen diese Ergebnisse mit den evolutionären Vorhersagen überein: Signale werden durch biologische und soziale Rahmenbedingungen in ihrer Funktion optimiert. „Unsere Forschung zeigt, dass nicht alle Gesichtsmuskeln bei einem Gesichtsausdruck gleichzeitig aktiv sind. Sie werden im Laufe der Zeit aktiv – und zwar ausgehend von grundlegenden biologischen bis hin zu sozialspezifischen Informationen.“

Für die sogenannte „Generative Face Grammar“ werden Kameras eingesetzt, die ein dreidimensionales Bild von Menschen aufnehmen, die speziell dafür trainiert wurden, alle 42 Gesichtsmuskeln unabhängig voneinander zu aktivieren. Ausgehend von diesen Daten kann ein Computer basierend auf der Aktivierung verschiedener Muskeln spezifische oder zufällige Gesichtsausdrücke auf einem 3D-Modell erstellen. Die verschiedenen Ausdrücke wurden von den Wissenschaftlern als „Action Units“ bezeichnet. Freiwilligen wurde das realistische Modell in der Folge gezeigt. Sie sollten daraufhin feststellen, welches Gefühl gerade dargestellt wurde. Damit konnten die Forscher analysieren, welche Action Units Beobachter mit bestimmten Emotionen in Zusammenhang bringen.

Interpretation auch kulturell bedingt

Durch ihr Verfahren erkannten die Experten, dass die Signale für Furcht und Überraschung sowie Wut und Ekel zu Beginn verwechselt werden konnten. Sie wurden erst bei der Aktivierung weiterer Action Units deutlicher erkennbar. Laut Jack wird damit die Auffassung infrage gestellt, dass die menschlichen Gefühle sich auf sechs grundlegende Kategorien zurückführen lassen. „Wir gehen davon aus, dass es nur vier grundlegende Ausdrucksformen von Gefühlen gibt.“ Die Forscher wollen im nächsten Schritt den Gesichtsausdruck in verschiedenen Kulturen studieren. Menschen in Ostasien interpretieren laut den Forschern einen Teil der sechs klassischen Emotionen anders. Sie messen den Signalen der Augen mehr Bedeutung zu als den Bewegungen des Mundes.

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