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Leben 4. Februar 2014

The Legend of ELGA Teil 2

So bedrohlich die elektronische Gesundheitsakte auf manche Mediziner auch wirken mag – so faszinierend sind deren Möglichkeiten in der Zukunft.

An dieser Stelle wurde bereits über die friedlich im Auenland lebenden Ärzte berichtet, die von der Macht des Ringes der Kontrolle von den Barbaren des ELGA-Ordens in Geiselhaft genommen wurden. Heute wollen wir davon erzählen, dass nicht alles schlecht ist, was mit EL- anfängt und -GA aufhört, von kindischen Wortspielen, wie ELefanten-GaGA, ELlbogentechnik in der UnterliGA oder ELisabeth liebt TigertanGA mal abgesehen.

Denn die Vernetzung von Gesundheitsdaten kann, kombiniert mit den technischen Möglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen, für die ärztliche Betreuung durchaus von Vorteil sein. Die zunehmende Technisierung im „Smarten Haushalt“ ermöglicht nicht nur den Konsumenten, Licht, Heizung, Sauna oder Herd von unterwegs per Handy zu bedienen, sondern auch den behandelnden Mediziner! Ein freundlicher Hacker der Gebietskrankenkasse ist sicherlich gerne dabei behilflich, Ihnen Zugang in die privaten Patientennetzwerke zu verschaffen. Endlich haben wir die ersehnte Kontrolle über den Gottseibeiuns einer gesunden Lebensführung – den Kühlschrank.

Schon jetzt arbeitet man an Kühlschränken, die erkennen, welche Inhalte sich dem Ende zuneigen und aufgefüllt werden müssen. Der Besitzer kann per Smartphone an einen Einkauf erinnert werden oder der intelligente Kühlschrank bestellt das Essen gleich selber. Geschickt ins System gehackt, wird diese Bestellung nun einer ärztlichen Prüfung unterzogen und gegebenenfalls modifiziert, sodass nur mehr gesunde Lebensmittel eingekühlt werden.

Sensoren in der Couch schlagen bei allzu dauerhafter Druckbelastung Alarm, durch die gezielte Fernabschaltung der Heizung lassen sich die Patienten sehr rasch von einem kleinen Workout überzeugen, damit ihnen wieder warm wird. Wir kontrollieren Blutdruck, Schlaf, Toilettenverhalten und Fernsehkonsum. Wie bei einem Virtual Pet (vormals Tamagotchi) können die Mediziner ihre Patienten mit gesundem Zeug füttern, sie rechtzeitig schlafen legen oder sie zu einem kleinen Spaziergang nötigen.

Ist es nicht das, was wir immer wollten? Nicht mehr abhängig zu sein von den halbwahren Berichten unserer Patienten zu ihrer vermeintlich „gesunden Lebensweise“; nie wieder ratlos ob des Nichtansprechens einer Therapie verzweifeln müssen, weil wir nun wissen, dass die Medikamente im (nun sensorgesteuerten) Mistkübel landen; völlige Kontrolle über den Lebensstil, da wir schließlich besser wissen, was den Patienten gut tut, als sie selbst.

Da lässt sich doch der kleine Wermutstropfen verkraften, dass wir selbst, in Form von „Smart-Docs“, den Krankenkassen als Tamagotchis dienen.

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