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Leben 24. Jänner 2014

Laute Rufe nach dickerer Barbie

Spindeldürr trippelt Barbie durch die Kinderzimmer in aller Welt – doch kaum eine Frau hat die Körpermaße der Puppe.

Beine so dünn wie Bleistifte, unnatürlich große Brüste und der BMI einer Magersüchtigen: Der Anblick einer Barbie in Lebensgröße würde selbst Liebhaber besonders schlanker Blondinen wahrscheinlich das Gruseln lehren. Die US-Studentin Galia Slayen vom Hamilton College in New York hatte die berühmte Puppe als 1,80-Meter-Frau nachgebaut. Das Ergebnis ist alles andere als schön und sexy – wegen ihrer extremen Proportionen müsste Barbie als echte Frau wahrscheinlich auf allen Vieren laufen. Im Internet wird daher gefordert: die Barbie soll dicker werden.

Um dem Schlankheitswahn schon im Kinderzimmer etwas entgegenzusetzen, präsentierte die Internetseite „Plus Size Modeling“ (Models mit Übergröße) auf ihrer Facebook-Seite eine füllige Barbie mit Doppelkinn im pinkfarbenen Kleid und fragen: „Sollten Spielzeughersteller beginnen, Barbies mit Übergröße herzustellen?“ An die 169.000 Menschen bekundeten per Klick auf den „Gefällt mir“-Button ihre Zustimmung, Tausende verbreiteten das Bild im Internet weiter. Viele sind aber der Meinung, das Doppelkinn der verdickten Barbie sei übertrieben und eine Beleidigung dicker Menschen. Trotzdem sind sich viele einig, dass die Puppen viel zu dünn sind, und forderten Barbies mit normalen Körpermaßen und ein Ende des Magersucht-Looks.

Das wünschte sich schon der Künstler Nickolay Lamm aus Pennsylvania, der die Spielzeug-Blondine im Vorjahr ein Stück näher an die Realität brachte. Er nahm sich die Behördendaten von US-Amerikanerinnen über 19 und schuf eine „wahre Barbie“ nach den offiziellen Statistikdaten. Heraus kam eine irgendwie vertraute, aber dennoch rundere, kürzere und breitere Puppe. Lamm dazu: „Natürlich idealisiert Spielzeug immer, das sehe ich ja durchaus ein.“ Aber bei Barbie könne die schöne Utopie ernste Folgen haben: „So sieht einfach keine Frau aus. So schlank, so lang ist niemand. Der Körper ist einfach unrealistisch. Und Millionen Mädchen spielen damit und viele wollen danach etwas werden, was sie schon aus biologischen Gründen gar nicht werden können.“

„Barbie ist ein Spielzeug“

„Wir müssen uns daran erinnern, dass Barbie ein Spielzeug ist“, stellte der Hersteller Mattel nach Lamms Aktion klar. „Mädchen verstehen, dass Barbie eine Puppe ist. Sie wurde nie nach den Proportionen eines echten Menschen modelliert.“ Sie sei zum Spielen perfektioniert und dafür, dass man sie einfach aus- und wieder anziehen oder frisieren könne.

Da starkes Übergewicht besonders in den USA ein großes Problem ist, stehen längst nicht alle hinter der Aktion von „Plus Size Models“. Denn unnatürlich dicke Puppen würden Kindern vermitteln, dass Fettleibigkeit etwas völlig Normales sei. Auch Lamm sieht die besonders dicke Barbie kritisch. „Ich bin sehr dafür, dass man sich selbst liebt“, sagte er. „Einen gesunden Körper zu fördern, ist das eine. Aber es ist etwas anderes, Fettleibigkeit und Diabetes zu fördern.“

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