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Im ersten Hof des Alten AKH Uni-Campus Wien Alsergrund steht die überlebensgroße Statue von Theodor Billroth.

© (3) W. Regal

Am 20. August 1867 zog Theodor Billroth in den ersten Hof des Allgemeinen Krankenhauses ein, wo er Medizingeschichte schrieb.

 

© (3) historisch

Untrennbar mit Billroths Namen verbunden ist bis heute die erste erfolgreiche Resektion eines Magenausgangskrebses.

 

Im Jahr 1882 gründete er mit dem „Rudolfinerhaus“ eine interkonfessionelle Pflegerinnenschule mit Spitalsbetrieb.

 

1929 wurde die Schilling-Münze (Doppelschilling) zu Ehren von Theodor Billroth geprägt, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

 

Weltruhm erlangte der Chirurg Theodor Billroth (1829-1894) durch seine wagemutigen Operationen und neuen Techniken.

 
Leben 29. Jänner 2014

Der „kühnste Chirurg seiner Zeit“

Vor 120 Jahren starb der legendäre Operateur Theodor Billroth.

Er war einer der „kühnsten Chirurgen“ seiner Zeit. Weltruhm erlangte er durch seine wagemutigen Operationen und neuen Techniken. Wien wurde durch ihn zu einem Weltzentrum der Chirurgie. Vor 120 Jahren starb ein Mythos: Theodor Billroth (1829–1894).

Auf das überlebensgroße vor Kraft nur so strotzende Monument dieses Giganten der operativen Medizin trifft der Besucher des Alten Allgemeinen Krankenhauses im 9. Wiener Gemeindebezirks, wenn er das Areal durch den ehemaligen Haupteingang in der Währingerstraße betritt.

Bereits 1942 hatten die Chirurgen Wiens den Plan gefasst, zum 50. Todestag Billroths, am 6. Februar 1944, ein Marmordenkmal im ersten Hof zu errichten. Mit der Ausführung wurde der Bildhauer Michael Drobil beauftragt. Die finanziellen Mittel waren vorhanden, aber kriegsbedingt war Marmor nicht erhältlich und die Statue konnte nur in Gips ausgeführt werden. Erst nach dem Krieg wurde dann auf Initiative des Chirurgen Leopold Schönbauer (1888–1963) das ursprüngliche Vorhaben ausgeführt und das Standbild, diesmal in Marmor, am 26. April 1949 im ersten Hof enthüllt.

Wie der „Preuße“ nach Wien berufen wurde

Am 20. August 1867 zog Billroth in den ersten Hof des Allgemeinen Krankenhauses ein. Hier – Hörsaal und Klinik befanden sich in der nordwestlichen Ecke – schrieb Billroth Medizingeschichte. Erste Ösophagusresektion 1871, erste Kehlkopfexstirpation 1873 und schließlich 1881, nach zehnjähriger Vorbereitung, die Operation, die noch heute seinen Namen trägt: die erste erfolgreiche Resektion eines Magenausgangkrebses.

Als die frei gewordene Lehrkanzel der II. Chirurgischen Klinik neu besetzt werden sollte, wünschte sich Kaiser Franz Joseph I. als Nachfolger des Chirurgen Franz Schuh (1804–1865) Franz Freiherrn von Pitha (1810–1875), den Leiter der Chirurgie am Josephinum. Jetzt geschah etwas Ungeheuerliches: Der vom Kaiser auserwählte Pitha plädierte in der Fakultät für Theodor Billroth und erklärte dem Kaiser, dass der um neunzehn Jahre jüngere Kollege ihn hundertmal überflügeln werde. Die Regierung entsprach schließlich dem Wunsch der Fakultät und berief den „Preußen“ Billroth nach Wien. Und das nur ein Jahr nach der schmerzlichen Niederlage der österreichischen Armee gegen die Preußen bei Königgrätz!

Interesse galt zuerst der Musik

Der Sohn eines Pastors in Bergen auf der Insel Rügen interessierte sich als Jugendlicher in erster Linie für Musik, die er auch zu seinem Beruf machen wollte. Der Einspruch der Mutter hielt ihn davon ab und ein befreundeter Chirurg überzeugte ihn schließlich, die Medizin als Beruf zu wählen. Der Musik blieb Billroth aber lebenslang eng verbunden. Seine Freundschaft mit Johannes Brahms ist legendär.

Billroths wichtigster Lehrer in Berlin war der chirurgisch tätige Mediziner Bernhard von Langenbeck (1810–1887), dessen Assistent er nach seiner Promotion im Jahr 1852 wurde. Neben der Chirurgie beschäftige er sich immer auch mit theoretischen Fragen der Medizin und vertiefte sich vor allem in die Pathohistologie und Anatomie. So sehr, dass der erst 27-Jährige im Jahr seiner Habilitation 1856 im Besetzungsvorschlag für der Lehrkanzel für pathologische Anatomie zugleich mit Rudolf Virchov (1821–1902) genannt wurde. 1860 erfolgte die Berufung Theodor Billroths als Chirurg nach Zürich, wo sich der Theoretiker zu einem großen Klinker entwickelte. Versuche, ihn nach Rostock oder Heidelberg zu holen, scheiterten. Dem Ruf nach Wien konnte er im Jahr 1867 aber nicht widerstehen.

In Wien begann Billroth, chirurgisches Neuland zu erforschen. Mit der ersten Ösophagusresektion, der Kehlkopfexstirpation und den Magenresektionen wurde er zum Pionier dreier Operationsgebiete. Untrennbar mit seinem Namen verbunden ist bis heute die erste erfolgreiche Resektion eines Magenausgangskrebses. Nachdem alle technischen Details der Operation im Tierversuch geklärt waren, durchforsteten seine Assistenten Carl Gussenbauer (1842–1903) und Alexander Winiwater (1848–1916) noch 61.287 Obduktionsbefunde, um zu ermitteln, wie viele Patienten mit Pyloruskarzinom, ohne Metastasen gestorben waren. Als sie hier 41,1 Prozent fanden, entschloss sich Billroth den Eingriff zu wagen. Nach fünfjähriger Wartezeit kam die erste zur Resektion geeignete Patientin, die 43-jährige Therese Heller, an die Klinik. Am 29. Jänner 1881 führte Billroth an ihr die erste erfolgreiche Magenresektion der Welt durch. Das Operationspräparat und das Obduktionspräparat – die Patientin starb drei Monate später mit Lebermetastasen – befinden sich heute im Museum für Geschichte der Medizin im Josephinum. 1885 beschrieb er noch eine zweite Methode der Magenresektion, die heute allgemein als „B II“ – Billroth II – bekannt ist.

Auch bakteriologische Studien von großem Interesse

Neben seiner operativen Tätigkeit betrieb Billroth auch bakteriologische Studien über Wundfieber und Wundkrankheiten, ein der Chirurgie damals unter den Fingern brennendes Problem. In einer Statistik aus der Züricher Zeit weist Billroth eine Sterblichkeit von 46 Prozent bei Amputationen aus. Mit einfachsten Mitteln, ohne Nährböden und Farben, entdeckte und isolierte er eine Bakterienart, der er den noch heute gültigen Namen Streptokokken gab. Der Nachweis, dass Mikroorganismen Wundinfektionen verursachen, gelang ihm aber nicht. Auch wie die Keime in die Wunden gelangen, war ihm unbekannt, aber unbewusst nahm er mit seiner Forderung „Reinlichkeit bis zur Ausschweifung“ die aseptische, keimfreie Methode des Operierens vorweg. Erst Pasteur (1822–1895) und Robert Koch (1843–1910) konnten nachweisen, dass Keime die Ursache für Infektionen sind und vor allem durch Berührung und nicht durch die Luft, wie man anfänglich annahm, in die Wunden gelangen. Aufgrund dieses Wissens lernten die Chirurgen jetzt allmählich, aseptisch zu operieren. Fast traurig – was er aber mit Sicherheit nicht war – bemerkte Billroth einige Jahre vor seinem Tod: „Alle Chirurgen tragen jetzt die antiseptische Uniform, das Individuelle tritt gewaltig in den Hintergrund. Mit reinen Händen und reinem Gewissen wird der Ungeübteste jetzt weit bessere Resultate erzielen als früher der berühmteste Professor der Chirurgie.“

Auch die Einführung der Statistik mit schonungsloser Angabe aller Misserfolge ist ein Verdienst Billroths. Er sagte die Zeit voraus, in der man jeden Arzt für einen Scharlatan halten würde, der nicht imstande ist, seine Erfahrungen in Zahlen auszudrücken.

Gründung der Pflegerinnenschule „Rudolfinerhaus“

Ein besonderes Anliegen war ihm die Ausbildung des Krankenpflegepersonals. Er hatte erkannt, dass nur eine gute postoperative Pflege den Erfolg einer Operation sichern konnte. Da eine Schule für Krankenpflegerinnen im Allgemeinen Krankenhaus nicht möglich war, bettelte er sich Geld zur Gründung der interkonfessionellen Pflegerinnenschule „Rudolfinerhaus“ samt eines dazugehörigen kleinen Musterspitals zusammen. Für die Schwestern dieses Spitals schrieb er das Buch „Die Krankenpflege im Hause und im Hospitale“. Dieser Klassiker der Krankenpflegeliteratur beginnt mit dem Satz: Wer anderen hilft, verhilft sich selbst zum Glück.

Der legendäre Chirurg starb am 6. Februar 1894 in Abbazia, Istrien (heute Opatija in Kroatien). Begraben ist er am Wiener Zentralfriedhof.

W. Regal und M. Nanut, Ärzte Woche 5/2014

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