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Plakat „Seebad Grado“, 1906, Josef Maria Auchentaller, Farblithographie

Südstrand von Abbazia, 1911, Erwin Pendl, Farbdruck nach Aquarell, Sammlung Samsinger, Wien

 

Plakat „Abbazia Sport Woche 4.–12. Mai 1912“, 1911, Stephanie Glax, Farblithographie

 

© (4) Wien Museum

Plakat „Abbazia“, 1911, Stephanie Glax, Farblithographie.

 
Leben 14. Jänner 2014

Nach Süden!

Mit der Bahn in den Süden: Wen das Fernweh packte und wer es sich leisten konnte, begab sich im Sommer wie auch im Winter an die Österreichische Riviera.

Noch heute schwingen bei den klingenden Namen der Kurorte Abbazia, Brioni und Grado sentimentale Gefühle mit. Eine umfassende Ausstellung im Wien Museum widmet sich derzeit der Österreichischen Riviera und ihrer Geschichte.

Das Schicksal der Österreichischen Riviera war wechselhaft. Zunächst bestimmten im 19. Jahrhundert, nachdem Venedig seine Vormachtstellung verloren hatte, französische Machtinteressen, dann jene des Hauses Habsburg das Geschick der Küstenregion Friaul-Julisch Venetiens und Istriens. Nach der Schlacht von Wagram 1809 wurde das Gebiet um Villach, Krain, Triest, Friaul zusammen mit Istrien, Kroatien, Dalmatien und Ragusa zum „Königreich der Illyrischen Provinzen“ und damit Teil des französischen Kaiserreiches. Nach dem Wiener Kongress fielen diese Gebiete wieder an das Haus Habsburg. Unter Kaiser Franz I. wurde daraus das Königreich Illyrien, Istrien zur selbstständigen Markgrafschaft. Nach dem Ersten Weltkrieg kam das Gebiet unter italienische Herrschaft, heute teilen sich seit dem Zerfall Jugoslawiens Italien, Slowenien und Kroatien dieses Stück der Adria-Küste.

Militärstrategische Überlegungen des Feldmarschalls Radetzky standen am Beginn der Erschließung des Küstenlandes. Er förderte den Bau von Bahnlinien in Oberitalien. Nach der Bahnverbindung Mailand-Venedig folgte 1850 in Triest die Grundsteinlegung für den Südbahnhof. Die Südbahn als Prestigeprojekt der k. u k. Monarchie konnte nach der technisch äußerst schwierigen Überquerung des Semmering durch den in Venedig geborenen Ingenieur Carl Ritter von Ghega 1857 fertiggestellt. Von nun an ließ sich die Strecke von Wien nach Triest, die sich zum bedeutendsten Handelshafen der Monarchie entwickelte, in 18 bis 21 Stunden zurücklegen. Das war nicht nur für den Güterverkehr, sondern auch für die touristische Erschließung der Küste Istriens von erheblicher Bedeutung, um zahlungskräftige Gäste in das klimatisch milde Küstengebiet zu bringen. Durch die Bahnlinie St. Peter am Karst (Pivka)-Fiume konnte man ab 1873 bequem und rasch per Bahn in die Kurorte der Kvarner Bucht gelangen.

Perle der österreichischen Riviera

Der Aufstieg Abbazias, dem heutigen Opatija zum mondänen Kurort wäre ohne die Südbahn und die Bahnverbindungen, die über das Istrische Hinterland bis in die Kronländer führten, nicht möglich gewesen. Aus dem ehemaligen Fischerdorf wurde schon bald ein in Wien geplanter, illustrer Kurort. Die heilklimatischen Voraussetzungen des Meeresklimas und die visionären Vorhaben des Generaldirektors der Wiener Südbahngesellschaft Friedrich Schüler begünstigten den Aufschwung zum noblen Seebad. Ein Jahr nach der Eröffnung des Südbahn-Hotels am Semmering folgte 1883 in Abbazia das „Quarnero“ als erstes Hotel an der Küste Istriens. Das Hotel „Stephanie“ sowie das Hotel „Slatina“ und eine Reihe heute noch bestehender exklusiver Villen prägten zusammen mit der „Friedrich-Schüler Strandpromenade“ das elegante Erscheinungsbild Abbazias, das 1889 offiziell zum Kurort ernannt wurde. Vor allem in den Wintermonaten wurde es zu einem beliebten Reiseziel, das von Mitgliedern des Kaiserhauses ebenso frequentiert wurde wie vom ungarischen Adel und dem Wiener Großbürgertum. Das mondäne Abbazia konnte sich mit der französischen Riviera durchaus messen. Erst mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam dort wie auch an den benachbarten Orten Portorose, Lovran, Lussin für den mondänen Badebetrieb vorläufig das Ende.

Paul von Kupelwiesers Insel

Abbazia, Lovran, Lussin, Grado: das waren nicht nur für Begüterte Orte, an denen es sich auch in der kalten Jahreszeit bestens aushalten ließ. Spielte an den Badeorten der Küste Istriens das repräsentative Gesellschaftsleben eine besondere Rolle, so war man im Kurort Grado eher auf den Familienurlaub eingestellt. In Brioni, einer malariaverseuchten Insel in der Kvarner Bucht war zunächst alles ganz anders. Dort wagte sich Paul von Kupelwieser, Generaldirektor der Witkowitzer Eisenwerke bei Mährisch Ostrau, an ein außergewöhnliches Projekt. Seiner unermüdlichen Tatkraft war es zu verdanken, dass aus dieser Insel ein attraktives Urlaubsziel wurde. Zunächst musste man der Malaria Herr werden. Das gelang mittels einer von Prof. Dr. Robert Koch entwickelten Chininkur. Kupelwieser, der sich nicht mehr zu helfen wusste, hatte ihn um Hilfe gebeten. Ob Malaria, Trinkwasser oder Personentransport: der Herr der Insel war um keine Lösung verlegen.

Das weltweit erste Schiff mit Dieselmotor brachte die Gäste nach Brioni, und eine vom Festland unter großen finanziellen Mitteln errichtete, unter dem Meer geführte Süßwasserleitung, versorgte die Insel mit Trinkwasser. Schätzungen zufolge kamen bis zum Ersten Weltkrieg 50.000 Touristen nach Brioni. Dieser herrlichen Vorkriegs-Kuridylle hat Fritz von Herzmanovsky-Orlando in seinem Roman „Rout am Fliegenden Holländer“ ein literarisches Denkmal gesetzt. Das feudal-exzentrische Inselleben auf „Scoglio Pomo“ nimmt allerdings ein tragisches Ende. Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel das Reich Kupelwiesers. Brioni wurde zunächst italienisch, später unter Jugoslawiens Staatschef Marschall Tito dessen bevorzugter Aufenthaltsort. Für Touristen war die Insel während der Zeit des jugoslawischen Sozialismus Sperrgebiet. Wer möchte, kann an der istrianischen Küste und in Grado, inspiriert durch diese Ausstellung auf Spurensuche gehen. Oder sich einfach nur im milden Meeresklima erholen.

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