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Leben 8. Jänner 2014

Simon Wiesenthal Lecture

"Thomas Mann ohne Juden. Vergangenheitspolitik im Westdeutschen Nachkriegskino", ein Vortrag von Yahya Elsaghe von der Universität Bern.

Kein Repräsentant der deutschen Kultur eignete sich besser, das Gründungsnarrativ der Bundesrepublik zu beglaubigen, als Thomas Mann. Als Exilant war er über jeden Zweifel erhaben, mit dem NS-Regime sympathisiert zu haben. Als Amerikaner mit schweizerischem Wohnsitz ließ er sich leichter für das westliche Lager vereinnahmen als beispielsweise sein Bruder Heinrich. Als Nobelpreisträger und international hochgeachteter Autor verkörperte er die deutsche Kulturnation. Als Angehöriger der Großvätergeneration stand er für ein besseres Deutschland, dessen Traditionen weit hinter den Jänner 1933 zurückreichten und an die die Bundesrepublik anzuknüpfen versuchte.  

Das Bedürfnis, in der Gestalt Thomas Manns diese älteren Traditionen von der NS-Vergangenheit zu lösen, lässt sich auch und gerade an der wissenschaftlichen Rezeption Manns vorführen. Noch folgenreicher dürfte aber die populärkulturelle Aufbereitung des Autors gewesen sein, die Transposition seines OEuvres in das Massenmedium Film. Thema des Vortrags ist, wie die jüdischen Figuren seiner Romane und Novellen in den Nachkriegsverfilmungen sukzessive zum Verschwinden gebracht wurden bzw. verschwunden sind.

Yahya Elsaghe ist Ordinarius für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Bern. Zu seinen Forschungsgebieten gehören literarische Stereotypenbildung und dabei insbesondere der Antisemitismus in der deutschen Literatur des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts. Letzte Buchpublikationen: 'Thomas Mann und die kleinen Unterschiede. Zur erzählerischen Imagination des 'Anderen''; 'Krankheit und Matriarchat. Thomas Manns Betrogene im Kontext'; 'Max Frisch und das zweite Gebot. Relektüren von Andorra und Homo faber'.

Datum: 23.1.2014, um 18:30 Uhr

Ort: Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, Minoritenplatz 1, 1010 Wien 

Weitere Informationen: www.vwi.ac.at

 

 

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