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Feine Glaskugeln aus der Zeit des Spätbiedermeier
 
Leben 13. Dezember 2013

Festlich geschmückt

In vierter Generation setzt Elfriede Kreuzberger das Sammeln von Weihnachtsschmuck als Familientradition fort. Daraus entstand die weltweit größte, über 18.000 Stück umfassende Sammlung zu diesem Thema.

Mit den Urgroßeltern hat alles begonnen: Seit nunmehr 40 Jahren sammelt Elfriede Kreuzberger selbst historischen Weihnachtsschmuck. In der bis 6. Januar 2014 geöffneten Ausstellung im „Ersten Österreichischen Museum für antiken Christbaumschmuck, antike Puppen und Oblaten" in Steyr sind viele ihrer raren und kostbaren Stücke zu sehen.

Manches wird einem gleichsam in die Wiege gelegt, denn nicht jeder ist dem Sammeln zugetan. Für Elfriede Kreuzberger gehört dies jedoch zur Familientradition. Schon die Ur-Großeltern hatten leidenschaftlich Weihnachtsschmuck in all seinen Variationen gesammelt. Die frühesten Stücke stammen vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Während des Biedermeiers hatte sich das Selbstverständnis des Bürgertums gewandelt.

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Das Familienleben trat in den Mittelpunkt, dazu gehörten die Festlichkeiten im Kreise der Familie. Zur Weihnachtszeit gab es bis dahin schon vereinzelt festlich geschmückte Bäume, der Weihnachtsbaum fand erst Anfang des 19. Jahrhunderts auch in Österreich weitere Verbreitung. Aber was wäre er ohne entsprechenden Schmuck? Den gab es alsbald in allen erdenklichen Preislagen und Ausführungen. Die feinen, mundgeblasenen dünnwandigen Glaskugeln aus den Glashütten rund um Lauscha/Thüringen sind bis heute sehr begehrt. Auch die Gablonzer Ware, jene mundgeblasenen Glasperlen, in Heimarbeit zu unterschiedlichsten Motiven gefädelt, bringen nicht nur Kinderaugen zum Leuchten. Hinzukamen liebevoll gestaltete Figuren aus Porzellan, Watte oder Maché, um nur einige zu nennen und aus Glas gefertigte Motive in vielen Variationen.

Sammeln als Familientradition

Elfriede Kreuzberger hat vieles von ihrem umfassenden Wissen ihren Urgroßeltern und Großeltern zu verdanken. Die hatten auf kleinen Papierzetteln Wissenswertes zu den einzelnen Stücken festgehalten. So war etwa die noch heute bestehende Firma Witte an der linken Wienzeile über Jahrzehnte eine der ersten Adressen Wiens um Weihnachtsschmuck zu erwerben.

4-Christbaumschmuck-Gablonz
Variantenreicher Gablonzer Perlenschmuck
(c) Rudolf und Alexander Kreuzberger

Dass der Grundstock der Sammlung die Zeitläufte heil überstanden hat, ist keineswegs selbstverständlich. „Meine Großmutter hatte Ende des Zweiten Weltkrieges, als Wien bombardiert wurde, eine Vorahnung und hat meinen Großvater veranlasst, den Hauptteil der Sammlung aus unserer Wohnung in Sicherheit zu bringen," erinnert sich Elfriede Kreuzberger, damals noch ein Kind. Diese Ahnung sollte nicht trügen, die Wohnung wurde ausgebombt, die Familie musste vorübergehend in den 6. Wiener Gemeindebezirk übersiedeln. Trotz der Rettung eines Großteils der Sammlung wurden die fein gearbeiteten Kartonkutschen, teils von Schwänen gezogene Gefährte, die zur „Dresdener Ware" zählen, zerstört.

Erinnert sich die Sammlerin noch an ihr erstes Stück Weihnachtsschmuck? „Wie wir vis-a-vis der Stiftskirche in Untermiete wohnten, ist eine Bombe in der Nähe des Kaufhauses Herzmansky detoniert. Da hab ich, nach dem ich aus dem Luftschutzkeller kam, meine erste Christbaumkugel in der Bombenruine gefunden. Diese Auslagenkugel hatte etwa 25 cm Durchmesser und war aus orangefarbigem Glas mit weißen Blüten." Um selbst sammeln zu können, wurde fortan das Taschengeld gespart und in das ein oder andere Stück investiert. „Bis Ende der 1980er Jahre haben die Leute ihren alten Weihnachtsschmuck einfach verschenkt, erst dann kam das Sammeln in Mode."

Gibt es ein Lieblingsstück in der Sammlung? „Das kann ich so nicht sagen", so die leidenschaftliche Sammlerin, die zudem über zweihundert historische Puppen besitzt. Da allerdings gibt es ein Lieblingsstück, nämlich die mit kandierten Süßigkeiten füllbare Puppe, der Gemahlin Ludwig XVI. Marie Antoinette nachempfunden, aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Weihnachtliche Kostbarkeiten

Außer in der Ausstellung im oberösterreichischen Steyr befinden sich etwa 3000 ausgesuchte Sammlungstücke in Rothenburg ob der Tauber. Da wie dort ist das Interesse der Besucher groß. In Steyr ist der Großteil der Sammlung in 58 Vitrinen, thematisch geordnet und beschriftet präsentiert. Dazu kommen 14 Bäume, die mit 300 bis 400 Stück Weihnachtsschmuck aufgeputzt sind, wobei Elfriede Kreuzberger größten Wert auf ein stimmiges und harmonisches Gesamtbild legt, um Weihnacht wie anno dazumal zu vermitteln. Jeder dieser Bäume hat seinen eigenen Reiz, ob mit mundgeblasenen Glaskugeln aus Lauscha, oder den handgefertigten Stücken aus Gablonzer Glasperlen prachtvoll verziert. Gelagert werden die Kostbarkeiten aus Glas, Watte und Papier, so sie nicht ausgestellt sind in weichem Seidenpapier und Watte.

Ihr akribisches Wissen hat Elfriede Kreuzberger in ihrem Buch „Weihnachtsschmuck anno dazumal – Christbaumschmuck für Sammler" festgehalten, das bis heute als unverzichtbares Standardwerk gilt und im Museum erhältlich ist. Über Jahrzehnte erwarb sie nicht nur spezielle Stücke, sondern auch wertvolles Wissen.

Woran erkennt man übrigens, ob es sich bei einer Glaskugel um alt oder neu handelt? „Das Glas der alten Kugeln klingt wie Pergamentpapier, das der neuen hingegen dumpf." Den Wunsch ihrer Großmutter, die Familientradition fortzuführen hat Elfriede Kreuzberger erfüllt. Mit großem Engagement begeistert sie seither in zahlreichen Ausstellungen mit ihrem vielfältigen und vielfach auch kostbaren Weihnachtsschmuck die Besucher. Auf diese Weise bleibt dieses kulturgeschichtlich besondere Thema höchst lebendig.

Dr. Thomas Kahler, springermedizin.at

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