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Leben 10. Dezember 2013

Wahlärztinnen und Wahlärzte weiter auf dem Vormarsch

Studie bescheinigt Wahlärzten bessere Lebensbedingungen als Ärzten aus Spital und Kassenbereich.

Die NÖ Ärztekammer hat zwischen Mitte Juni und Ende August eine Umfrage unter allen niederösterreichischen Ärztinnen und Ärzten durchgeführt. "Ziel dieser Erhebung war es, gesicherte Daten darüber zu bekommen, wie die Arbeits- und Lebenssituation der niederösterreichischen Ärzteschaft aussehen", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer.

Aus dieser Umfrage geht hervor, dass sich die Wahlärzteschaft mit großem Abstand als die Ärztegruppe zeigt, die am zufriedensten mit dem eigenen Leben ist. Dass dies mit der beruflichen Situation zu tun hat, ist für Präsident Dr. Reisner ganz klar. "Offenbar wiegt die berufliche Freiheit, Medizin so betreiben zu können wie man es für richtig hält - nämlich abseits von lähmender Bürokratie und Kassenverträgen - mehr als das gegenzurechnende größere wirtschaftliche Risiko ohne Kassenverträge."

Im Durchschnitt werden von den mittlerweile mehr als 1.900 Wahlärztinnen und Wahlärzten in Niederösterreich rund 26 Wochenstunden im Schnitt direkt als medizinische Behandlung am Patienten abgeleistet. "Eine OGM-Umfrage vom vergangenen Jahr bestätigt das indirekt. Rund ein Drittel der befragten Bevölkerung gab an, ab und zu oder häufig Wahlärztinnen bzw. Wahlärzte zur Behandlung aufzusuchen. Wahlärztinnen und Wahlärzte sind mit diesem Behandlungsvolumen längst nicht mehr als tragende Säule aus dem Gesundheitssystem wegzudenken."

Viel Zeit für die Behandlung und geringe Wartezeit

Für die Sozialversicherungen ist die Wahlärzteschaft ein Segen. "Es wird zwar ein Großteil der Honorarnoten zur Rückerstattung bei den Kassen eingereicht", so Präsident Dr. Reisner weiter. "Da die tatsächliche Rückerstattung aber nur maximal 80 Prozent des Kassentarifs beträgt, sind die erstatteten Beträge so gering, dass es sich für manche Patientinnen und Patienten einfach nicht lohnt." Doch was bringt Patientinnen und Patienten dazu, immer mehr Wahlärztinnen und Wahlärzte aufzusuchen? Und dort für Leistungen bezahlen zu müssen, die sie auch im Kassensystem ohne Zuzahlung bekommen würden?

Aus Sicht von Präsident Dr. Reisner gibt es dafür mehrere Gründe. "Einerseits der Faktor Zeit. Wahlärztinnen und Wahlärzte müssen ihre Tarife betriebswirtschaftlich kalkulieren und daher diese Zeit anbieten. Und die Patientinnen und Patienten verstehen das. Im Kassenbereich sind manche Tarife längst nicht mehr kostendeckend." Aber Zeit bezieht sich nicht nur auf Behandlungszeit. "Es dreht sich vor allem auch um Wartezeit auf benötigte Termine, die im Kassenbereich offenbar von immer mehr Menschen als zu lang empfunden wird. "Groteskerweise werden solche Wartezeiten immer häufiger vom System selbst erzeugt, wie die jüngste Diskussion rund um den Vertrag mit den CT/MRT-Instituten beweist."

Wahlärzte sind für viele der Best Point of Service

Für 73 Prozent der Wahlärzte war der Beginn der wahlärztlichen Tätigkeit eine "bewusste Entscheidung". "Der Großteil der Befragten strebt auch keinen Kassenvertrag an", so Präsident Dr. Reisner weiter. Für ihn ist in diesem Zusammenhang ganz klar ersichtlich, dass sich gute Qualität und damit Arbeitszufriedenheit nur dann entwickeln können, wenn es die Arbeitsbedingungen einer Berufsgruppe auch zulassen. Und dabei ist es ganz egal, ob es sich um die Ärzteschaft oder beispielsweise die Lehrerschaft handelt. "Man muss sich mit seinem Beruf so wie man es gelernt hat beschäftigen können. Und darf nicht in Bürokratie oder Zeitmangel oder unsachlichen Vorschriften erstickt werden. Die Menschen haben Anspruch darauf. Und zwar sowohl die Erbringer als auch die Konsumenten einer Dienstleistung."

Für Präsident Dr. Reisner ist ganz klar: "Für ein Drittel der Bevölkerung sind Wahlärztinnen und Wahlärzte bereits heute der "Best Point of Service". Dabei ist das Kassenvertragssystem in Österreich grundsätzlich ein hervorragendes und höchst soziales System. Wenn die Verwalter des Kassensystems aber weiterhin die Arbeitsbedingungen und die Zugangsbedingungen zu den Leistungen verschlechtern, dann wird es irgendwann zusammenbrechen."

Presseaussendung Ärztekammer für Niederösterreich/TF, springermedizin.at

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