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© Galerie Häusler/Florian Holzherr
James Turrell „Tall Glass“; Modellansicht Roden Crater; Häusler Contemporary Lustenau
© Gerald Zugmann/MAK

Innenaufnahme Skyspace Geymüller Schlössl Wien

© Galerie Häusler

James Turrell „Tall Glass“; Coconino; Häusler Contemporary Lustenau

© Margherita Spiluttini/MAK

James Turrell. MAKlite; Permanente Außeninstallation MAK-Fassade

 
Leben 18. Dezember 2013

Der Meister des Lichts

James Turrell nützt Natur- und Kunstlicht in seinen künstlerischen Arbeiten, um deren besondere Qualität zu vermitteln. In diesem Jahr feiert er seinen 70. Geburtstag.

Seit Mitte der 1960er-Jahre setzt sich James Turrell intensiv mit der Materialität des Lichts auseinander. Das Los Angeles County Museum of Art, das Museum of Fine Arts Houston und das Solomon R. Guggenheim Museum, New York, haben ihm anlässlich des 70. Geburtstags eine umfassende Retrospektive gewidmet. Maßgebende Arbeiten Turrells sind bis Februar 2014 auch in der Galerie Häusler in München und Häusler Contemporary in Lustenau, Vorarlberg, zu sehen.

Seit Jahrhunderten sind namhafte Künstler der Qualität des Lichts und seiner besonderen Stofflichkeit auf der Spur. Von Jan Vermeer über William Turner bis hin zu den Impressionisten spannt sich der Bogen. Der Amerikaner James Turrell ging von Anfang an nicht den gleichen Weg. Die Qualität und Intensität von Kunst- und Naturlicht wird nicht durch Malerei, sondern in seinen Rauminstallationen erfahrbar. Auf die Frage, warum er Licht als künstlerisches Medium verwendet, hat sich James Turrell in einem im Juni 2013 mit Michael Govan, dem früheren Direktor der „Dia Art Foundation“, geführtem Podiums-Gespräch folgendermaßen geäußert: „Das mag vielleicht eine sehr amerikanische Herangehensweise sein, ich dachte mir einfach, dass ich Licht verwenden sollte.“ Für James Turrell war dies der Beginn einer seither andauernden künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Phänomen Licht und dessen qualitativen Besonderheiten.

Licht als Körper

„Afrum Pale Blue“, eine frühe Arbeit aus dem Jahr 1968 belegt dies eindrucksvoll. Normalerweise wird Kunstlicht dazu eingesetzt, um einen Gegenstand hervorzuheben. Verzichtet man jedoch auf alle objekthaften, figuralen Bestandteile, bleibt reines Licht. Die Materialität des Lichtes, um die es James Turrell geht, kann als Lichtkörper definiert, zudem durch die Lichtfarbe verändert werden. Auf diese Weise ist in den Installationen das flüchtige Medium Licht in seiner Materialität zumindest für den Moment festgehalten. Der Lichtwürfel der bereits erwähnten Lichtinstallation erscheint objekthaft. Es könnte sich aber ebenso gut um einen lichtdurchfluteten Einschnitt in der Wand handeln. Dann wäre die Gegenständlichkeit dieses Lichtquaders eine Täuschung. Turrell nützt die feine Stofflichkeit des Mediums und setzt sie sehr sorgfältig ein, um solche Effekte zu erzielen. Im Gegensatz zu den Licht-Installationen von Dan Flavin erzeugt Turrell Lichträume, deren Begrenzungen zu verschwinden scheinen. „Ich schaffe Räume, die Licht für unsere Wahrnehmung erfassen, und es in gewisser Weise sammeln, oder es scheinbar halten (...) meine Arbeit hat mehr mit dem Sehen der Anderen als mit meinem eigenen Sehen zu tun, obwohl es ein Produkt meines Sehens ist,“ so James Turrell.

Ein Stück vom Himmel

Mit den Skyspaces ging James Turrell einen Schritt weiter, um Naturlicht und architektonischen Raum miteinander zu vereinen. Die stetige in den Skyspaces stattfindende Veränderung des Himmels führt zu immer wieder neuen, kontemplativen Raum- und Lichterfahrungen. Die Begrenztheit des Ausschnitts bringt den Himmel näher, lässt ihn gleichsam zu einem Abschluss, der nach oben hin offenen Räume werden. Ein Aufenthalt in diesen Räumen wie etwa den Skyspaces in Wien, nächst dem Geymüller Schlössl, einer Expositur des MAK und in Salzburg, nahe dem Museum der Moderne am Mönchsberg, ist zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten atmosphärisch sehr unterschiedlich. Die ungeheure Ausdehnung des Firmamentes wird dadurch kontemplativ erfassbar. „Ich möchte den Himmel in seiner ganzen Besonderheit auf direkte Art und Weise erfahrbar in Verbindung mit dem Raum bringen“, so James Turrell.

Eine seiner umfassendsten Arbeiten, das Roden Crater Project, dessen Ursprung auf die 1970er-Jahre zurückgeht, ist als Modell in der Ausstellung bei Häusler Contemporary in Lustenau, Vorarlberg, zu sehen. Damals überflog der passionierte Pilot Arizona, um unter den zahlreichen Vulkankegeln, einen für dieses Projekt geeigneten zu finden. Vor nunmehr fast 40 Jahren wurde dieses monumentale Werk mit finanzieller Unterstützung zahlreicher Sponsoren, darunter der Dia Art Foundation begonnen. Zunächst nimmt dieses Projekt in Modellen und Zeichnungen Form an. Nach und nach werden die ersten von 20 geplanten Räumen des monumentalen Himmelsobservatorium, manche davon mit mehreren Öffnungen sowie Gänge in den Hängen dieses Kraters angelegt. Obwohl Ausschnitte des Himmelsraums und die Führung des natürlichen Lichts bei Tag wie bei Nacht durch architektonische Eingriffe erfolgt, fügen sich diese in die natürlichen Gegebenheiten ein. Der Ort bietet dafür nahezu ideale Voraussetzungen: Durch die Trockenheit in diesem Wüstengebiet ist das Licht sehr klar. Zudem hat der Krater nach umfangreichen Erdbewegungen nun ringsum eine gleichmäßige Oberkante. Der von der Kraterkante definierte Himmelsausschnitt ergibt einen Skyspace mit enormer Ausdehnung und besonderer Wirkung. Noch ist dieses monumentale, im Entstehen begriffene Werk für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. In den jedoch bereits existierenden von James Turrell geschaffenen Räumen, in denen Licht die Hauptrolle spielt, gibt es keine Anleitung oder Richtlinien, außer jene, sich auf diese besondere Erfahrung einzulassen.

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