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© (3) Andreas Urban/HWA International
Fredy Rivera (re.), Programmchef von Hilfswerk Austria International, hat einen guten Draht zur Bevölkerung.

Sauberes Wasser für die Kinder.

 

Frauen und Kinder müssen von weit her Brennholz zu ihren Hütten schleppen.

 
Leben 11. Dezember 2013

Partnerschaftlicher Ansatz

Hilfswerk Austria International bildet mobile Pflegemütter für Aidswaisen aus. Durch den Ausbau von Geburtshäusern ist auch die Müttersterblichkeit drastisch gesunken.

Die Sonne brennt wie Feuer auf die Strohdächer in den abgelegenen Dörfern Mosambiks. Hunger und Durst hier, im südlichen Afrika, zu stillen, ist schon Herausforderung genug. Doch die Kinder in dieser armen Gegend brauchen mehr: Sie sehnen sich nach Menschen, die ihnen dabei helfen, den Schmerz über den Tod ihrer Eltern zu ertragen. Hilfswerk Austria International bildet mobile Pflegemütter für Aidswaisen aus. Durch den Ausbau von Geburtshäusern ist die Müttersterblichkeit drastisch gesunken.

Das HIV-Virus rafft in Mosambik eine ganze Elterngeneration dahin. Zurück bleiben Mädchen und Buben, die meist völlig auf sich alleine gestellt auch noch ihre jüngeren Geschwister durchbringen müssen. Wer diesen Überlebenskampf gewinnt, ist noch lange nicht auf der sicheren Seite: Durchfallerkrankungen, Malaria sowie ein hohes Infektionsrisiko aufgrund miserabler hygienischer Bedingungen bergen hohe Risiken.

Wie sehr Spenden aus Österreich das Leben von hunderten Kindern und Familien konkret verändern können, zeigt das Beispiel der mittlerweile 13-jährigen Maria: Das Mädchen hat hilflos mit angesehen, wie ihre Mutter und ihr Vater langsam und qualvoll an Aids starben. Sie hatte keine andere Wahl, als ihr junges Leben selbst zu organisieren und das ihrer Brüder noch dazu. Zu viert lebten die Geschwister in einer notdürftigen Unterkunft. Maria, mager bis auf die Knochen, hat gearbeitet, gebettelt – bis sich das Blatt doch noch zum Guten gewendet hat.

Ottilia, eine Mitarbeiterin von Hilfswerk Austria International in Mosambik, hat sie von der Straße aufgelesen. In ihr haben die Kinder eine verlässliche und liebevolle Pflegemutter gefunden, die sie langsam aufgepäppelt hat. Sie gab den Kindern zu essen, vor allem aber Zuwendung und Geborgenheit. Heute, drei Jahre später, besuchen die Kinder regelmäßig die Schule, sie werden medizinisch versorgt. Die Freude ist in ihre Gesichter und Herzen zurückgekommen.

Perspektiven für die Zukunft

Das schwere Schicksal von Maria und ihren Geschwistern war für das Hilfswerk Austria International der Anlass, ein umfangreicheres Projekt zu starten, das vielen anderen Aidswaisen eine Perspektive für die Zukunft gibt. Mehr als 200 Waisenkinder werden von mobilen Pflegemüttern betreut. Die speziell geschulten Frauen aus der Umgebung kommen mit Fahrrädern zu den bescheidenen Behausungen der Kinder, bringen auch Moskitonetze, Hygieneartikel und Lebensmittel.

Die österreichische Hilfsorganisation ist seit dem Jahr 2000 in Mosambik verstärkt im Einsatz: Was im Zuge der Überschwemmungen mit der Verteilung von Moskitonetzen begann, entwickelte sich bald zu einem weitreichenden Basisgesundheitsprogramm, das seit 2005 in der Region Sofala als „ComuSanas“ bekannt ist.

ComuSanas (comunidades sanas) kann ins Deutsche als „Gesunde Gemeinden“ übersetzt werden. Anfangs ging es vor allem darum, die medizinische Versorgung der Gesundheitsposten in den abgelegenen Ortschaften zu garantieren und das medizinische Personal auszubilden. Um nachhaltig die Gesundheitssituation in den Dörfern der Provinz zu verbessern, musste man bei der traditionellen Medizin ansetzen. Denn traditionelle Heiler und Hebammen sind die unmittelbaren Ansprechpartner für die Familien, wenn es um Gesundheit geht.

Werdende Mütter wenden sich lieber an vertraute Personen. Das Misstrauen gegenüber dem modernen Gesundheitssystem wird durch Bräuche, Traditionen und Überzeugungen geschürt. So heißt es zum Beispiel in manchen Regionen, dass das erstgeborene Kind daheim zur Welt kommen muss, da es sonst sterben würde. Ein verheerender Brauch: Denn die hygienischen Bedingungen in den Hütten sind derart schlecht, dass pro 100.000 Geburten 1.000 Mütter sterben. Von 1.000 Geburten enden 64 für das Neugeborene tödlich.

Durch den mehr als zehn Jahre dauernden intensiven partnerschaftlichen Ansatz, den Hilfswerk Austria International verfolgt, konnte die Müttersterblichkeit in der Region nachweislich um 80 Prozent reduziert werden.

Bewusstsein schaffen

Programmchef Fredy Rivera: „Wir haben darauf hingewirkt, dass Schwangere nicht bis zur letzten Minute vor der Geburt arbeiten, ausreichend essen. Wir achten besonders auf Schwangere, die krank werden, und begleiten die werdenden Mütter durch eine lokale Hebamme auf dem stundenlangen Fußmarsch in ein Mütterhaus. Schwangerschaft und Hygiene müssen ein Dauerthema in den Gemeinden sein. Und das ist uns gelungen.“

Ein Schritt dahin sind besonders geschulte Frauen und Männer, die die Lage in ihren Dörfern beobachten und den Kontakt zu den Gesundheitsposten halten. Sie achten beispielsweise darauf, dass nur abgekochtes Wasser getrunken wird, um Durchfälle zu vermeiden und dass die Latrinen verwendet und sauber gehalten werden.

Eine bessere Ausstattung von Gesundheitszentren und Mütterhäusern ist ebenso wichtig. HWA International baut neue Brunnen. Bisher mussten die Hochschwangeren von weit her schwere Wassereimer schleppen. Dort, wo das Grundwasser besonders tief liegt, sind solarbetriebene Pumpen vorgesehen. In den Frauen-Unterkünften wird es Solar-Öfen geben, auf denen sie gemeinsam kochen können. Während sie die Geburt des Kindes erwarten, sollen sich die Frauen stattdessen ausruhen, untereinander austauschen und etwas über Kinderpflege und Ernährung lernen.

Kern des Erfolgs dieses Projektes bleibt die hohe Akzeptanz der Hilfsmaßnahmen. Die wiederum setzt Achtung von Traditionen voraus. Fredy Rivera: „Du kannst viel in Gesundheitszentren stecken und du kannst Bewusstseinsbildung innerhalb der Dorfgemeinschaften versuchen. Doch messbare und menschlich spürbare Erfolge gibt es nur, wenn beides zusammenspielt.“

Spendenmöglichkeit: Spendenkonto IBAN: AT 452 011 130 000 000 080 BIC: GIBAATWW; Kennwort: „Mosambik“

Spenden an Hilfswerk Austria International sind steuerlich absetzbar.

R. Klär, Zahnarzt 12/2013

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