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© Maysam Ghovanloo
Mit Zungenpiercings zu mehr Mobilität für Rollstuhlfahrer.
 
Leben 4. Dezember 2013

Zungenpiercings lenken Rollstühle

Neues Verfahren soll Patienten mit Querschnittlähmung größere Mobilität ermöglichen.

Forscher des Georgia Institute of Technology (http://gatech.edu) haben Körperpiercings eingesetzt, um Rollstühle und Computer zu kontrollieren. Die Experten gehen davon aus, dass dies Menschen mit Lähmung die Welt neu erfahren lässt. Die Bewegung eines winzigen Magneten in einem Zungenpiercing wird von Sensoren erkannt und in Befehle umgewandelt, die eine Reihe von Geräten kontrollieren.

Die Wissenschaftler wagten den unwahrscheinlichen Sprung von Körperkunst zu Rollstühlen, da die Zunge so extrem beweglich ist. Ein großer Teil des Gehirns kontrolliert die Zunge, da sie für das Sprechen von entscheidender Bedeutung ist. Sie ist auch durch Verletzungen des Rückenmarks nicht beeinflusst, da sie über eine eigene Verbindung zum Gehirn verfügt.

Das linsengroße Piercing in der Zunge produziert ein magnetisches Feld, das sich verändert, wenn sich das Sprechorgan bewegt. Sensoren an den Wangen können dann die genaue Position des Piercings erkennen. An der Studie nahmen 23 gesunde Personen und elf Patienten mit Tetraplegie teil. Die Wissenschaftler programmierten sechs Positionen im Mund, um damit einen Rollstuhl oder einen Computer zu kontrollieren. Durchschnittlich gelang es den Tetraplegie-Patienten drei Mal so schnell und mit der gleichen Genauigkeit, Aufgaben auszuführen als mit anderen verfügbaren Technologien. Die Experten gehen davon aus, dass sie für jeden Zahn im Mund einen eigenen Befehl programmieren können. Durch die Kombination von Zungenpositionen könnte so eine uneingeschränkte Anzahl von Kommandos möglich werden. Sie könnten dafür eingesetzt werden, eine Telefonnummer zu wählen, den Sender am Fernseher zu ändern oder sogar für das Tippen.

Weitere Entwicklungen geplant

Das Feedback der Patienten ist durchwegs positiv. Einige ältere Menschen nahmen nicht an der Studie teil, da sie eine Abneigung gegen Piercings hatten. Derzeit ist das neue Verfahren noch auf die Labors von Universitäten beschränkt. Das Team versucht derzeit, die Sensoren in einer Zahnspange unterzubringen, damit sie beim Einsatz im Alltag stabiler sind. In einem nächsten Schritt soll es zur Zulassung durch die Behörden und einen Vertrieb kommen. Details sind in der Fachpublikation Science Translational Medicine (http://stm.sciencemag.org) veröffentlicht.

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