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Detailansicht des Polyphons mit Radfahrer-Marsch, Ende 19. Jh.

Detailansicht des Orchestrions,Fa. Franz Janisch Wien, um 1880

© (5) Phonomuseum Wien, Thomas Kahler

Blick in den Phonographen-Ausstellungsraum.

Edison „Class M“ Phonograph, 1888 – Eines der ersten, in Serie hergestellten Geräte.

Apparat zum Abdrehen der Wachswalzen für neue Aufnahmen.

 
Leben 4. Dezember 2013

Hat man Töne?

Thomas Alva Edison gelang es 1877 erstmals mit seinem Zinnfolien-Phonograph die menschliche Stimme zu reproduzieren. Seine frühen Sprechmaschinen gehören zu den Hauptattraktionen des Wiener Phonomuseums.

Musikautomaten, Phonographen, Tonbandgeräte und Radioapparate aus dem Sammlungsbestand des Museums dokumentieren – auch hörbar – die historische Entwicklung der Wiedergabe von Musik und Stimme bis in die Gegenwart.

Der Ton macht die Musik. Ein Besuch des Phonomuseums der Stadt Wien in der Mollardgasse, 6. Bezirk, führt in die faszinierende Welt mechanischer und elektrischer Musikapparate. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnte man im kleinen Kreis den Musikstücken lauschen, die von Walzenspieldosen wiedergegeben wurden. Polyphone und Orchestrions sowie Dampforgeln, die oftmals auf Jahrmärkten zu hören waren, spielten für ein größeres Publikum populäre Melodien wie Walzer oder Märsche.

Eine weitere bemerkenswerte Entwicklung an der Wende zum 20. Jahrhundert war das automatische, pneumatisch oder elektrisch betriebene Klavier. Die Lochstreifen, auf welche die Melodien übertragen wurden, hielten sogar den Tastenanschlag des Pianisten fest. Viele dieser Vorläufer der modernen Musikbox wurden durch Münzeinwurf in Betrieb gesetzt. Einige solcher Exemplare befinden sich – teils auch abspielbar – im Wiener Phonomuseum. Dazu gehört das Orchestrion, das sich als betriebsbereites Schaustück im Museum befindet und etwa um 1880 von der Firma Franz Janisch in der Neubaugasse im 7. Wiener Bezirk hergestellt wurde. Seine reichhaltige Ausstattung umfasst auch Perkussionsinstrumente. Nach dem Einwurf einer Münze erklingt das auf der großvolumigen Walze der Partitur entsprechend mit Stahlstiften gesetzte Musikstück. Das alles läuft rein mechanisch ab, der Kasten des Gerätes ist zugleich sein Resonanzkörper.

Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel früher Musikapparate, die zur öffentlichen Unterhaltung dienten, ist das als Leihgabe im Museum befindliche Polyphon. Nach dem Münzeinwurf wird hier eine Lochscheibe von einem Tonabnehmer samt Membran abgetastet, um das Stück akustisch wieder zu geben. Der „Radfahrermarsch“, der daraufhin erklingt, erinnert daran, welche Popularität das Radfahren an der Wende zum 20. Jahrhundert genoss, zu einer Zeit, als auch dieser Musikautomat gebaut wurde. Ursprünglich befand er sich im Wiener Prater.

Triumph des Phonographen

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts fand als Teil der zunehmenden Industrialisierung eine umfassende und erstaunliche technische Entwicklung statt. Auf dem Gebiet der Telegraphie sorgte etwa Thomas Alva Edison für bahnbrechende Erfindungen. Die Aufnahme der menschlichen Stimme mittels des von ihm entwickelten und patentierten Phonographen begründete einen kommerziellen Erfolg der fast 40 Jahre anhielt. Edisons Sprechmaschinen waren zwar kostspielig, aber dennoch nicht nur in den USA, sondern auch in Europa äußerst populär. Auf einer der Phonographen-Wachswalzen wurde sogar die Stimme Enrico Carusos für die Nachwelt festgehalten.

Die eindrucksvolle Phonographen-Sammlung des Museums geht auf den Sammler Dr. Bruno Fritscher zurück. Zusammen mit den Sammlungsbeständen des derzeitigen Museumsleiters Dr. Kurt Krapfenbauer entstand so eine der größten Sammlungen an Phonographen und Grammophone in Europa, in der lückenlos die Entwicklung der Sprechmaschinen von 1877 bis 1938 dokumentiert ist. Die akustische Wiedergabe erfolgt bei diesen Geräten über die Nadel zum Abtasten der Walze, die Schalldose und schließlich einen Holz- oder Messingtrichter, um dem Klang mehr Volumen zu verleihen. Der große Erfolg des Phonographen konnte die weitere technische Entwicklung jedoch nicht aufhalten. Durch die Dimensionierung der Walzen, die mittels eines Federwerks angetrieben wurden, blieb die Spieldauer auf zwei bis vier Minuten begrenzt.

Vom Grammophon zum Radio

Aufziehbare Grammophone mit Schellackplatten als Tonträger verlängerten die Spieldauer erheblich. Es gab Standgeräte für den privaten Gebrauch, solche mit Münzeinwurf und integriertem Schalltrichter und mobile Koffergrammophone. Die Schellackplatten mussten sehr sorgfältig behandelt werden, um nicht zu zerbrechen. Die Lautstärke wurde – ähnlich wie bei den Phonographen – über die Nadel geregelt. Zu den bekanntesten Grammophon- und Schallplattenherstellern zählte die von Emil Berliner gegründete Gramophone Company, die mit dem lauschenden Hund als Markenzeichen unter der Bezeichnung „His Masters Voice“ weltbekannt wurde. Auch das französische Unternehmen Pathé stellte Grammophone und Schellackplatten her. Aus diesem Hause stammt jenes Gerät in der Ausstellung mit gläsernem Schalltrichter, das im praktischen Gebrauch jedoch nicht überzeugen konnte.

Ein weiterer Bereich der Sammlung ist den Radioapparaten gewidmet. Die Bandbreite reicht hier von den Detektorradios der 1920er- und 1930er-Jahre über den Volksempfänger zu den markanten Radiogeräten der 1950er-Jahre mit der beleuchteten Sendersuch-Skala und dem berühmten „Magischen Auge“. Auch frühe Tonband-Geräte und Fernseher sind Teil der Ausstellung. Und da die Faszination der Wiedergabe von Musik und Stimme auch im Zeitalter von „You Tube“ und „iTunes“ nicht an Reiz verloren hat, ist ein Streifzug durch das Wiener Phonomuseum bei freiem Eintritt jeden Mittwoch außer an Feiertagen oder Schulferien von 16.00–19.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung unter (01) 581 11 59 äußerst empfehlenswert.

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