zur Navigation zum Inhalt

Überseekoffer Nigst,Hutkoffer Moritz Mädler, Handgepäck und Kutschentasche.

 

Plakatentwurf des Künstlers und Grafikers Razzia für Louis Vuitton.

 

© Louis Vuitton, Thomas Kahler (5)

Detail Koffer, Anfang 20. Jahrhundert.

 

Louis-Vuitton-Schrankkoffer bei einem Zwischenhalt einer Zugreise in Jodhpur, Indien.

 
Leben 25. November 2013

Bon Voyage!

Im Film „Hallo, Dienstmann“ hat Hans Moser erheblich mit der Tücke des Objektes, einem voluminösen Überseekoffer, zu kämpfen. Für Liebhaber von Reiseantiquitäten hingegen stellt sich schon beim Anblick solch edler Reiseutensilien Fernweh ein.

Edle Reiserequisiten rufen die Erinnerung an eine andere Art des Reisens wach. Fahrten im offenen Tourer, mehrtägige Transatlantik-Passagen auf einem Ocean-Liner und Reisen in eleganten Zügen wie dem „Orient-Express“ erforderten geeignetes Gepäck.

Fast sind sie verschwunden, jene voluminösen Lederkoffer und stabilen Überseekoffer, die aus einer Zeit stammen, als Reisen ganz anders war als heutzutage. Solche Gepäckstücke selber zu tragen, kam für Reisende selten infrage. Was wieder zurück zu Hans Moser und seiner Paraderolle führt. Meist reichte ein Koffer nicht aus, um für die Sommerfrische oder eine Fernreise alles Nötige beisammen zu haben. Stabile Überseekoffer oder Kutschentruhen, ob blechbeschlagen, außen mit Leinwand oder Leder bespannt, mussten nicht nur selbst die Reisen unbeschadet überstehen, vor allem ihr Inhalt sollte unversehrt ans Reiseziel gelangen.

Der Reisekoffer als Handgepäck ist erst seit etwa 100 Jahren in Gebrauch. Schutzüberzüge aus Leinen bewahrten die Lederkoffer vor Beschädigung. Kutschentaschen und -truhen gab es bis zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Das Eisenbahn-Zeitalter ermöglichte Gepäckstücke mit größerem Fassungsvermögen mitzunehmen. Den Transport und das Verstauen der großen Koffer überließ man ohnehin den eilfertigen Dienstmännern.

Im Zeitalter des Automobils kamen Autokoffer, passend für das jeweilige Modell gefertigt, in Mode. Der oberste Koffer des meist mehrteiligen Sets ist an den Kanten oft abgeschrägt, um in den Kofferraum zu passen. Kleinere Gepäckstücke fanden bei Überland-Fahrten in offenen Tourern, festgezurrt auf den seitlichen Trittbrettern oder großen Gepäckträgern ihren Platz. Die Automobile sind zwar längst Geschichte, ab und zu findet man aber noch solche Koffer.

Reiseantiquitäten in gutem bis exquisitem Zustand zu finden ist nicht ganz einfach, denn die noch erhaltenen Bestände schwinden zusehend. Das liegt daran, dass Koffer, Hut- oder Kragenschachteln, Reise-Necessaires sowie „Quetschbügel-“ oder Kutschentaschen auf Reisen oft sehr beansprucht wurden. Trotz handwerklich hervorragender Verarbeitung ging die Zeit an diesen Reiseutensilien nicht spurlos vorüber. Der Erhaltungszustand ist oftmals kein sehr guter, da das Leder häufig trocken und damit spröde wurde und die Schutzüberzüge aus Leinwand verblichen.

Gediegen Reisen

Historisches Reisegepäck trägt oftmals klangvolle Namen. Wer repräsentieren wollte, wählte Gepäckstücke von Louis Vuitton, damals wie heute nobel und teuer. Die Koffer mit den begehrten Initialen sind äußerst kostspielig und von Sammlern sehr gesucht. Die französischen Luxusunternehmen Goyard und Hermès sind ebenfalls Inbegriff feinster Reiseutensilien. In Deutschland war die „Königlich Sächsischen concessionirte Koffer- und Taschen-Fabrik Moritz Mädler“ die erste Adresse für Reisekoffer in exquisiter Ausführung. In Österreich waren während der Monarchie die qualitativ hochwertigen Koffer und Reiseaccessoires aus den Manufakturen M. Würzl & Söhne (Budapest, Karlsbad, Wien) und Nigst erste Wahl. Beide sind in der Qualität etwa mit Louis Vuitton vergleichbar, eine Aufarbeitung der Firmengeschichte dieser bedeutenden Hersteller steht bislang noch aus. Das Ende der Monarchie bedeutete das Ende für M. Würzl & Söhne. Das Geschäft der Firma Nigst existierte noch bis vor einigen Jahren im 1. Bezirk in Wien am Hohen Markt, bevor diese renommierte Manufaktur für immer ihre Pforten schloss.

Da Leder von jeher teuer war, ging man in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vermehrt dazu über Koffer herzustellen, die auf den ersten Blick wie Lederkoffer wirkten, tatsächlich aber aus anderen Materialien hergestellt wurden. Dem Einfallsreichtum war dabei kaum Grenzen gesetzt. Die günstigere Herstellung war dafür nicht allein maßgebend, denn das Aufkommen transkontinentaler Flugreisen erforderte für Reisegepäck neue Materialien mit deutlich weniger Gewicht bei höherer Stabilität.

Restaurierung und Pflege

Aufgrund ihres Alters und des doch erheblichen Gebrauchs ist der Zustand vieler Stücke nicht der beste. Wer Stücke findet, die sich im raren, ungebrauchten Originalzustand befinden, kann sich also glücklich schätzen. Das kommt selten, aber doch vor. Nicht alles, was wie Kroko-Leder wirkt, ist ein solches. Als Ersatz für das teure Kroko-Leder wurden besondere Prägeverfahren verwendet, um Schweins- oder Rindsleder in Kroko-Imitat zu verwandeln.

Meist haben die Reisen auf Koffern und Taschen sichtbar Spuren hinterlassen: das Leder ist fleckig, die Kanten sind abgestoßen, die Tragegriffe gebrochen oder eingerissen. Solche Schäden sind nur mit großem Aufwand reparierbar. Griffe können zwar ersetzt werden, ein entsprechendes Leder zu finden ist oft problematisch. Risse oder Brüche können zwar repariert werden, aber nur an Stellen, die mechanisch nicht belastet werden. Aufgegangene Nähte kann man vom Sattler nachnähen lassen. In vielen Fällen ist das Leder, da über Jahrzehnte nicht gepflegt, trocken und rissig geworden. Hier hilft Sattelseife mit Lanolin aus dem Reitsportbedarf als erste Maßnahme zur Reinigung und Regeneration. Ebenfalls aus dem Reitsportbedarf kommen Pflegemittel wie Lederfett oder -öl, die nach dem Reinigen das Leder wieder geschmeidig und widerstandsfähig machen. Öl- oder Wasserflecken lassen sich damit zwar kaum entfernen, aber zumindest kaschieren. Ist eine schöne lederne Reisetasche oder ein Koffer wieder in einen repräsentativen Zustand versetzt, kann man sich damit wieder stilvoll auf Reisen begeben.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben