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Leben 25. November 2013

Goldenes Ehrenzeichen für Zivilcourage

Noch vor einigen Jahren wurden sie als „Aufrührer“ und „Nestbeschmutzer“ bezeichnet. Nun hat der Vorstand der Ärztekammer für Wien beschlossen, an die Kollegen Ernst Berger, Gerhard Hochwarter, Hermann Pleiger, Ferdinand Sator, Franz Sellner und Werner Vogt Goldene Ehrenzeichen zu verleihen. Allen sechs Personen ist gemeinsam, dass sie in der Vergangenheit mitgeholfen haben, Missstände im Gesundheitssystem beziehungsweise Verfehlungen einzelner Ärzte aufzudecken.

Am prominentesten ist der Fall Heinrich Gross. Gross war während der Zeit der Nationalsozialismus als Stationsarzt an der Wiener „Euthanasie“-Klinik „Am Spiegelgrund“ beschäftigt. 1981 sah das Oberlandesgericht Wien in einem von Gross angestrengten Verleumdungsprozess seine persönliche Beteiligung an der Kinder-“Euthanasie“ als gegeben an. Trotzdem genoss er – auch in Ärztekreisen – zeitlebens hohes Ansehen. Mit der entsprechenden Distanz zu Gross tat sich die Ärztekammer stets sehr schwer.

Weitere Fälle betreffen das Aufdecken von Verabreichungen von radioaktivem Material mittels Magensonde an Säuglinge einer Wiener Kinderklinik ohne Einwilligung der Eltern sowie der Fall eines Wiener Primararztes, dessen Verhalten dazu geführt hat, dass in kürzester Zeit viele Mitarbeiter seiner Abteilung kündigten. Darüber hinaus wurde er auch strafrechtlich verurteilt, weil Patienten mit dem Hinweis, „entweder zu zahlen oder ansonsten von unqualifizierten Ärztinnen und Ärzten operiert zu werden“, erpresst wurden.

Begründet wird die späte Ehrung von Berger, Hochwarter, Pleiger, Sator, Sellner und Vogt damit, dass sie schon sehr früh auf Missstände hingewiesen und – um die Vorwürfe gegen die Kollegen publik zu machen – dafür auch ihre persönliche Existenz aufs Spiel gesetzt haben. „Alle sechs Kollegen haben überdurchschnittliche Zivilcourage bewiesen, um Verbesserungen im Gesundheitssystem beziehungsweise in der ärztlichen Betreuung herbeizuführen.“ Mit der Verleihung der Goldenen Ehrenzeichen habe die Ärztekammer nun ein öffentliches Zeichen gesetzt, um geschehenes Unrecht zu korrigieren, so Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres.

ÄK/hpp/KK, Ärzte Woche 48/2013

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