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Schützenscheibe in Form einer Gämse, Österreich 19. Jh.

Windbüchse, Graz Anfang 19. Jh.

Yatagan, Bosnien 19. Jh.

Gürteltasche, Bosnien 19. Jh.

© (5) Volkskundemuseum Wien, Foto: C. Knott

Raufwerkzeug, Steiermark 19. Jh.

 
Leben 22. November 2013

Hieb, Stich und Schuss

Die gegenwärtige Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde Gartenpalais Schönborn in Wien präsentiert eine Waffensammlung, die einen Streifzug durch die unterschiedlichen Epochen macht.

Das Volkskundemuseum zeigt erstmals eine repräsentative Auswahl seiner historischen Waffen unterschiedlicher Herkunft, die im Mittelpunkt der Ausstellungsreihe „Objekte im Fokus“ stehen. Dieser Themenkomplex wurde nun anlässlich der Präsentation auch wissenschaftlich bearbeitet.

Das Recht Waffen bei sich zu tragen, war über Jahrhunderte äußerst eingeschränkt. Sie dienten in erster Linie zu Kriegszwecken oder zur Jagd. Der Besitz von Schuss- oder Blankwaffen blieb über lange Zeiträume hinweg dem Adel sowie dem Militär vorbehalten. Seit dem Mittelalter gab es zwar Bürgermilizen, das nach der Revolution von 1848 geforderte Recht auf Volksbewaffnung konnte jedoch nicht durchgesetzt werden.

Bis in das erste Drittel des 20. Jahrhunderts war es dennoch auch in Österreich relativ leicht möglich, Handfeuer- und Blankwaffen zu erwerben. Der private Waffenbesitz war über einen längeren Zeitraum gesetzlich sehr unterschiedlich geregelt, die Verschärfung des Waffengesetzes in Österreich führt bis heute zu hitzigen Diskussionen. Eines hat sich bislang nicht geändert: Waffen waren und blieben kostspielig, ihr privater Besitz oder Gebrauch ist heutzutage nur in Ausnahmefällen schlüssig zu argumentieren.

Im 19. Jahrhundert war der Stockdegen ein probates Mittel, um sich gegebenenfalls zu verteidigen, vorausgesetzt, man wusste damit umzugehen. Auch das im 19. Jahrhundert weitverbreitete Terzerol, eine ein- oder zweiläufige Pistole, vermittelte ein Gefühl der Sicherheit. Während der Wende zum 20. Jahrhundert wurden Fahrrad-Revolver äußerst populär, um bei Überlandfahrten Hunde auf sicherer Distanz zu halten. Der kriminelle Gebrauch von Schuss- oder Stichwaffen war in Österreich eher selten, wie sich dem „Wiener Pitaval“, einer Chronik von Kriminalfällen aus dem 19. Jahrhundert, entnehmen lässt. Die meisten Gewaltverbrechen wurden mit einer Axt verübt, die sich in jeder Küche befand – eigentlich, um Feuerholz zu machen.

Die Waffe als Jagdutensil

Ob Jagdspieß, Hirschfänger oder Fernwaffen wie Armbrust oder Gewehr – sie alle mussten handwerklich gekonnt gefertigt werden. Die Jagdwaffen des Jagdherren und seiner Untergebenen lassen sich leicht an der Art der Ausführung unterscheiden. Ein Standhauer zum Lichten des Schussfeldes wirkt bei Weitem nicht so elegant wie der Hirschfänger des Jagdherrn, oft mit einem Griff aus Elfenbein und einer mit jagdlichen Motiven verzierten Klinge. Blankwaffen und Jagdgewehre waren, wie in der Ausstellung deutlich wird, einerseits für den Gebrauch bestimmt, andererseits dienten sie als Statussymbole. Ein Büchsenmacher konnte sein umfassendes Können nicht nur an dem für die Schussgenauigkeit notwendigen gezogenen Lauf und einem zuverlässig funktionierenden Steinschloss- oder Perkussionsmechanismus unter Beweis stellen. Künstlerisch gestaltete Gravuren auf den blanken Metallflächen sorgten auch optisch für einen außergewöhnlichen Eindruck.

Im Inventar des Museums befindet sich ein besonderes Exemplar einer Büchse, die einerseits zu Jagdzwecken, aber auch im sportlichen Wettbewerb verwendet werden konnte. In dieser Windbüchse wurde komprimierte Luft als Antriebskraft für das Geschoss verwendet, der Luftdruck ließ sich nach Bedarf regeln. Dieser Vorläufer des heutigen Luftgewehrs aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt aus der Steiermark. Die Lautlosigkeit solcher Waffen führte immer wieder zu Verboten, ihre Verwendung bei der Jagd galt als unehrenhaft.

In der Ausstellung befinden sich aber auch andere Arten von Jagdwaffen. Leichte, zerlegbare Büchsen mit gekürztem Lauf dienten manchem Wilderer als zuverlässige Begleiter. Sie konnten ohne Aufsehen zu erregen transportiert werden und ließen sich notfalls rasch verbergen. Nicht immer war übrigens Hunger der alleinige Grund, um zu wildern. Wilderer standen ihrem eigenen Verständnis nach, in deutlicher Opposition zu den Jägern und damit zur herrschenden Obrigkeit. Die daraus resultierenden Differenzen haben auf beiden Seiten zahlreiche Opfer gefordert.

Handwerkliche Fertigkeit

Um taugliche und verlässliche Handfeuer- oder Blankwaffen herzustellen, bedurfte es von jeher einer hohen handwerklichen Fertigkeit und Erfahrung. Die Klinge eines Schwertes oder Degens musste sich schließlich gut führen lassen und durfte im Ernstfall nicht brechen. Bei Pistolen und Gewehren mussten alle mechanischen Teile gut zuverlässig funktionieren. Ob es sich um qualitativ hochwertige Erzeugnisse handelte, erkennt man bis heute auf einen Blick an der handwerklichen Ausführung: die Qualität der Gravuren am Lauf oder der Klinge und Einlegearbeiten am Schaft machen dies deutlich. An den oft aufwendig getriebenen und teils mit Korallen oder Schmucksteinen besetzten Silbergriffen der ausgestellten Yatagans und prunkvoll verzierten Pistolen aus dem Balkanraum ist die kunsthandwerkliche Fertigkeit des Waffenschmiedes und des Büchsenmachers ersichtlich. Dabei handelt es sich – wie eingangs bei den Jagdwaffen erwähnt – um kostspielige Stücke, die als repräsentative Statussymbole galten. Ganz anders ist dies bei den Waffen, die bei Raufhändeln im Einsatz waren. Deren Ausführung ist so roh wie die Absichten derer, die sich solcher Mittel bedienten. Die in der Ausstellung gezeigten Exemplare aus der Steiermark und Oberösterreich lassen kaum Zweifel daran, dass es damit bei Auseinandersetzungen zu erheblichen Verletzungen kommen konnte. Einschlägige Fälle sind jedoch kaum verbürgt. Möglicherweise hat das Wissen um solch eine Ausrüstung die Kontrahenten in ihrer Rauflust sogar gezügelt. Als Relikte vergangener Zeiten sind diese Raufwerkzeuge nun dort gelandet, wo sie keine Gefahr mehr darstellen – nämlich im Museum.

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