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Buchtipp: 100 Jahre DGVS; hrsg. v. Harro Jenss, Guido Gerken, Markus M. Lerch; August Dreesbach Verlag, 2013
 
Leben 22. November 2013

Vom Schwertschlucker zum High-Tech-Endoskop

Wie Gastroenterologen Licht ins Dunkel brachten.

Angeregt durch die Darbietung eines Schwertschluckers führten Adolf Kußmaul und Julius Müller 1868 erstmals Spiegelungen der Speiseröhre und des Magens durch. Obwohl es bis zur Serienreife moderner Glasfaser-Endoskope noch hundert Jahre dauern sollte, gelang ihnen damit ein Pionierstück der Medizingeschichte.

In ihrem Buch „100 Jahre DGVS“, das die Herausgeber auf dem Jahreskongress Viszeralmedizin 2013 in Nürnberg vorstellten, beschreibt die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) die eigene Geschichte und die der Gastroenterologie. Sie erinnert dabei auch an die Anfänge der Endoskopie und schildert, wie sich das Endoskop zum Instrument für hoch komplexe Eingriffe entwickelte. „Auch wenn die Ergebnisse diagnostisch kaum verwertbar gewesen sein dürften, durchbrachen Kußmaul und Müller mit ihrer Magenspiegelung erstmals die bis dahin im menschlichen Inneren vorherrschende Dunkelheit“, so Dr. Harro Jenss, Archivar der DGVS. Und es wurde stetig heller im Magen-Darm-Trakt: Anstelle gespiegelten Kerzenscheins verwendeten die österreichischen Chirurgen Johann von Mikulicz-Radecki und Viktor von Hacker 1881 erstmals eine direkte Lichtquelle an der Spitze ihres Instruments: eine Platinschlinge, die sie mittels einer externen Batterie zum Leuchten brachten.

„Bereits damals war die Entwicklung der Endoskopie abhängig von den technischen Neuerungen ihrer Zeit“, führt Jenss aus. Die Erfindung der Glühlampe und die Verfügbarkeit von Gummi bedeuteten einen Durchbruch für damalige Ärzte. Dank dieser Neuerungen konnte Theodor Rosenheim um 1895 erstmals ein Gastroskop vorstellen, das mit eigener Glühlampe und – zum Schutz der Patienten – mit einer Gummikappe versehen war.

An einen der wichtigsten frühen Endoskopiker, Rudolf Schindler, erinnerte die DGVS mit einem Vortrag: Gemeinsam mit dem Instrumentenbauer Georg Wolf entwickelte Schindler 1932 das erste semiflexible Endoskop. Der flexible Abschnitt bestand aus einer mit Gummi ummantelten Stahldrahtspirale. Im Inneren befanden sich 51 aneinandergereihte Sammellinsen. Dieses Gerät war das Routineinstrument, bis Glasfaserendoskope in den 1960er Jahren die Ära des modernen Endoskops einläuteten. Bereits 1932 hatte der Münchner Medizinstudent Heinrich Lamm Glasfiberstäbe als Lichtleiter für Gastroskope vorgeschlagen, doch erst 25 Jahre später setzten Ärzte in den USA seine Idee um. DGVS-Präsident Prof. Dr. Markus Lerch: „Obwohl manches davon heute trivial wirken mag, haben die Kollegen aus früheren Zeiten mit viel Pioniergeist Enormes geleistet, um die Magen- und Darmschleimhaut sichtbar zu machen, und damit die Basis für die moderne Endoskopie gelegt.“

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