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Leben 18. November 2013

Die Welt braucht mehr Klos

Fehlende Toiletten und unzulängliche sanitäre Infrastruktur verursachen Umweltprobleme und Krankheiten.

Die Versorgung der Menschen mit sanitären Einrichtungen und der Ausbau der Abwasserentsorgung gehen zu langsam voran, davon ist Robert Burtscher, Wasser und Siedlungshygiene-Experte der Austrian Development Agency (ADA), der Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, überzeugt.

"Noch immer verrichten mehr als eine Milliarde Menschen ihre Notdurft im Freien. Die Gefahr dabei ist, dass Krankheitserreger aus den nicht entsorgten Fäkalien in die Nahrungskette gelangen. Das Millenniums-Entwicklungsziel der Vereinten Nationen, den Bevölkerungsanteil ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser zu halbieren, wurde bereits 2010 erreicht. Aber in der Sanitärversorgung sind solche Erfolge leider nicht zu verzeichnen", erklärt Burtscher.

Sauberes Wasser allein genügt nicht

Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit unterstützt ihre Partnerländer neben der Trinkwasserversorgung auch bei der Abwasserentsorgung. In der Republik Moldau zum Beispiel werden 8.000 Gemeinde-, Bezirks- und Regierungsvertreter in diesem speziellen Bereich geschult. Die Abwassersysteme des Landes müssen verbessert werden: Nur 47 Prozent der Haushalte sind an Kanalisationssysteme angeschlossen oder verfügen über eine sanitäre Grundversorgung.

"Darüber hinaus werden Abwässer nur selten in funktionierenden Kläranlagen gereinigt. Sie verschmutzen das Grundwasser und führen zu Umweltschäden, die auch die Gesundheit der Bevölkerung beeinträchtigen", berichtet Gerhard Schaumberger, der Leiter des Büros der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit in Chisinau. In Zusammenarbeit mit der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit setzt die ADA in Moldau auf Pflanzenkläranlagen, die eine umweltfreundliche und kostengünstige Lösung für ländliche Regionen darstellen.

Anreize zum Bau von Toiletten

In Kitgum, einer Stadt in Uganda, unterstützt die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit die Verbesserung der sanitären Situation, indem sie Nachfrage und Dienstleistungskette im Sanitärbereich fördert. "Es geht darum, Werbung für den Bau von Toiletten zu machen und gleichzeitig darauf zu achten, dass das benötigte Material, die Arbeit und der Wartungsservice leistbar bleiben", so Erwin Künzi, Programmreferent für Wasser und Siedlungshygiene im Büro der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit in Uganda. Die Mitarbeiter interessierter Firmen werden trainiert, damit die sanitäre Versorgung der Stadt mit 60.000 EinwohnerInnen vom Design der Toilettenanlagen über die Finanzierung, den Bau und die Wartung bis hin zur sicheren Verwertung oder Entsorgung der Fäkalien funktioniert.

Leben retten und Armut mindern

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO müssen weltweit 2,5 Milliarden Menschen mit unzureichenden sanitären Einrichtungen auskommen. Dabei können Toiletten Leben retten: Pro Tag sterben weltweit etwa 5.000 Kinder an Durchfallerkrankungen. Mehr als 80 Prozent der Todesfälle könnten durch saubere sanitäre Einrichtungen und einfache Hygienemaßnahmen wie Händewaschen mit Seife verhindert werden.

"Wir achten bei unseren Programmen und Projekten insbesondere darauf, dass vor allem Menschen mit sehr wenig oder keinem Einkommen mit Wasser und notwendigen sanitären Anlagen versorgt werden", betont Martin Ledolter, Geschäftsführer der Austrian Development Agency. Darum unterstützt Österreich beispielsweise das Water and Sanitation Program (WSP), das von der Weltbank verwaltet wird. Im laufenden fünfjährigen Arbeitsplan arbeitet das WSP unter anderem daran, die Sanitärversorgung in ländlichen Gebieten zu verbessern - und zwar für 50 Millionen Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika. "Wir sind überzeugt, dass sauberes Trinkwasser gepaart mit adäquater Sanitärversorgung und Hygiene ein Schlüssel für die Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele Armutsreduktion, Gesundheit, Geschlechtergleichstellung und Umwelt ist", so Ledolter.

 

Presseaussendung der Austrian Development Agency/TF, springermedizin.at

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