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Leben 12. November 2013

Gesündere Jause aus dem Snack-Automaten

Was Hänschen nicht isst, isst Hans nimmer mehr. Vor allem, wenn es sich um gesundes Zeug handelt.

Hat sich ein Erwachsener einmal stur in einen Lebensstil verrannt, so ist es schwierig, ihn davon wieder abzubringen. So ihm nicht gerade ein Infarkt vor den Latz geknallt wird, ist seine Motivation, den Zuckerkonsum oder die tägliche gesunde Portion Tabak zu reduzieren, wohl eher gering.

Wir Ärzte wollen daher schon früher ansetzen, bei den Kindern. Die sollen ja noch zu formen sein. So die Theorie. Eltern von Kindern im Teenageralter sehen das zwar etwas anders, aber die Experten glauben, dass irgendwo zwischen „Facebook“, „WhatsApp“ und „Chill, Alter!“ eine Bewusstseinsbildung möglich ist.

Dass es nicht förderlich ist, seinem Nachwuchs die Jausenbox mit Smarties vollzufüllen, hat sich bei den Erziehungsberechtigten ja mittlerweile bereits herumgesprochen. Dass es aber auch nicht sonderlich förderlich ist, sie mit Milchschnitten oder Fruchtzwergen zu beladen, schon weniger. Selbst wenn man der Werbung misstraut: Irgendwo in dieser Schnitte wird doch zum Teufel dieses verdammte Kalzium stecken, das die Knochen so robust macht und das Fell der Kinder glänzen lässt. Das wär zumindest ein Anfang. Denn nicht alle Kinder sind glücklich über ein mitgegebenes 5-Elemente-Dinkelweckerl mit Rettich an Vollkorn-Bulgur.

Weitaus weniger Einfluss haben die Eltern darauf, was in der Schule an Essbarem angeboten wird. Das klassische Wald-und-Wiesen-Buffet setzt nach wie vor auf Nahrungsmittel mit gesundheitlichem Mehrwert wie Wurstsemmeln (mit gesunder Essiggurke!), Gummibärchen (mit echtem Fruchtzucker!) und Schokolade (immerhin wie eine lustige Karotte verpackt!).

Nun ist man um Aufklärung bemüht und mancherorts werden die begehrten Mars-Snickers-Cola-Automaten in den Schulen unbemerkt mit Joghurtdrinks, Müsliriegel und frischen Äpfeln bestückt. Ob die stark gezuckerten Joghurtdrinks und Müsliriegel tatsächlich gesünder sind, mag bezweifelt werden. Unumstritten ist jedoch die Tatsache, dass die angebotenen Äpfel unangetastet im Automaten langsam verrotten.

Die geforderte Umstellung auf hochwertigere Nahrung stößt auch bei den Buffet-Betreibern auf nicht allzu große Begeisterung. Denn klarerweise finden die Knäckebrote mit Magertopfen und Schnittlauch in der großen Pause gerade mal bei der Biologielehrerin, die das gesunde Buffet initiiert hat, reißenden Absatz. Und klarerweise (die Kinder sind ja auch nicht doof) weichen die Schüler auf das attraktivere Angebot in der Bäckerei oder gar in das (Gott-sei-bei-uns der Biologielehrerin) Fast-Food-Lokal aus.

Hier braucht es wohl noch eine massive Imagekampagne, um neben dem Red-Bull auch den Red-Rübensaft bei den Kids salonfähig zu machen. Denn ein angebissener Apfel ist schließlich auch cool – zumindest am iPod.

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