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© Sammlung Paulette Frankl
Porträt Paul T. Frankl, um 1938.
© Sammlung Paulette Frankl

Stromlinienförmiger Holzgeflecht-Sessel, Frankl Galleries, Los Angeles etwa 1937.

© Sammlung Paulette Frankl

Frankls Sohn Peter mit dem ersten Skyscraper bookcase, Woodstock 1925.

© (2) Harald Wolfbeisser

Blick in die Ausstellung „Paul T. Frankl – Ein Wiener Designer in New York und Los Angeles“ in der Kiesler Stiftung Wien.

© (2) Harald Wolfbeisser

Blick in die Ausstellung „Paul T. Frankl – Ein Wiener Designer in New York und Los Angeles“ in der Kiesler Stiftung Wien.

 
Leben 24. November 2013

Der Avantgardist

Paul T. Frankl gilt als Wegbereiter des modernen amerikanischen Designs.

Dem gebürtigen Wiener ist die aktuelle Ausstellung in der „Österreichischen Friedrich und Lillian Kiesler Privatstiftung“ in Wien gewidmet.

Es ist kein typisch österreichisches Emigrantenschicksal, das Paul T. Frankl zunächst nach New York, später nach Los Angeles geführt hat. Dort hat er – ähnlich wie der mit ihm befreundete Friedrich Kiesler – modernes Design in visionären Raumkonzeptionen verwirklicht.

Geboren 1886 war Frankl ein Kind des Fin de Siécle, sein Vater hatte während der Gründerzeit in Wien als Bauunternehmer ein Vermögen gemacht. Eigentlich sollte er als einer von vier Söhnen das väterliche Baugeschäft übernehmen, entschied sich jedoch dagegen und begann 1904 an der TU-Wien zu studieren. Das allerdings nur für kurze Zeit, da ihm das dortige Klima zu konservativ schien und er deshalb an die TU-Berlin Charlottenburg wechselte. Nach dem Diplom und der Militärzeit führte ihn sein Weg zunächst wieder nach Berlin und Kopenhagen, wo er in einem Architekturbüro tätig war.

Die Suche nach dem Zeitgemäßen

Auf einer Italienreise mit seiner ersten Frau Paula fasste Paul T. Frankl seine Eindrücke über Kunst und Architektur wie folgt zusammen: „Es war eine Architektur, die über Jahrhunderte zur Vollendung geführt worden war und dies in bezaubernder Umgebung, um von kommenden Generationen genossen zu werden. Aber warum sollten wir endlos wiederholen, was andere schon vor uns getan hatten, fortfahren altmodische Formen zu benützen, um unserer Zeit Ausdruck zu verleihen?“ Wohl als Folge dieser Überlegung fiel 1914 die Entscheidung, in die USA zu reisen, um an Ort und Stelle die Bauten Frank Lloyd Wrights eingehend zu studieren. Chicago, Washington, San Francisco waren weitere Stationen bevor er nach New York zurückkehrte, das ihm zur Wahlheimat werden sollte.

Auf einer Reise in den Fernen Osten ereilte ihn die Nachricht vom Ausbruch des 1. Weltkrieges. Von Japan zurückgekehrt, eröffnete er in New York mit den mitgebrachten Möbeln und Ausstattungsgegenständen ein Geschäft für Inneneinrichtung. Um als Inneneinrichter reussieren zu können, schuf sich Frankl in seiner neuen Heimat nach und nach ein Netzwerk. Der Erfolg ließ nicht auf sich warten: Bereits 1915 richtete er die ersten „Salons de Beauté“ von Helena Rubinstein und Elizabeth Arden ein.

Nach einer kurzen Rückkehr nach Wien emigrierte Paul T. Frankl endgültig zwei Jahre später in seine Wahlheimat und eröffnete in New York die „Frankl Galleries“.

Wegweisend für die amerikanische Moderne

Sein Entschluss selbst Möbel zu entwerfen, hing mit der umfassenden Rezeption der „Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes“ 1925 in Paris zusammen, die in den USA auf großes Interesse stieß. Die Einflüsse des französischen Art Deco übersetzte Frankl in eine eigene, abgewandelte Formensprache. Mitte der 1920er-Jahre wurden seine „Skyscraper Furniture“ zu Vorreitern der amerikanischen Moderne. Als Innenausstatter und Entwerfer blieb er den Einflüssen japanischer Gestaltungskunst wie auch der Neuen Sachlichkeit gegenüber aufgeschlossen.

1928 erschien sein programmatisches Werk „The Decorative Arts of Today in Words & Pictures“. Frankls wegweisende und für die amerikanische Moderne prägende Haltung ist darin festgehalten. 1930 verfasste er ein weiteres Standardwerk: „Form and Re-Form“ A Practical Handbook of Modern Interiors. Ein Jahr später beteiligt er sich an der Ausstellung „Modern Industrial and Decorative Art“. Materialität, Gestaltung und Handwerk spielten auch da eine große Rolle. Während seiner Zeit in New York unterrichtete er mit großem Erfolg an der New York School of Interior Decorating. Dort kam es auch zu ersten Zusammentreffen mit Frank Lloyd Wright.

Übersiedlung nach Los Angeles

An der Wende zu den 1930er-Jahren sorgte Frankl mit seinen stromlinienförmigen „Speed Chairs“ für Furore. Die einsetzende Weltwirtschaftskrise war entscheidend für die Übersiedlung 1934 nach Los Angeles. Frankl eröffnete dort ein Einrichtungsgeschäft am Wiltshire Boulevard. Mit geschäftlichem Geschick und gezielter Werbung zählte er bald zu jenen renommierten Ausstattern, welche die Anwesen von Hollywood-Produzenten und Filmgrößen wie Fred Astaire, Charlie Chaplin, Katherine Hepburn und Alfred Hitchcock gestalteten. Sein Stilmix aus ostasiatischer Formensprache, kombiniert mit einer neuen, modernen Linienführung kam bei der betuchten Klientel bestens an. Manche seiner eher ausgefallenen Möbelstücke kamen sogar zu Filmehren und werden bis heute als Ausstattungsstücke hoch geschätzt.

In den 1940er-Jahren nahmen formschöne Rattan-Sitzmöbel mit ihren charakteristischen „Brezel“-Seitenteilen und die organisch-amorph geformten Cocktail-Tische mit Korkauflage den für die 1950er-Jahre vorherrschenden Stil vorweg. Einige dieser Modelle wurden von der Johnson Furniture Company industriell gefertigt. Dennoch lag seine Stärke darin, mit ausgesuchtem Mobiliar und passenden Accessoires Raumkomposition zu schaffen, die oftmals Ähnlichkeit mit Filmsets hatten. Die in der Ausstellung gezeigten Fotos geben davon einen sehr guten Eindruck. Der Stellenwert Paul T. Frankls und sein prägender Einfluss auf die amerikanische Moderne wird in dieser sehenswerten Ausstellung und der von Kurator Christopher Long und Aurora McClain herausgegebenen Autobiografie umfassend vermittelt.

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