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Leben 31. Oktober 2013

Arbeitszufriedenheit der Ärzte in NÖ doppelt so hoch wie 2008

Änderung des Spitalärztegesetzes zeigt erste positive Auswirkungen.

Bereits vor fünf Jahren hat die NÖ Ärztekammer die Arbeits- und Lebenssituation der angestellten Ärzte erhoben. Damals zeigten die Ergebnisse deutlich, dass es zu Änderungen im Krankenhausalltag kommen muss. Kurienobmann Dr. Ronald Gallob meint dazu: "Wir haben die letzten Jahre intensiv an einer Novelle zum Spitalärztegesetz mitgearbeitet. Seit rund einem Jahr ist sie nun im Einsatz und bereits jetzt sagen uns 60 Prozent der angestellten Ärztinnen und Ärzte, dass sie mit ihrer Arbeitssituation zufrieden oder sogar sehr zufrieden sind. Dieses Ergebnis ist sehr erfreulich und zeigt uns, dass die Änderungen im Spitalsärztegesetz bereits nach einem Jahr in Zahlen klar erkennbar sind!"

Eine angenehmere Arbeitssituation hat auch Auswirkungen auf das Privatleben. Dies zeigt sich bei der Beurteilung der Lebenssituation. Während 2008 rund die Hälfte der Spitalsärztinnen und -ärzte in Niederösterreich mit ihrer Lebenssituation zufrieden und sehr zufrieden war, sind es 2013 sogar 70 Prozent.

"Wenn man bedenkt, dass nur vier Prozent gar nicht zufrieden sind, ist dies eine sehr deutliche positive Entwicklung, die sich nicht zuletzt durch die vergangene Arbeit der angestellten Kurie begründen lässt. Dazu kommt, dass in Niederösterreich die Ausübung von Nebenbeschäftigungen in einer Wahlarztordination kein Problem darstellt. Offensichtlich ist es unserem Rechtsträger bewusst, dass das Führen einer Ordination Mitarbeiterinnen und Mitbereiter zufriedener macht und auch die Schnittstellenproblematik zwischen dem Krankenhaus und dem niedergelassenen Bereich verbessert", ist auch der Präsident der NÖ Ärztekammer, Dr. Christoph Reisner, MSc, überzeugt.

Angestellte Ärzte in Niederösterreich können maximale Wochenarbeitszeit frei wählen

Während in anderen Krankenhäusern diskutiert wird, ob 25 oder 32 Stunden durchgearbeitet werden darf oder muss, sieht die Situation in Niederösterreich anders aus. Dr. Gallob dazu: "Wir haben in jedem Krankenhaus die Rahmenbedingungen ausverhandelt, die es in jedem einzelnen Haus ermöglicht, die Bedürfnisse der Ärztinnen und Ärzte betreffend Arbeitszeitobergrenzen abzubilden. Damit können die Arbeitszeitgrenzen frei gewählt werden. Je nach persönlichem Umfeld oder familiären Verhältnissen wird sich dieser Zeitrahmen unterschiedlich gestalten."

Dass längst nicht mehr alle Ärzte 70 Stunden oder mehr pro Woche arbeiten wollen und können, zeigt sich auch in Zahlen: So hat sich die Stundenanzahl der Vollzeitbeschäftigten von 60 Wochenstunden im Durchschnitt vor fünf Jahren auf etwa 51 Wochenstunden gesenkt. Während 2008 noch zwei Drittel aller angestellten Ärzte mehr als 72 Wochenstunden in Spitzenzeiten geleistet haben, sind es 2013 "nur" mehr 13 Prozent. "Von "nur" 13 Prozent möchte ich in diesem Zusammenhang dennoch nicht sprechen, selbst wenn die Zahlen gegenüber 2008 um einiges besser geworden sind. Auf alle Fälle sind die Voraussetzungen sehr gut, dass Niederösterreichs Ärztinnen und Ärzte ausgeruht ihrer Arbeit nachgehen können."

Der Weg ist richtig, das Ziel aber noch lange nicht erreicht

"Wir werden uns bestimmt nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen. Denn auch heute noch meinen 69 Prozent der Spitalsärzte im Vergleich zu 79 Prozent im Jahr 2008, dass sie zu wenig oder keine Zeit für Persönliches außerhalb des Berufes und der Familie haben. Das sind etwas mehr als zwei Drittel aller Ärztinnen und Ärzte, und diese Zahl ist noch immer zu hoch. Auch dass 47 Prozent sich immer oder oft konfliktbelastet durch den Beruf fühlen, ist zu viel.

Eine mögliche Erklärung für die Unzufriedenheit könnte einerseits die Arbeitsverdichtung und andererseits die extrem zunehmende Administration sei sowie möglicherweise die Arbeitsorganisation. Hier liegt noch viel Arbeit vor uns. Die positiven Ergebnisse, aber auch jene Umfragewerte, mit denen wir nicht zufrieden sind, bestärken uns zusätzlich, die Herausforderungen weiter anzunehmen und unsere Arbeit einzubringen", kommentiert Dr. Gallob die Ergebnisse kritisch.

Präsident Dr. Reisner zieht dennoch eine positive Bilanz: "Wenn 54 Prozent der Spitalsärzte mit der Novelle des Spitalsärztegesetzes zufrieden oder sogar sehr zufrieden sind, zeigt das deutlich eine positive Beurteilung der Arbeit der Kurie. Solch eine Zustimmung können sich manche Politiker in Österreich nur wünschen."

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