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Leben 30. Oktober 2013

10 Jahre Palliativstation am LKH-Universitäts-Klinikum Graz

Würdevolle Begleitung der letzten Lebensphase

Vor zehn Jahren wurde die Palliativstation am LKH-Universitäts-Klinikum Graz eröffnet und bildet damit das Fundament der Universitären Palliativmedizinischen Einrichtung (UPE) an der Medizinischen Universität Graz. Die österreichweit erste Palliativstation an einem Universitätsklinikum versorgt gemeinsam mit dem mobilen Palliativteam Betroffene aus dem Großraum Graz sowie der gesamten Steiermark nach den Grundsätzen des ganzheitlichen biopsychosozialen Betreuungsansatzes. Die Zukunft der Palliativmedizin am Standort Graz war unter anderem Thema der Festveranstaltung „10 Jahre Palliativstation am LKH-Universitäts-Klinikum Graz“, die am vergangenen Wochenende im Hörsaalzentrum der Med Uni Graz unter Teilnahme zahlreicher Ehrengäste stattfand.

Seit Beginn der modernen Palliativmedizin steht die Menschlichkeit im Vordergrund der medizinischen Bestrebungen. Interdisziplinarität ist das oberste Gebot des ganzheitlichen Behandlungsansatzes an der von Prof. Dr. Hellmut Samonigg geleiteten Palliativstation. „Der Mensch in seiner Gesamtheit steht im Zentrum der medizinischen Betrachtungen“, so Samonigg. Nicht die reine Verlängerung der Lebenszeit ist das Hauptziel der Palliativmedizin, sondern die Verbesserung der Lebensqualität von unheilbar kranken Menschen. „Es ist besonders wichtig das physische und psychische Leid von Menschen mit unheilbarer und weit fortgeschrittener Erkrankung bestmöglich zu lindern und je nach individueller Situation eine Weiterbetreuung in häuslicher Umgebung vorzubereiten und zu ermöglichen“, führt Samonigg weiter aus. Stein Husebö, Leiter der Abteilung für Schmerztherapie und Palliativmedizin am Universitätsklinikum im norwegischen Bergen betont in seiner Rede zur Festveranstaltung die internationale Vorbildwirkung der Grazer Palliativmedizin, wo der Patient ganzheitlich nach dem bio-psycho-sozialen Ansatz behandelt und versorgt wird.

Zudem erfordert die Betreuung von Patienten im letzten Lebensabschnitt eine hochspezialisierte Medizin. „Die Behandlung von starken Schmerzen sowie die Begleitsymptomatik von schweren Erkrankungen bedarf sensibler Spitzenmedizin und höchster Professionalität in allen medizinischen Bereichen“, so Samonigg. Die gelebte Interdisziplinarität an der Palliativstation am LKH-Universitäts-Klinikum Graz bietet alle Rahmenbedingungen, um Patienten ganzheitlich versorgen zu können. Daher wurde der Grazer Einrichtung auch als erstem europäischen Schmerzzentrum die Zertifizierung „Qualifizierte Schmerztherapie“ nach Certkom© verliehen.

Interdisziplinarität, tragende Säule der Palliativmedizin

An der Palliativstation am LKH-Universitäts-Klinikum Graz kümmert sich ein engagiertes Team verschiedener Professionen rund um die Uhr um fortgeschritten erkrankte Patienten. Neben der hochwertigen medizinischen Versorgung stehen unter anderem Psychologen, Psychotherapeuten, Physiotherapeuten, Ernährungsberater und Sozialarbeiter zur Verfügung um die Patienten umfassend im Sinne des bio-psycho-sozialen Modells zu betreuen. Da viele Faktoren die Lebensqualität von schwerkranken Menschen beeinflussen, ist Interdisziplinarität eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende Palliativmedizin. „Mein Dank gilt dem engagierten Team der Palliativstation am LKH-Universitäts-Klinikum Graz zum Wohle der unmittelbar Betroffenen und deren Angehörigen. Nun ist es an der Zeit kurz innezuhalten und zurückzuschauen, aber auch nach vorne zu blicken, um sich zukünftigen Herausforderungen in der Palliativmedizin stellen zu können“, so Samonigg.

Erfolgreiche Forschung in Graz

Die Palliativmedizin ist ein junges Fachgebiet der Medizin. Neben der Ausbildung von Studierenden und Ärzten, betreibt die Universitäre Palliativmedizinische Einrichtung der Medizinischen Universität Graz erfolgreiche und vielversprechende Forschungsprojekte in diesem Bereich in Kooperation mit internationalen Zentren. Vor allem im Bereich der Schmerzforschung sind die Grazer Wissenschafter international renommiert. So wurden Zytokine – Botenstoffe im Organismus – mit dem Schmerzempfinden in Zusammenhang gebracht. Bis dato ist die objektive Schmerzmessung nicht möglich und Schmerzmittel werden nach subjektiven Patientenangaben verabreicht. Durch das von der EU-geförderte Projekt zur Zytokinmessung ist man in Graz nun auf einem vielversprechenden Weg, ein objektives Instrument zur Schmerzmessung zu patentieren. In weiterer Folge ist auch ein Medikament denkbar, dass die durch Zytokine ausgedrückten Schmerzen eindämmen kann.

Zukunft der Palliativmedizin

Im Festvortrag „Palliativmedizin: Was haben wir gelernt? Was ist die Zukunft?“ forderte Husebö, Direktor des Nationalen Centers „Würde im Alter“, Universitätsklinikum Bergen/Norwegen, die Sicherstellung einer menschenwürdigen Versorgung von unheilbar Kranken sowie deren Angehörigen. „Die letzte Lebensphase eines Menschen darf nicht im Gesundheitssystem versteckt werden, sondern muss aktiv wahrgenommen werden“, so Husebö. Hier sieht auch Samonigg das Hauptaugenmerk der in Graz gelebten Palliativmedizin. „Die Lebensqualität von Sterbenden ganzheitlich zu steigern ist unser größtes Ziel. Ebenso verfolgen wir dabei die aktive Einbindung der Angehörigen in sämtliche Stationen der letzten Lebensphase, so dass Angehörige diesen letzten Weg mitgehen bzw. selbst mitgestalten können“, so Samonigg abschließend.

Presseaussendung Medizinische Universität Graz/TF, springermedizin.at

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