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Leben 28. Oktober 2013

Selbstauflösende Knochen-Schraube

Neuartiges Material auf Magnesium-Basis könnte Patienten zusätzliche Operationen ersparen.

Groß ist sie nicht, aber eine „Weltsensation“, versichern ihre Entwickler. Ein Medizintechnik-Hersteller in Hannover präsentierte kürzlich die weltweit erste und einzige zugelassene selbstauflösende Kompressionsschraube der Öffentlichkeit.

Eine niedersächsische Kooperation unter Führung der Firma Syntellix aus Hannover hat ein neuartiges, rund drei Zentimeter langes Schräubchen entwickelt, das bei orthopädischen Operationen künftig Implantate aus Titan oder Stahl ersetzen könnte. Wenn die Schraube hält, was sie verspricht, wäre sie eine kleine Revolution in Sachen Fixierung von Knochen oder Knochenfragmenten. Denn mit der Zeit löse der Körper das Material der Schraube – eine Legierung auf Magnesiumbasis – auf und ersetze es durch körpereigenes Knochengewebe, dessen Bildung es sogar fördere, heißt es.

So würde die Schraube die zweite Operation ersparen, die bisher nötig ist, um die eingesetzten Implantate wieder zu entfernen. Damit entfallen auch die Risiken eines erneuten Eingriffs wie etwa Infektionen oder das Narkoserisiko. Zudem drücke die Schraube Kosten, erspare den Patienten die Schmerzen wenigstens einer Operation und verhindere weitere Ausfallzeiten im Beruf.

Im Frühjahr erhielt die Syntellix AG für die Entwicklung des Materials „Magnezix“, aus dem die Schraube gefertigt ist, den renommierten „Innovationspreis der deutschen Wirtschaft“. Beteiligt an der Entwicklung und Erprobung der Schraube waren neben Syntellix die Leibnitz Universität in Hannover und das Niedersächsische Zentrum für Biomedizintechnik Implantationsforschung und Entwicklung (NIFE), die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), sowie das Zentrum für Funktionswerkstoffe (ZFW) in Clausthal-Zellerfeld. Derzeit befindet sich die Schraube in der Erprobungsphase, sagte der Orthopäde Prof. Dr. Henning Windhagen von der orthopädischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover.

Bisher keine Komplikationen

Windhagen hat Ende Juni dieses Jahres das Implantat erstmals einer Patientin eingesetzt. Die Schraube wird derzeit in Operationen am Fuß und stets unter kontrollierter Supervision eingesetzt. Insgesamt wurden seitdem 26 Operationen vorgenommen. Es müssten nun Erfahrungen gesammelt werden, heißt es. Die bisher operierten Patienten hätten mit keinerlei Komplikationen zu kämpfen gehabt, versichert Windhagen. Und es werde in Zukunft auch größere Schrauben geben – etwa für die Hüftchirurgie.

Die genauen Kosten dieser Neuheit will man nicht bekannt geben, aber der Preis einer einzelnen Schraube liege rund 25 Prozent über dem, was normalerweise für eine Titanschraube auszugeben ist. Syntellix könnte die Schraube viel Geld einbringen: Rund drei Milliarden Euro schwer sei der Markt von bioabbaubaren Medizinprodukten, von dem die Schraube „einen nennenswerten Anteil“ abdecke, so der Aufsichtsratsvorsitzende der Syntellix AG, Prof. Utz Claassen.

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