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© (3) Belvedere, Wien/Oskar Schmidt
Winterpalais, Schlachtenbildersaal

Winterpalais, Prunkstiege

© Belvedere, Wien

Johann Adam Delsenbach, Das Winterpalais des Prinzen Eugen von Savoyen in der Himmelpfortgasse, undatiert, Druck Kupferstich, koloriert, 25,5 x 41,2 cm

© Rijksmuseum Amsterdam, als Dauerleihgabe im Belvedere, Wien

Jacob van Schuppen, Prinz Eugen von Savoyen nach der Schlacht von Belgrad am 16. August 1717, 1718; Öl auf Leinwand, 146 cm x 119 cm

Winterpalais, Goldkabinett

 
Leben 28. Oktober 2013

Das Palais des Prinzen

Ein barocker Stadtpalast erwacht zu neuem Leben: Das Winterpalais des Prinz Eugen von Savoyen in der Himmelpfortgasse im 1. Wiener Bezirk erstrahlt in neuer Pracht.

Als Diplomat und Ratgeber diente er drei Kaisern aus dem Hause Habsburg und spielte damit eine maßgebliche Rolle für dessen Zukunft. Das Stadtpalais des bedeutenden Feldherrn und kunstsinnigen Mäzens dient nach der Sonderausstellung „Prinz Eugen von Savoyen – 350 Jahre“ als Ausstellungsort des Belvedere.

Seine Fähigkeiten auf militärischem Gebiet hatte Prinz Eugen von Savoyen bereits beim Einsatz von Wien während der zweiten Türkenbelagerung unter Beweis gestellt. Sein strategisches Geschick und seine beeindruckende Kühnheit ließen den in Paris Geborenen und aus dem oberitalienischen Geschlecht derer von Savoyen-Carignan Stammenden Prinzen zu einem der einflussreichsten Männer seiner Zeit werden. Im Jahr 1693, nach seiner Ernennung zum Feldmarschall unter Joseph I., erwarb er bereits jene Grundstücke am Rennweg, auf denen das Obere und Untere Belvedere inmitten einer großzügigen Gartenanlage unter der Leitung Johann Bernhard Fischer von Erlachs errichtet wurden. Ein Jahr später erfolgte der Ankauf der ersten Gebäude in der Himmelpfortgasse, um dort ein Stadtpalais erbauen zu lassen. 1697 wurde Eugen zum Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres in Ungarn ernannt. In der siegreich verlaufenen Schlacht bei Zenta erwies sich einmal mehr sein militärisch-strategisches Können und Geschick.

Stadtpalais in neuem Stil

Während des Spanischen Erbfolgekrieges zum Hofkriegsratspräsidenten ernannt, nahm Eugen in politisch-staatsmännischer Hinsicht bald eine beherrschende Stellung ein. Das manifestierte sich nicht zuletzt in seinem reich ausgestatteten Stadtpalais. Der siegreiche Feldherr wurde zu einem einflussreichen und nicht leicht zufrieden zu stellenden Bauherren. Das Obere Belvedere mit seiner zur Stadt gerichteten Fassade und auch das Untere Belvedere konnten korrespondierend mit der Gartenanlage mehr Wirkung entfalten, als dies innerhalb der Stadtmauern möglich war. Die Wirkung prunkvoller Fassaden blieb dort eingeschränkt, weil, wie Lady Wortley Montagu sehr treffend in ihren „Briefen aus Wien“ bemerkte, die Straßen der Innenstadt „so schmal (waren), dass es unmöglich war, die schönen Fronten der Paläste zu überblicken.“

Um repräsentative Bauvorhaben ausführen zu können, musste der vorhandene Raum bestmöglich genützt werden. Folglich blieb nichts anderes übrig, als das Palais auf andere Art und Weise zur Geltung zu bringen. Portal und Stiegenhaus wurden so zum Kristallisationspunkt barocker Prachtentfaltung. Hier wurde am Ort des ersten Zusammentreffens, das Verhältnis von Hausherr und Besucher klar und entschieden definiert. Herkules, der am Absatz der Prunktreppe in einer Nische gestützt, auf seine gesenkte Keule in einem Moment der Ruhe innehält, weist Parallelen zur Biografie des Bauherren auf. Das Figurenprogramm der von Fischer von Erlach prachtvoll gestalteten Prunktreppe spiegelt programmatisch Durchsetzungsvermögen und nahezu unbezwingbare Stärke wider, um Besucher wie auch Gäste zutiefst zu beeindrucken.

An der Verwirklichung des Stadtpalais des Prinzen hat neben Johann Bernhard Fischer von Erlach, der die Vorherrschaft der in Wien tätigen italienischen Baumeister wie etwa des bedeutenden Domenico Martinelli beendete, Johann Lukas von Hildebrandt erheblichen Anteil. Fischer von Erlach entwarf zunächst den Mittelteil des Palastes mit seinen sieben Fensterachsen. Hier kam statt architektonischer Strenge zurückhaltende Eleganz als neuer Zug ins Spiel. Der herrschenden Raumnot begegnete Fischer von Erlach mit der kühnen Konzeption des Stiegenhauses. Nach dessen Fertigstellung kam es allerdings zum Bruch mit dem Bauherrn. Die Gründe hierfür sind nicht bekannt. In der Folge übernahm Johann Lukas von Hildebrandt die Fortführung. Baumeister und Bauherr begegneten sich nun statt auf militärischem Gebiet, wo es um Befestigungen unterschiedlicher Art ging, auf der Ebene repräsentativer Feudalarchitektur.

Winterpalais – architektonisches Ebenbild

Wie das Obere Belvedere, das mit seiner ursprünglich offenen „Sala Terrena“ einem steingewordenen imposanten Feldherren-Zelt ähnelt, vermitteln auch im Winterpalais Details der Gestaltung, wie etwa das wiederkehrende „Herkules-Thema“ die militärische und staatsmännische Größe des Prinzen.

Als Mäzen und Bauherr war Eugen den schönen Künsten äußerst zugeneigt und konnte auf diese Weise den seinem Stand angemessenen Lebensstil verwirklichen. Die exquisit gestalteten Salons mit kostbaren Wandbespannungen dienten repräsentativen Zwecken, im Neuen Trakt des zweimal erweiterten Palais fand die umfangreiche Bibliothek Eugens Platz. Nach dessen Tod wurde sie von Kaiser Karl VI. erworben und befindet sich heute im Kuppelsaal der Österreichischen Nationalbibliothek. Fred Hennings zitiert in seinem Band „Das Barocke Wien“ die Eindrücke, die der Lyriker Jean-Baptiste Rousseau von der Bibliothek Eugens gewann: „Die Büchersammlung des Prinzen ist sehr ausgedehnt und besteht aus lauter guten, schön gebundenen Büchern. Das Merkwürdigste aber daran ist, dass sich fast kein einziges Werk darin findet, das der Prinz nicht gelesen oder wenigstens durchgegangen hat.“

Die restaurierten Prunkräume des Winterpalais dienen jetzt fortan als Rahmen für die Sammlungen des Belvedere sowie der Präsentation zeitgenössischer Kunst. Historisch wie inhaltlich gesehen, ist dies eine durchaus glückliche Fügung. Eugen, der unverheiratet und ohne leiblichen Erben blieb, hätte vermutlich seine Freude daran.

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