zur Navigation zum Inhalt
 
Leben 21. Oktober 2013

Patent auf Kinder nach Maß

Die Biotech-Firma 23andMe hat sich in den USA ein Patent auf die Auswahl sogenannter Designer-Babys gesichert.

Eine Sprecherin des kalifornischen Unternehmens 23andMe hat auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa bestätigt, dass ein Patent für die Auswahl eines „Designer-Babys“ genehmigt wurde. Sie betonte aber, dass dieses Patent in der Praxis nicht zur Anwendung kommen solle. Kritiker warnen dagegen vor Missbrauch.

Die Firma 23andMe aus Mountain View wirbt auf ihrer Internetseite vor allem für DNA-Tests. „Was Ihre DNA über Sie aussagt“ oder „Entdecken Sie die Ursprünge Ihrer Ahnen“, heißt es dort. „Patente anzumelden ist ein ganz normaler Teil unseres Geschäfts und wir bleiben unserem Grundprinzip verpflichtet, den Menschen Zugang zu ihren eigenen DNA-Daten zu geben.“

Im Bezug auf das „Designer-Baby“ betont die Firma, dass „sie nie beabsichtigt und auch jetzt nicht beabsichtigen wird, das Angebot über den Familienrechner hinaus auszudehnen“. Der Rechner erlaubt demnach Eltern, die DNA-Proben abgeben, Prognosen über ihre Kinder wie Augen- und Haarfarbe oder Anfälligkeiten für Krankheiten zu bekommen. Dabei werden dem Unternehmen zufolge Erbinformationen ausgewertet. „Geschäftsideen, die auf der Produktion von Designer-Babys beruhen, dürfen nicht durch Patente gefördert werden“, warnte das Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie, Testbiotech. Mit dem Patent könnten Samen- und Eizellen selektiert werden.

Dazu würden die genetischen Daten von Spendern erhoben. Interessierten Eltern könnte so eine Auswahl nach Kriterien wie Langlebigkeit oder athletischen Eigenschaften angeboten werden. „Die genetische Identität eines Menschen darf nicht von Mode, Markt und Meinung abhängen“, so Testbiotech-Geschäftsführer Christoph Then. Er sieht darin einen fundamentalen Verstoß gegen die Menschenwürde.

Die Auswahlmöglichkeiten sind vielfältig, wie das Patent zeigt. Eigenschaften lassen sich wie in einem Baukasten zusammensetzen: „Ich bevorzuge ein Kind mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für ...“, heißt es in einem Beispiel, und dann kann ausgewählt werden: „... grüne, blaue oder braune Augen“. Weitere Kriterien für das perfekte Kind sind etwa Laktoseverträglichkeit und Sportlichkeit.

Patent in München beantragt

Auch das Europäische Patentamt (EPA) war mit dem Vorhaben befasst. Nach Angaben eines Sprechers hatte die US-Firma in München die international gültige Anmeldung des Patents beantragt. Das EPA sei beauftragt worden, eine Recherche zum Stand der Technik durchzuführen. Aufgrund des Ergebnisses habe das Unternehmen keine europäische Patentanmeldung mehr beantragt. „Eine Prüfung des Patents nach europäischem Patentrecht hat deshalb gar nicht erst stattgefunden“, sagte der EPA-Sprecher. In Europa sieht auch Testbiotech keine Gefahr, dass solche Geschäftsideen für die Auswahl von „Designer-Babys“ patentiert werden. Derartige Patente könnten laut Then wegen Verstößen gegen die guten Sitten und öffentliche Ordnung zurückgewiesen werden.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben