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Goya Paraphrase: Das Schicksal, 2004, 80 x 110 cm, Öl, Acryl auf Leinwand
© (5) Karl Dworak

Herwig Zens im Atelier.

Goya Paraphrase: Dos hombres con manzas (Zwei Männer mit Stöcken), 1984, 123 x 266 cm, Öl, Acryl auf Leinwand

Athos Triptychon, Mittelteil, 2011,80 x 60 cm, Acryl, Kohle auf Leinwand

Vorbereitung eines radierten Tagebuchstreifens zum Druck.

 
Leben 21. Oktober 2013

Unentwegt im Dienst der Kunst

Ist Herwig Zens ein Getriebener? Angesichts der Fülle an Arbeiten, die über Jahrzehnte hinweg entstanden, könnte man diesen Eindruck gewinnen. „Hätte ich nicht so viele Ideen, ginge alles einfacher“, so Zens in einem unlängst anlässlich seines 70. Geburtstages erschienenen Filmporträt.

Die Bildthemen von Herwig Zens kreisen um Alltag und Mythologie, Leben und Tod. Derzeit geben drei Ausstellungen* einen Überblick über sein Schaffen, das Zeichnung, Radierung und Malerei vereint.

Begonnen hat es schon früh mit dem Zeichnen für Herwig Zens. In jüngsten Jahren halfen ein Bleistift und Papier einen längeren Krankenhausaufenthalt zu überstehen. In den weiteren Lebensjahren hat der Vater, selbst ein begabter Zeichner, diese Neigungen seines Sohnes gefördert und unterstützt. Als Zens 15 bzw. 16 Jahre alt war, erwachte das Interesse an der Malerei. An der künstlerischen Volkshochschule und später an der Akademie der bildenden Künste in Wien konnte Herwig Zens seinen unverkennbar expressiven Stil entwickeln. Der Abend-Akt bei Herbert Boeckl und der Studienaufenthalt bei Oskar Kokoschka an der Salzburger Sommerakademie im Jahr 1962 waren künstlerisch zutiefst prägend. Die Akademie am Schillerplatz wurde – neben dem Studium der Kunstgeschichte und Geschichte – sowohl zu seiner Ausbildungs- als auch Wirkungsstätte.

Er absolvierte Mitte der 1960er-Jahre die Lehramtsprüfung für Bildnerische Erziehung, Geschichte und Werkerziehung sowie das Diplom der Malerei. Aus der Beschäftigung mit den „Pinturas Negras“ von Francisco de Goya im Rahmen der Diplomarbeit erwuchs eine lebenslange Faszination. Jede freie Minute gehörte fortan der Kunst und dem Verfassen von Lehrbüchern. „Ich war zu meinen Schülern und Studenten bestimmt, aber nicht streng“, so Herwig Zens rückblickend. Man könnte auch sagen, fördernd und fordernd. Die Vermittlung des kulturhistorisch Wichtigen und Wissenswerten gelang ihm auf zahlreichen Exkursionen. Immer dabei: Bleistift und Skizzenblock, um Eindrücke bestimmter Stationen einer Reise zu Papier zu bringen.

Besondere Orte

Ein Ort hat dabei besondere Bedeutung: der Berg Athos, den Herwig Zens in Gesellschaft zweier Lebensfreunde, dem Musiker und Leiter des Schönberg-Chores Erwin Ortner und dem Architekt Helmut Sautner von 1976 bis 2013 regelmäßig aufgesucht hat. Diese Sehnsuchtsorte gab und gibt es aber auch anderswo: Das Kino hat ihn immer fasziniert und folglich Einfluss auf seine Arbeit genommen. Die Filme Billy Wilders und Stanley Kubricks haben ihren Eindruck hinterlassen.

Für das Theater reicht seine Zeit oft nicht. Er, der während der Studienzeit und auch später begeistert das Wiener Volkstheater frequentierte, wäre ursprünglich gerne Schauspieler geworden. „Als Lehrender“, so Herwig Zens, „bedarf es ohnehin zehn Prozent Fachwissen und 90 Prozent Schauspielerei, um tagtäglich bestehen zu können“. So hat sich der ursprüngliche Berufswunsch in gewisser Weise doch auch erfüllt. Mit enormer Energie hat er in beiden Bereichen, jenem des Vermittelns und jenem des eigenen künstlerischen Schaffens, Erstaunliches geleistet. „Grenzen haben mich nie interessiert, das Überschreiten von Grenzen dagegen schon“, so Herwig Zens.

Das zehrt an den Kräften, ermöglicht aber auch Ungeahntes. Und obwohl das enorme Arbeitspensum mittlerweile eingeschränkt wurde, ist es heute noch so. An der Akademie für bildende Kunst hat er sich, wie überhaupt ständig, engagiert und echauffiert, für seine Studenten eingesetzt und gegen die seltsamen Blüten opponiert, die Teil des institutionalisierten Akademiebetriebs sind. Und doch verteidigt er das Haus am Schillerplatz, in dem er von 1987 bis 2006 eine Professur innehatte und ebenfalls bis 2006 als Vorstand des Institutes für das künstlerische Lehramt tätig war, gegen Angriffe von außen mit ähnlicher Vehemenz, mit der er an den Debatten in der Akademie teilnahm.

Ausuferndes Schaffen

„Viel zu viel gleichzeitig und dabei selbst schuld daran“, so steht neben einer Radierung, datiert 9.03.02, aus seinem radierten Tagebuch zu lesen. Alltagsbiografisches wird so mittels der Radierung zu einer Form künstlerischen Ausdrucks. Es wird Buch geführt und akribisch notiert, um zumindest auf diese Weise Ordnung ins Leben zu bringen, die Übersicht nicht zu verlieren. Die geht bei solch ausuferndem Schaffen sonst leicht verloren.

„Wie es begonnen hat, weiß ich nicht mehr genau“, so Herwig Zens auf die Frage nach dem Beginn. Auf einem Stück länglichem Kupferblech entstanden die ersten Radierungen, die seither tagtäglich mit Disziplin und Konsequenz aus- und fortgeführt werden. In ähnlicher Form existiert dieses mehrfach ausgestellte Tagebuch wohl kein zweites Mal. Als besonderes Thema ist die Beschäftigung mit dem Tod im künstlerischen Schaffen gleichfalls beherrschend. Das Totentanz-Thema hat Herwig Zens in einigen Variationen künstlerisch festgehalten. So diente etwa der berühmte Basler Totentanz als Vorbild für eine eigene Bildfolge. Im Bamberger Totentanz aus dem Barock ist eine eigenartige Szene enthalten: Der Tod tritt von hinten an den Künstler, der gerade dabei ist, ein Bild fertigzustellen. In diesem Moment des Innehaltens liegt das Stundenglas in der Hand des Todes waagrecht: Der Tod gewährt aus Neugier auf das fertige Werk eine letzte Frist. Das ist tröstlich, denn demzufolge ist man während der künstlerischen Arbeit wohl vor dem Tod gefeit.

* Ausstellungen von Herwig Zens anlässlich seines 70. Geburtstags:

Arthotek Niederösterreich/Krems „Ateliergeister. Die Fülle des Werks und des Seins“, von 20. Oktober 2013 bis 2. Februar 2014

Kleine Galerie/Wien „Ich hab noch viel vor“; Herwig Zens (Jubliäumsausstellung), von 16. Oktober bis 21. November 2013

Galerie 22/Innsbruck; Herwig Zens – Graphik; von 7. Oktober bis 31. Oktober 2013

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