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„Mondscheinfluss“ 2012 Öl/Leinwand, 110 x 140 cm

„Alte Weingärten“ 2011 Öl/Leinwand, 140 x 110 cm

„Wilde Herbstrosen“ 2008, Öl/Leinwand, 140 x 110cm

„Mondlichtlandschaft“ 2012 Öl/Leinwand, 110 x 140 cm

 
Leben 21. Oktober 2013

Grund zum Jubeln mal zwei!

Die Kunst als verbindendes Element, die Vernissage als Kristallisationspunkt für Vernetzungen.

Der Kunstraum Dr. David ermöglicht seit 25 Jahren die Begegnungen von Menschen, die Freude an der Kunst haben. Zahlreiche auch renommierte, zum Teil aber noch unbekannte Künstler haben den Kunstraum durch diese Zeit begleitet, geformt und geprägt. Mit einer Ausstellung von Christian Kvasnicka, der seinen 60. Geburtstag feiert, schließt der Kunstraum an alter Adresse, um in etwa einem halben Jahr an einem neuen Ort allen Kunstinteressierten wieder offen zu stehen.

Es begann mit der Lust, sich wichtig zu machen, ohne jemandem zu schaden. Es ging weiter mit der Freude an Begegnungen mit Menschen, die ebenfalls Freude an der Kunst hatten, mit abwechslungsreichen Räumen und Stimmungen, mit dem Drumherum von Gewühl bei den Vernissagen und Kontemplation inmitten von Leinwänden, Steinen, Keramik, Farben und Formen, einem Gefühl von Geborgenheit im Abenteuer des Ausdrucks.

Und dann kam auch noch die Freude, klugen und begeisterten Menschen zuzuhören, die bei den Eröffnungen über Kunst und Künstler, über Politik und Gesellschaft, über die Welt und manchmal sogar ein wenig über Gott sprachen. Manchmal ein wenig Musik und Dichtkunst, Rezitation und Literatur dazu. Und ein bisschen Hinschmecken zu feinen Getränken und Knabbereien. Die zauberhafte und quirlige Atmosphäre einer Vernissage, wo sich einerseits lang vergessen geglaubte Personen zufällig wieder finden, Künstlerfreund- und gegnerschaften aufgefrischt werden und sich berufsgruppenübergreifende Kontakte ergeben zwischen Leuten, die sich sonst nie getroffen oder gesprochen hätten – die Kunst als verbindendes Element, die Vernissage als Kristallisationspunkt für Vernetzungen: So kann man das beschreiben, was sich im Winter hinter der weißen Tür, im Sommer auch schon hinaustreibend in den Garten abspielt. So ist das Kunsterleben auch eine Möglichkeit, Berührungsängste mit der Psychiatrie abzubauen: Menschen, die sonst nie die Schwelle einer psychiatrischen Praxis hätten überschreiten wollen aus Angst, abgestempelt zu sein, für verrückt gehalten zu werden, hier können sie einen Schritt zur Entstigmatisierung und zur Grenzen öffnenden Realität tun. So ermöglicht der Kunstraum seit 25 Jahren auch die arg- und angstlose Begegnung mit dem eigenen Seelenleben.

Eine der vielen Definitionen von Kunst besagt „Kunst ist, wenn aus etwas Altem etwas Neues entsteht“.; ein Vergleich, der auch auf therapeutische Prozesse anwendbar ist, wo altes Material, das teils bewusst, teils unbewusst mit sich herumgetragen wird, gesichtet, auf seine aktuelle Anwendbarkeit überprüft, verworfen oder zu neuen Sicht- und Lebensweisen zusammengefügt wird.

Zahlreiche auch renommierte, zum Teil aber noch unbekannte Künstler haben den Kunstraum durch die 25 Jahre seines Bestehens begleitet, geformt und geprägt. Harald Fritz, der in weiterer Folge eine Schule für Kunsttherapie begründete; Hannes Turba, Gabriele Ktschera und Renate Korinek, die mit mächtigen Skulpturen den Garten in die Gestaltung mit einbezogen; Hannes Mlenek, Walter Schmögner, Peter Atanasov, Leander Kaiser, Helmut Kand, Linde Waber. Mehrmals vertreten waren Gerhard Flekatsch, Friederike Wagner, Robert Weber, Timo Huber, Meinrad Faltner. Das Ausstellungsprogramm umfasste Malerei, Graphik, Keramik, Skulptur, Fotographie, Installationen und war immer wieder umrahmt von musikalischen und literarischen Darbietungen.

Der Kunstraum schließt mit dieser Ausstellung seine Tätigkeit an diesem Ort ab, wo er zwar vonseiten der Künstler und Besucher, nicht aber vonseiten der Nachbarschaft und Wertschätzung stieß, um in etwa einem halben Jahr in Mauer wieder offen zu stehen für alle, die sich dem Weg der Kunst ein Stück weit anvertrauen wollen. Das bisherige und weitere Programm finden Interessierte unter www.kunstpraxis-david.at

Christian Kvasnicka ist 60

Als einer der ersten Künstler im Kunstraum Dr. David war Christian Kvasnicka bereits mit Ölbildern und Zeichnungen „Jenseits der Dämmerung“ vertreten. Schon damals beeindruckte seine altmeisterliche Technik im Umgang mit Farben, die er selbst aus alten Pigmenten herstellte (die er sich auf geheimnisvolle und kostspielige Weise zu beschaffen wusste und weiß). Wer sich auf die Verführung durch die Explosion der Farben einlässt, wird belohnt durch vibrierende und alle Sinne erfassende Erlebnisse. Kvasnickas Bilder sind hörbar, verzaubern durch die Entführung und Klang- und Sinneswelten. Synästhesien, sonst als neurologisches Symptom oder Drogeneffekt angesehen, werden hier zur Möglichkeit der ungefährlichen Erlebniserweiterung.

Intellektualität und Spontaneität sind bei Kavasnicka kein Widerspruch. Seine Bilder sind auch Beispiele für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Welt und dem Kosmos, indem er uns die Augen öffnet, für das, was erhaltenswert und zu behüten ist: Pflanzen, Landschaften, Situationen, Begegnungen. Auch Stimmungen sind wichtig, wenn sie natürlich entstehen und nicht gekünstelt hervorgerufen werden.

Kvasnicka ist ein ernsthafte Maler, ironische Distanz ist in seinen Bildern nicht zu finden. Sie können zum Teil heiter und fröhlich wirken, manchmal sogar ekstatisch – lustig sind sie nicht. Das ist aber angenehm in einer Welt, in der die gekünstelten Lustigkeiten der Personality shows und die flachen Gags der Politiker einem oft schon zum Hals heraushängen.

Neben seiner Tätigkeit als Maler ist Kvasnicka auch – weil wir schon beim Thema Politik sind – kunstpolitisch aktiv. Er ist als Direktor des Art Collectos Club des roten Kreuzes wesentlich und initiativ daran beteiligt, Unikatradierungen berühmter Repräsentanten der österreichischen Kunstwelt zu erschwinglichen Preisen in die Öffentlichkeit zu tragen und damit auch noch das rote Kreuz zu unterstützen – damit rückt er wieder sehr in die Nähe der Sozialmedizin, die in Wien sonst zunehmend an Boden verliert. Er unterrichtet in Sommerakademien der „Schule des Sehens“, betreibt seinen eigenen Ausstellungsraum in Enzesfeld und entwirft alljährlich den MAECENAS, den Preis für Sponsoring der Initiative für Wirtschaft und Kunst.

Das er gemeinsam mit dem Kunstraum Dr. David, dessen 25-jähriges Bestehen und seinen 60. Geburtstag feiert, ist ein Zeichen einer jahrelangen respektvoll-freundschaftlichen Beziehung und eine Gelegenheit, zwei „Institutionen“ der Wiener Kunstwelt auf freud- und lustvolle Weise zu begegnen.

Ausstellung

Die Ausstellung JUBEL im Kunstraum Dr. David in 1130, Jagschloßgasse 6, wird am Freitag, dem 15. November 2013 um 18 Uhr eröffnet (einführende Worte: Prof. Dr. Axel Hubmann) und ist bis Ende Februar 2014 donnerstags von 17 bis 19 Uhr zugänglich.

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