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Schädel mit Zuckerguss aus Mexiko.

Trophäenschädel aus Borneo

Trophäenschädel aus Borneo

Schädel mit Mosaikbesatz aus Türkissteinen Mexiko, evtl. Oaxaca, Puebla, Guerrero evtl. Mixteken, vor 1500 n. Chr. Weltweit gibt es nur wenige dieser besonders aufwendig verzierten Schädel aus Zentralmexiko.

Mumifizierter Kopf eines Maori-Häuptlings Maori, Neuseeland, vor 1770. Dieser tatauierte und mumifizierte Kopf eines Maori gelangte über die erste Neuseelandfahrt 1768-1771 von Captain James Cook nach Europa.

© (7) Wolfgang Regal

Trophäen(-Büffelhorn)schädel aus Indien.

Dekorierter Ahnenschädel der Asmat, Papua-Neuguinea. Bei den Asmat galt Schmuck als Bekleidung, daher ist dieser mit Muschel- und Federschmuck dekorierte Schädel als bekleidet zu betrachten. Durch den Schmuck wird auch der Status des Trägers angezeigt.

 
Leben 23. Oktober 2013

Faszination Schädel – Der Kult um den Kopf

Die Ausstellung zeigt interessante Exponate aus der ganzen Welt in der Kunsthalle Leoben.

Bizarre Exponate beherbergt noch bis zum 1. Dezember 2013 die Kunsthalle im obersteirischen Leoben. Die Ausstellung „Faszination Schädel – Der Kult um den Kopf“ demonstriert an über 300 Objekten ein „Menschheits- und Weltphänomen“: Die überragende Bedeutung von Kopf und Schädel in der Geschichte der Menschheit.

Quer durch die Menschheitsgeschichte zieht sich seit Jahrtausenden das Interesse und die besondere Wertschätzung des menschlichen Schädels. Niemals war der Totenkopf nur Schutz und knöcherne Hülle für das Gehirn. Vom Sinnbild der Vergänglichkeit über den Schädel als Haus für die Seele des Ahnen, dessen Geist und Kraft damit bewahrt wird, bis zu den Trophäen der Kopfjäger, wo der erbeutete Schädel quasi ein Dokument des Mutes und der Stärke war, reicht das Spektrum der Schädelkulte von der Vorzeit bis in unsere Tage. Anhand eindrucksvoller Objekte aus bedeutenden Sammlungen und Leihgaben aus der ganzen Welt zeigt die Ausstellung, wie unterschiedlich der Zugang und der Umgang mit dem menschlichen Schädel in verschiedenen Kulturen waren. Sie gibt dramatische Einblicke in die vielfältigen Rollen, die der menschliche Schädel in den verschiedensten Kulturen rund um den Globus spielte und noch spielt.

Faszinierende Schau

Rätselhaft, archaisch und geheimnisvoll sind die oft aufwendig geschmückten und kunstvoll bearbeiteten Schädel, die den Besucher der Ausstellung unweigerlich in ihren Bann ziehen. Sie sind Symbole der Gewalt, des Hasses, aber auch der Verehrung. Beeindruckend zu sehen und fast zu spüren etwa bei dem mit Kaurimuscheln und Federn geschmückten Schädel aus Papua-Neuguinea, die mit Antilopenhaut überzogenen furchterregenden Schädel-Aufsatzmasken aus Nigeria, den prächtig verzierten Ahnenschädel aus Asien, dem Büffelhornschädel aus Indien und dem mumifizierten und tätowierten Kopf eines Maori-Häuptlings, den Captain James Cook auf seiner ersten Fahrt (1768–1771) in Neuseeland erwarb. Schrumpfköpfe der südamerikanischen Jivaro Völker, bemalte Beinhausschädel aus Hallstatt, phrenologische und andere Köpfe von Franz Joseph Gall (1758–1828) aus der Rollett-Sammlung in Baden bei Wien und Teile der verschollenen und wiederentdeckten Sammlung des Darwinisten und Künstlers Gabriel von Max (1840–1915) ergänzen die faszinierende Schau. Totenschädel aus Zucker, die für den „Dia de los Muertos“ am 1. November in Mexiko hergestellt werden, der Totenkopf als Gefahrensymbol, Objekt für Satanisten, Biker, Rocker und gruselige Halloweenpartys zeigen, dass der Kult um den Schädel noch immer oder schon wieder ein Teil der Alltagskultur ist – und das überall auf der Welt.

Entzaubert wird ganz nebenbei der Mythos der berühmten, angeblich von den Maya stammenden Kristallschädel. Untersuchungen ergaben, dass sie mit ziemlicher Sicherheit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Europa hergestellt wurden. Speziell für die Ausstellung wurde in der Edelsteinstadt Idar-Obenstein in Rheinland-Pfalz ein Kristallschädel mit vergleichbaren Techniken wie im 19. Jahrhundert hergestellt und dies auch detailliert dokumentiert.

Leonardo da Vinci’s Miniaturkopf?

Tatsächlich eine Weltsensation könnte ein etwa 5 cm großer aus einem Kunststein modellierter anatomisch korrekter Miniaturschädel mit einer präzise geformten Pathologie – Berry-Syndrom bzw. Dysostosis mandibulofacialis – sein. Vor dreißig Jahren entdeckte ein deutsches Ehepaar dieses detailreiche Modell im Antiquitätenhandel. Untersuchungen zufolge wurde der Schädel im 15. Jahrhundert in der Nähe von Florenz hergestellt. Mehrere Wissenschaftler haben sich bereits mit diesem Köpfchen auseinandergesetzt. Viele Indizien sprechen dafür, dass dieses Modell von Leonardo da Vinci (1452–1519) hergestellt wurde. Neben einer fast identischen Zeichnung in seinen Aufzeichnungen ist es die Masse „Mistioni“, die Leonardo entwickelt hat und aus der auch der Miniaturkopf geformt ist. Erst vor ganz kurzer Zeit – etwa als die Ausstellung in Leoben eröffnet wurde – fanden Leonardoforscher auch einen bibliografischen Beweis für die Verbindung von Leonardo zum Miniaturschädelmodell. Für die Forscher ist das Modell des Schädels damit zu 99,9 Prozent von Leonardo da Vinci.

Ein weiterer Grund, um die spannende Ausstellung über dieses länder- und zeitübergreifende Phänomen noch zu besuchen. Ein Phänomen das auch heute noch fasziniert: Der Kult um den Kopf, der lange Zeit nicht aus dem Kopf geht.

Ausstellung in Leoben

Faszination Schädel – Der Kult um den Kopf
von 11. Mai bis 1. Dezember 2013,
täglich geöffnet von 9.00 bis 18.00 Uhr
www.schaedelkult.at

Kunsthalle Leoben
Kirchgasse 6, 8700 Leoben
Tel: +43 (0) 3842/4062-408
E-Mail:

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