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Leben 15. Oktober 2013

Leben retten sollte in den Lehrplan kommen

Erster Europäischer Tag der Wiederbelebung: Kinder als Lebensretter

Schwerpunkt des ersten "Europäischen Tags der Wiederbelebung" am 16. Oktober ist die Reanimation durch Kinder und Jugendliche. Europaweit würden jährlich 350.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses erleiden. Das seien zwölfmal mehr, als im Straßenverkehr ums Leben kommen. Für Österreich gehen Experten von 10.000 bis 12.000 Betroffenen jährlich aus, von denen nur jeder zehnte gerettet werden kann. Grund ist die geringe Zahl an Ersthelfern, die sich eine Herzdruckmassage zutrauen.

Bis zu viermal höhere Raten gebe es in Nordeuropa, wo Wiederbelebungsmaßnahmen vielfach Teil des Pflichtunterrichts seien. Ziel müsse es daher sein, Reanimation auch in Österreich verpflichtend in den Lehrplan aufzunehmen, sagte der Leiter des Referats für Notfall- und Rettungsdienste sowie Katastrophenmedizin in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Michael Lang, anlässlich einer Pressekonferenz am Dienstag.

Angst und Unkenntnis

Rund 60 Prozent der Ersthelfer in den Niederlanden und in Schweden seien bereit, im Notfall Reanimationsmaßnahmen umzusetzen, was sich in Überlebensraten von bis zu 40 Prozent äußere. - Laut Experten ein Erfolg des Reanimationsunterrichts in den Schulen, der dort seit 20, in Norwegen gar schon seit 50 Jahren verpflichtend ist. Hingegen seien nur 15 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher in der Lage, die lebensrettende Herzdruckmassage bei Herz-Kreislauf-Stillstand durchzuführen. Meist liege es an mangelnden Kenntnissen sowie der Angst, etwas falsch zu machen und dafür belangt zu werden. "Tatsächlich hat das Gros der Österreicher Wiederbelebung nur einmal, im Rahmen des Führerscheinkurses, gelernt und das meiste nach spätestens drei Jahren wieder vergessen", sagte Lang. Gesundheitliche Schäden infolge einer Wiederbelebung seien jedoch nicht strafbar und falsch sei de facto nur das Nichtstun.

Zeitfenster von drei Minuten

"Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand entstehen nach drei Minuten die ersten irreparablen Schäden im Gehirn", erklärte der Präsident des Österreichischen Rats für Wiederbelebung (ARC), Doz. Michael Baubin von der Innsbrucker Uniklinik. Dieses Zeitfenster müsse ein Ersthelfer nützen und unverzüglich mit der Herzdruckmassage beginnen. Denn bis das Rettungsteam am Einsatzort sei, würden durchschnittlich zehn Minuten vergehen. Diese Spanne sei international relativ konstant und lasse sich auch in Österreich trotz des dichten Notarztnetzes nicht mehr verkürzen, ergänzte der Leiter des ÖÄK-Referats für Notfall- und Rettungswesen, Michael Lang. Nur bei sofortiger Reanimation habe der Patient eine Chance, so zu überleben, dass er nach dem Spital wieder in ein selbstständiges Leben führen kann. Ziel des ARC sei es, die Zahl der Geretteten auf mindestens 2.000 pro Jahr zu verdoppeln, so Notfall-Experte Baubin.

Reanimation soll in den Pflicht-Lehrplan

Um dieses Ziel langfristig zu erreichen, müsse jetzt in die Ausbildung der Schülerinnen und Schüler investiert werden, sagte die Leiterin des ÖÄK-Schulärztereferats, Gudrun Weber. "Schon elf-, zwölfjährige Kinder mit einem Körpergewicht von 40 Kilogramm können die Herzdruckmassage ausführen." Bei Kindern würde das Wissen erfahrungsgemäß rasch in Fleisch und Blut übergehen, "wie beim Schwimmen, das lernt man auch einmal und kann es dann ein Leben lang". Daher sprachen sich ÖÄK-Vertreter und Notfallmediziner klar für eine Integration von Wiederbelebungstraining in den Pflichtunterricht aus. Derzeit hänge es nämlich meist von der Eigeninitiative engagierter Schulärzte und Lehrer sowie vom guten Willen der Direktoren ab, ob in einer Schule Reanimationstraining angeboten würde.

Infos zum Ersten Europäischen Tag der Wiederbelebung am 16.10.2013

» Kampagne

» Europäischer Rat für Wiederbelebung

» Österreichischer Rat für Wiederbelebung

Pressemitteilung der Österreichischen Ärztekammer/TF, springermedizin.at

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