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Leben 14. Oktober 2013

Gerüche gegen Ängste

Neuer Therapieansatz könnte Menschen mit Phobien und posttraumatischen Belastungsstörungen helfen.

Forscher der Northwestern University Feinberg School of Medicine, USA, gehen davon aus, dass bestimmte Gerüche eingesetzt werden könnten, um Menschen im Schlaf von ihren Ängsten zu befreien.

In einer Untersuchung wurden Probanden so trainiert, dass sie zwei Bilder, die mit Gerüchen in Verbindung standen, mit Angst in Zusammenhang brachten. Während des Schlafes wurden sie einem der beiden Gerüche ausgesetzt. Wieder erwacht, hatten sie weniger Angst vor dem Bild, das mit diesem Geruch verbunden war. Experten wie Jennifer Wild vom King’s College London Institute hoffen, dass dieser Ansatz zur Behandlung von Phobien und Posttraumatischen Belastungsstörungen eingesetzt werden kann. Menschen mit Ängsten werden bereits jetzt im Wachzustand schrittweise mit dem, was ihnen Angst macht, in Kontakt gebracht.

Experimente während der Tiefschlafphase

Die in Nature Neuroscience (http://nature.com/neuro) veröffentlichte Untersuchung legt nahe, dass dieser Ansatz auch während des Tiefschlafes zum Einsatz kommen könnte. Während dieser tiefsten Schlafphase werden Erinnerungen verarbeitet – vor allem jene, die mit Gefühlen zusammenhängen.

Die Experten zeigten 15 gesunden Menschen Fotos von zwei verschiedenen Gesichtern. Gleichzeitig wurde ihnen ein leichter elektrischer Schock verabreicht. Zusätzlich wurden sie einem bestimmten Geruch wie Zitrone, Pfefferminz, neuen Turnschuhen, Gewürznelke oder Holz ausgesetzt. Im Schlaflabor wurde einer der Gerüche freigesetzt, der mit einem der gezeigten Fotos in Zusammenhang stand. Als sie wieder wach waren, wurden ihnen beide Gesichter gezeigt, jedoch ohne Geruch oder Elektroschock. Die Teilnehmer zeigten bei dem Bild, das mit dem Geruch in Zusammenhang stand, den sie während des Schlafes wahrgenommen hatten, weniger Angst.

Neue Erkenntnisse, aber weitere Forschungen notwendig

Die Reaktionen wurden über die Schweißmenge auf der Haut und funktionelle Magnet-Resonanz-Tomografie mittels Gehirnscans gemessen. Sie zeigten Veränderungen in den Bereichen, die wie der Hippokampus mit dem Gedächtnis in Zusammenhang stehen sowie Gehirnaktivität in Bereichen wie der Amygdala, die mit Gefühlen in Verbindung gebracht wird.

Die Teilnehmer befanden sich zwischen fünf und 40 Minuten in tiefem Schlaf. Die Wirkung der Behandlung war bei jenen am stärksten, die am längsten geschlafen hatten. Laut der leitenden Wissenschaftlerin Katherina Hauner bedeuten diese Forschungsergebnisse wirklich eine neue Erkenntnis. Phobien wären für die Wissenschaftlerin das offensichtliche Einsatzgebiet dieses Behandlungsansatzes – im Vergleich zu posttraumatischen Belastungsstörungen sind sie einfacher zu heilen.

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