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Königin der Lüfte: unverkennbar am schlanken Rumpf und dreiteiligemLeitwerk.

Die Schaltzentrale: Blick in das Cockpit.

© (5) TWA, Breitling

Blick aus dem Kabinenfenster auf die mächtigen Motoren.

TWA-Werbung mit Super Constellation 1950.

Elegante Erscheinung:L-1049 Super Constellationauf der Rollbahn.

 
Leben 14. Oktober 2013

Ab in die Lüfte

Wie fliegt man mit einer Legende? Im Zweifelsfall voller Ehrfurcht und Respekt. Beides ist im Fall der Lockheed Super Constellation absolut angebracht.

Sie gilt als eine der schönsten jemals gebauten Verkehrsmaschinen: Die Rede ist von der Lockheed Super Constellation – von Liebhabern, die der Fluglegende jederzeit den nötigen Respekt zollen, liebevoll auch „Connie“ genannt.

Es ist der Flugbegeisterung eines Exzentrikers zu verdanken, dass aus einer Idee, dieses legendäre Flugzeug entstand. Howard Hughes, Hauptaktionär der Transcontinental & Western Airlines TWA drängte auf Realisierung dieses Projektes, mit dessen Hilfe Transkontinental-Flüge und damit nicht nur der Sprung über den großen Teich nach Europa zeitlich deutlich verkürzt werden sollte. Und tatsächlich hob am 9. Jänner 1943 der Prototyp ab. In Friedenszeiten weiterentwickelt und sukzessive verbessert, sorgte die L-1049 Super Constellation ab 1951 dafür, dass sich die Flugzeiten auf den von der TWA durchgeführten Transatlantikflügen wesentlich reduzierten. Das Zeitalter der luxuriösen Übersee-Kreuzer neigte sich damit rasch dem Ende entgegen.

Bis Anfang der 1960er-Jahre galt die Passagiermaschine mit ihrem schlanken Rumpf und dem markanten dreiteiligen Heck als Inbegriff eines neuen und komfortablen Reisens von der Alten in die Neue Welt und retour. Erst die Jet-Ära setzte dem ein Ende. Nicht alle Exemplare dieses Flugzeug-Typs standen übrigens im Dienst des Personenluftverkehrs. Besagtes Exemplar, das zu den drei letzten flugfähigen Maschinen dieses Typs zählt und dank der Familie Schneider, Eigentümer des Uhrenunternehmens Breitling betriebsbereit und damit flugfähig erhalten bleibt, kann auf eine durchaus wechselvolle Geschichte zurückblicken. Zunächst diente die viermotorige Maschine nämlich als fliegendes Hospital, bevor sie in späteren Jahren erfolgreich an der Bekämpfung von Waldbränden mitwirkte. Nur einer glücklichen Fügung ist es zu verdanken, dass dieses Prachtstück nicht im trockenen Wüstenklima Arizonas nahe Tucson auf einem Flugzeugfriedhof als Teilespender ein trostloses Ende fand.

Eine der letzten ihrer Art

Die erhalten gebliebene, 1955 konstruierte Maschine trägt den Namen „Star of Switzerland“. Sie wurde in den 1990er-Jahren von Flugzeug-Liebhabern restauriert und befindet sich seit 2004 in Europa. Seither nimmt sie regelmäßig, sehr zur Begeisterung der Zuschauer an Flugmeetings teil. Auch zu Filmehren kam speziell diese Super Constellation: Zuletzt spielte sie eine der Hauptrollen im oscargekrönten Spielfilm „The Aviator“, in der Leonardo Di Caprio die Rolle des Howard Hughes verkörpert. Gegenwärtig ist diese Super Constellation – technisch vollständig instand gesetzt und überprüft – das einzige flugfähige Exemplar in Europa. Für manch einen Flugbegeisterten ist es ein Wunschtraum, sich einmal an Bord der „Connie“ in die Lüfte zu erheben. Nun, unerfüllbar ist solch ein Wunsch nicht. Man kann damit nämlich tatsächlich Rundflüge – zumeist in der Schweiz – unternehmen. In Originalgröße auf der Rollbahn präsentiert sich die fliegende Legende, die manch einer nur als Silhouette weit oben am Himmel noch in lebhafter Erinnerung hat, absolut eindrucksvoll. Der lange, schmale Rumpf, die vier mächtigen 18-Zylinder Wright R-3350-Triebwerke, die mit ihren jeweils etwa 2.200 PS die dreiflügeligen Propeller mit einem Durchmesser von 4,6 Metern auf Touren bringen, das charakteristische dreiteilige Leitwerk – das alles wirkt Respekt einflößend.

Gediegen fliegen

Im Inneren ist Möblierung eher sparsam, denn wie bereits erwähnt, handelt es sich bei diesem Exemplar nicht um ein Passagierflugzeug. Einige Sitzreihen vermitteln dennoch einen Eindruck vom Flugkomfort der 1950er-Jahre. Beim Start erfüllt sonores Brummen den Innenraum, nicht laut, sondern eher beruhigend gleichmäßig. Orangerote Flammen schießen aus den Auspuffrohren, während die Motoren langsam auf Betriebstemperatur kommen und die Drehzahl vor dem Start nach und nach steigt. Beim Start hebt die Super Constellation fast unmerklich ab und geht zügig in den Steigflug über.

Die Berghänge sind beim Rundflug vom Flughafen Buochs aus Richtung Luzern recht nahe, und das Gefühl, sich in dieser fliegenden Legende durch die Lüfte zu bewegen, ist unvergleichlich. Hinter den Passagiersitzen sind Ölfässer mit Spanngurten rutschsicher verstaut. Damit hat es auch eine besondere Bewandtnis, denn das fliegende Prachtstück ist anspruchsvoll und verträgt nicht irgendein Motoröl, sondern nur eine besondere Mischung. Die wird allerdings nur mehr speziell auf Bestellung hergestellt und ausgeliefert. Das ist kostspielig und zudem ist es ratsam, immer einige Fässer davon auf Vorrat mitzuführen. Erstaunlich, wie beruhigend das Brummen der Motoren wirkt. So konnte man den Flug über den Atlantik glatt verschlafen.

Die freundliche Stewardess weist die Neugierigen an den Kabinenfenstern unterdessen immer wieder darauf hin, dass die Balance während des Fluges gewahrt bleiben muss, damit die Trimmung der Maschine stabil bleibt. Man fügt sich verständnisvoll ihren Anweisungen und genießt im Vorbeiflug den Blick auf das Schweizer Voralpenland. Der Flug führt in einer Schleife – wenn auch nicht über den Großen Teich – so doch über den Vierwaldstätter See, bevor es zurück Richtung Buochs geht. Noch einmal den Flug genießen und dem gleichmäßigen Laufen der Motoren zuhören. Da setzt „Connie“ auch schon – viel zu früh – zur Landung an. Und bereits beim Aussteigen zaubert die Erinnerung an dieses einmalige Flugerlebnis den Passagieren ein Lächeln ins Gesicht.

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