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© Ablasser
Dr. Klemens Ablasser, Graz
© Winter

Dr. Max-Paul Winter, Wien

"Eine gestörte Funktion von VEGFR-2 dürfte bei der Entstehung der PAH eine wichtige Rolle spielen."

 
Leben 11. Oktober 2013

ESC-Awards für Österreich

Bei der Prämierung der wissenschaftlichen Arbeiten am ESC-Kongress in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam gingen drei Preise an österreichische Wissenschafter.

Die Arbeit „Static, but not cyclic tensional forces on the heart increase anti-angiogenic sFlt-1 expression in endothelial cells and inhibit VEGFR-2 activation“ wurde mit einem Best Poster Preis ausgezeichnet. Dr. Klemens Ablasser, Medizinische Universität, Graz, nahm diesen entgegen und dankte seinen Kollegen für die engagierte Mitarbeit an diesem Projekt.

Hintergrund der Studie war die Überlegung, dass es bei einer Reihe von Krankheiten zu einer enormen mechanischen Belastung des linken Ventrikels kommt. Die damit einhergehenden Anstiege des systolischen und diastolischen Drucks sind oft mit einer endothelialen Dysfunktion und/oder einer reduzierten Dichte der Kapillargefäße im betroffenen Herzmuskelbereich assoziiert. Die Arbeitsgruppe um Dr. Ablasser formulierte die Hypothese, dass durch mechanische Krafteinwirkung auf den linken Ventrikel die Expression verschiedener Angiogenesefaktoren beeinflusst wird.

Die Untersuchung wurde an einem Tierherz-Modell durchgeführt. Es kamen zwei verschiedene Belastungsarten, anhaltend oder periodisch wiederkehrend, zur Anwendung. Untersucht wurden die Faktoren Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF), der VEGF-Rezeptor 2 (VEGFR-2) und der lösliche VEGF-Rezeptor 1 (sFlt-1). Die quantitative Bestimmung auf mRNA- bzw. Proteinebene erfolgte mittels RT-PCR, Immunoblot, Ko-Immunopräzipitation oder Immunohistochemie.

Die Ergebnisse: Dauerzug auf den linken Ventrikel führte zu einer signifikanten Steigerung der mRNA- und Proteinexpression von sFlt-1 aus kapillären Endothelzellen. Die Veränderungen waren bereits 30 Minuten nach Beginn der Krafteinwirkung nachzuweisen und hielten bis zu 6 Stunden an. Die Expression von VEGF blieb unverändert. Bei sFlt-1 handelt es sich um einen anti-angiogenetischen Faktor, da dieser VEGF bindet und die Konzentration von freiem VEGF für die Signalaktivierung am pro-angiogenetischen VEGFR- 2 reduziert. Die periodisch angewandte Krafteinwirkung führte zu keinerlei Veränderungen der untersuchten Angiogenesefaktoren.

Dr. Ablasser schließt aus den Untersuchungsergebnissen, dass eine anhaltende mechanische Beanspruchung des linken Ventrikels, wie sie bei vielen Erkrankungen des Herzens gegeben ist, zu Imbalancen der Expression von pro- und anti-angiogenetischen Faktoren führt und so unmittelbar an der Entwicklung einer reduzierten Kapillardichte beteiligt zu sein scheint.

Zur Person: Dr. Klemens Ablasser ist seit Juli 2011 Assistenzarzt an der Abteilung für Kardiologie der Medizinischen Universität Graz. Davor war er im Rahmen eines Forschungsstipendiums zwei Jahre lang am „Children’s Hospital Boston“ der Harvard Medical School, USA, wissenschaftlich tätig. Er war Subinvestigator einiger großen Studien wie ARISTOTLE oder PLATO. Auch bei einigen laufenden Studien, z. B. ARTS-HF, ist er als Subinvestigator beteiligt.

Arbeitsgruppe: K. Ablasser1, R. Gasser1, P. Del Nido2, B. Pieske1, I. Friehs2 - (1) Medical University of Graz, Department of Cardiology, Graz, Austria; (2) Children’s Hospital, Boston, USA.


Best Poster und Young Researcher Award

Die von Dr. Max-Paul Winter und Mitarbeitern prämierte Arbeit befasst sich ebenfalls mit dem Thema Angiogenese. Die Arbeit mit dem Titel „Formation of typical vascular lesions in a new experimental model of pulmonary arterial hypertension“ wurde mit dem Young Researcher Award der ESC-Working Group on Pulmonary Circulation and Right Ventricular Function und zugleich mit einem Best Poster Preis ausgezeichnet. Thema der Arbeit: durch gezielte ablative Genmanipulation im Mausmodell Gefäßveränderungen zu induzieren, die mit jenen der Pulmonalen Arteriellen Hypertonie (PAH) beim Menschen vergleichbar sind. Die Intervention wurde an jenem Gen durchgeführt, das für die Expression des Rezeptors 2 des Vascular Endothelial Growth Faktors (VEGFR-2) verantwortlich ist.

Die PAH ist eine therapeutisch schwer zu beeinflussende progressive Erkrankung mit ernster Prognose. Dementsprechend groß sind die Bemühungen, den zugrunde liegenden Pathomechanismen auf die Spur zu kommen. Im Zuge der Erkrankung kommt es zu okklusiven Veränderungen der kleinen pulmonalen Gefäße. Eine gestörte Funktion von VEGF-Rezeptor 2 dürfte dabei eine wichtige Rolle spielen.

Das Ergebnis: Nach ablativer Genmanipulation entwickelten die Versuchstiere nicht nur PAH-typische histologische Veränderungen. Es war auch innerhalb kürzester Zeit (nach 2 Wochen) ein signifikanter Anstieg des rechtsventrikulären Drucks zu beobachten.

Dr. Winter: „Es freut mich sehr, dass unsere Arbeit so positiv aufgenommen wurde. Ich möchte mich bei allen Kollegen, die an diesem Projekt mitgearbeitet haben, herzlich bedanken. Ein großer Dank gilt Prof. Irene Lang, die dieses Projekt initiiert und mich bei der Durchführung bestmöglich unterstützt hat. Unser Modell wird hoffentlich neue Erkenntnisse in der PAH-Forschung ermöglichen.“

Zur Person: Dr. Winter ist seit April 2008 Wissenschaftlicher Mitarbeiter und seit September 2013 Assistenzarzt an der Klinischen Abteilung für Kardiologie, Innere Medizin II, MUW. Für seine Arbeit „VEGF Rezeptor 2 Signaling in pulmonary hypertension“ erhielt er im März 2013 ein Forschungsstipendium der ÖKG. Dr. Winter ist Subinvestigator der globalen Studie „ISCHEMIA“, deren Ergebnisse für 2019 erwartet werden. Der erste europäische Patient, der in diese Mega-Studie eingeschlossen wurde, wurde von Univ. Prof. Dr Irene Lang, Priv.-Doz. Dr. Adlbrecht und Dr. Winter rekrutiert.

Arbeitsgruppe: MP Winter1, A. Alimohammadi1, A. Panzenboeck1, M. Frey1, B. Redwan1, S.Puthenkalam1, M. Sibilia2, F. Nagel3,D. Santer3, B. Podesser3, I. Lang1; (1) Department of Internal Medicine II, Division of Cardiology, (2) Institute for Cancer Research, (3) Core Unit for Biomedical Research, Vienna, Austria

 

Der dritte Posterpreis ging an die Arbeit „Serum Omentin significantly predicts cardiovascular events both in patients with metabolic syndrom and in subjects who do not have metabolic syndrom“ von Univ. Prof. DDr. Heinz Drexel und Univ. Doz. Dr. Christoph Säly, LKH Feldkirch.

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